Bahn "Mehdorn hat seine letzte Chance vertan"

Der massenhafte Datenabgleich seiner Mitarbeiter bringt Bahnchef Hartmut Mehdorn immer stärker unter Druck. Das Verhältnis zu Aufsichtsrat und Bundesverkehrsministerium gilt als belastet. Gewerkschaften fordern eine Sondersitzung der Kontrolleure. Die SPD schließt Mehdorns Rücktritt nicht mehr aus, und auch aus der FDP werden Rücktrittsforderungen laut.

Berlin - Der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz hat den Rücktritt des Managers für den Fall gefordert, dass sich Berichte über eine weitere Überprüfungsaktion gegen alle Bahnbediensteten bestätigen sollten. "Wenn das so wäre, wird sich Herr Mehdorn nach einer anderen Tätigkeit umsehen müssen", sagte Wiefelspütz dem "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Mittwoch. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Sebastian Edathy (SPD) äußerte sich kritisch. "Der Vorgang ist geeignet, das Ansehen der Bahn weiter zu schädigen", sagte er demselben Blatt.

Zieht er die Konsequenzen und tritt zurück? Viele Beobachter sehen Bahnchef Mehdorn nach dem skandalösen massenhaften Datenabgleich seiner Mitarbeiter über Jahre jedenfalls schwer angeschlagen.

Zieht er die Konsequenzen und tritt zurück? Viele Beobachter sehen Bahnchef Mehdorn nach dem skandalösen massenhaften Datenabgleich seiner Mitarbeiter über Jahre jedenfalls schwer angeschlagen.

Foto: DDP

"Mehdorn hat seine letzte Chance vertan", erklärte der FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich. Er forderte die Bundesregierung auf, "öffentlich Stellung zu nehmen und zu erklären, welche Konsequenzen sie ziehen will." Erforderlichenfalls werde die FDP beantragen, dass auch Mehdorn am Mittwoch kommender Woche im Verkehrsausschuss des Bundestages "Rede und Antwort stehen Muss".

Der Bahn-Chef muss offenbar an vielen Fronten kämpfen. Andere Beobachter erklärten, im Aufsichtsrat habe Mehdorn nicht mehr die volle Rückendeckung und auch das Verhältnis zu Bundesverkehrsminister Tiefensee sei mittlerweile dem Gerierpunkt nahe. Noch am Dienstag hatte sich Tiefensee darüber beschwert, die Bahn informiere in der Datenaffäre nur scheibchenweise. Es dauere zu lange, es komme nicht konsequent, hatte er gesagt.

"Ob das Maß voll ist, werden wir in den nächsten Tagen sehen"

Prügel bezieht der Bahnchef auch von den Gewerkschaften. Der Chef der Bahn-Gewerkschaft GDBA, Klaus-Dieter Hommel, warf dem Unternehmen "katastrophales Krisenmanagement" vor. Eine Personaldiskussion allein um Mehdorn sei derzeit jedoch wenig hilfreich. Der gesamte Vorstand stehe in der Verantwortung. Die zweite große Bahngewerkschaft Transnet forderte deshalb eine außerordentliche Sitzung des Aufsichtsrates der Bahn. Dann müssten endlich alle Fakten auf den Tisch kommen und bewertet werden. "Ob das Maß voll ist, werden wir in den nächsten Tagen sehen", sagte Hommel.

Die Bahn selbst hatte am Vorabend Presseberichte bestätigt, denen zufolge das Unternehmen bereits im Jahr 2005 die Daten von Mitarbeitern im großen Stil überprüft habe. Nach einer ersten Kontrolle eines Großteils der Beschäftigten seien bei einer weiteren Aktion die "Daten aller Mitarbeiter" mit den Adressen und Bankverbindungen von Geschäftspartnern abgeglichen worden, hatte die "Süddeutsche Zeitung" am Dienstag unter Berufung auf den Aufsichtsrat des Unternehmens vorab berichtet. Die betroffenen Mitarbeiter seien im Anschluss daran nicht darüber informiert worden.

Konzernchef Hartmut Mehdorn habe die Belegschaft und die Öffentlichkeit darüber bisher nicht informiert. Der Aufsichtsrat sei "schockiert", zitierte die "SZ" zudem aus Aufsichtsratskreisen. Es sei unbegreiflich, dass der Vorstand nur "scheibchenweise" mit der Wahrheit über die Datenaffäre herausrücke.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen