Insolvenzantrag Märklin rollt aufs Abstellgleis

Modellbahnen aus Tradition - der Hersteller Märklin steht im Jahr seines 150-jährigen Firmenjubiläums vor dem Aus. Nachdem die Kreditlinien von Sparkasse und Landesbank nicht verlängert wurden, stellt das Unternehmen Insolvenzantrag. Dabei hatte es im vergangenen Jahr erstmals wieder Gewinne verbucht.
Von Jochen Eversmeier und Matthias Kaufmann

Göppingen - Märklin stellt Insolvenzantrag. Der Zeitpunkt überrascht allerdings. In all den Krisenjahren, die der Modellbahnbauer durchstehen musste, hätte es manch andere Wendung gegeben, die leicht in die Pleite hätte führen können. So vor drei Jahren, als der britische Finanzinvestor Kingsbridge zur Rettung bei Märklin einstieg.

Doch in jüngster Zeit deutete wenig auf das Ende des Traditionshauses. Im vergangenen Jahr hatte Märklin seit langem seinen Umsatz wieder steigern können, von 126 auf 128 Millionen Euro. Gleichzeitig war der Verlust im operativen Geschäft zurückgegangen. Und das im Krisenjahr 2008, in dem die Spielzeugbranche über ein schleppendes Weihnachtsgeschäft klagte.

Außerdem beginnt am morgigen Donnerstag die Nürnberger Spielwarenmesse, eines der größten Branchentreffen seiner Art. Wie die Auftragslage für 2009 aussieht, lässt sich halbwegs sicher erst am Ende der Messe beurteilen, mit neuen Geschäftsabschlüssen in der Tasche. Zwar wird Märklin wie geplant an der Messe teilnehmen, wie auch sonst der Geschäftsbetrieb vorerst normal weiterlaufen soll.

Doch Kredit gibt es keinen mehr. Mancher aus dem Unternehmensumfeld ist irritiert, dass die Banken schon jetzt den Daumen senken. Zum Jahresende war eine Kreditlinie der Kreissparkasse Göppingen und der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) über 50 Millionen Euro ausgelaufen.

Vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt

Sanierungskonzept war fast fertig

Märklin hatte eine Verlängerung beantragt und noch vor zwei Tagen angekündigt, ein Sanierungskonzept vorzulegen. Für den 13. Februar war ein Sanierungsgutachten terminiert, heißt es aus Kreisen gegenüber manager-magazin.de. Warum die Kreditbanken das Gutachten nicht abwarten wollten, ließen diese offen. Die LBBW wollte sich auf Nachfrage von manager-magazin.de nicht zum Thema äußern und verwies auf das Bankgeheimnis.

Märklin-Geschäftsführers Dietmar Mundil zeigt sich weiter kämpferisch und ließ parallel zum Insolvenzantrag verbreiten: "Wir sind fest gewillt, in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter unser Traditionsunternehmen mit Kultstatus zu sanieren und dauerhaft im Markt zu etablieren."

Mundil räumte gegenüber Nachrichtenagenturen ein, dass die Restrukturierung hinter dem Zeitplan liege. Dem Sparkurs war bereits eine Fabrikation im thüringischen Sonneberg mit 220 Mitarbeitern zum Opfer gefallen. Weitere Schnitte sollten folgen, etwa Einsparungen von zehn Prozent bei den Personalkosten.

Vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt

Insolvenzantrag gestellt wurde für Märklin und auch für die Nürnberger Trix Modelleisenbahn GmbH, sie war 1997 von Märklin übernommen worden. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde der Rechtsanwalt Michael Pluta. Bis ein Insolvenzverfahren eröffnet wird, kann es nach Angaben des Amtsgerichts aber noch rund zwei Monate dauern. Bis dahin könne für die Mitarbeiter Insolvenzausfallgeld beansprucht werden.

Märklin beschäftigt rund 1050 Mitarbeiter, 650 in Deutschland und 400 in Ungarn. Neben Kingsbridge (52 Prozent) ist die Investmentbank Goldman Sachs mit 48 Prozent Teilhaber bei Märklin. Aller Mühsal zum Trotz schienen die Investoren am weiteren Betrieb von Märklin interessiert zu sein. Wie aus Finanzkreisen zu erfahren war, hätten auch sie mit dem Einschnitt durch die Banken nicht gerechnet. Offenbar legen sie Wert darauf nicht als Hauptverantwortliche für die Märklin-Pleite dazustehen.

Märklin: Tradition im Zeichen des Zuges

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