Siemens Löschers Atomflirt mit Putin

Nach dem angekündigten Ausstieg aus dem Atombündnis mit dem französischen Areva-Konzern hat Siemens Gespräche mit der russischen Atomenergiebehörde Rosatom angekündigt. Konzernchef Peter Löscher will "bewährte Partnerschaften weiter vertiefen".

München - "In den Gesprächen sollen die Möglichkeiten der Zusammenarbeit der beiden Unternehmen auf dem Gebiet der Kernenergie ausgelotet werden", teilte Siemens am Dienstag mit. Bei einem Treffen des russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin mit Konzernchef Peter Löscher sei Siemens zu Sondierungen mit Rosatom eingeladen worden, hieß es.

"Wir freuen uns über die Einladung zu Gesprächen, unsere bestehende Zusammenarbeit in der Energietechnik auf das Feld der Kernkraft auszuweiten", erklärte Löscher.

Siemens sei seit mehr als 150 Jahren in Russland geschäftlich aktiv und habe dort hervorragende und bewährte Partnerschaften aufgebaut. "Diese wollen wir weiter vertiefen", sagte der Siemens-Chef.

Der Konzern verwies darauf, dass er bereits seit den 1990er-Jahren mit Rosatom und deren Tochterfirma zusammenarbeite. So seien Kernkraftwerke in der Slowakei mit der Sicherheits- und Betriebsleittechnik von Siemens ausgerüstet.

Einstieg bei Atomenergoprom ungewiss

Das deutsch-französische Joint Venture mit Areva will der Münchner Konzern mit Wirkung spätestens zum 30. Januar 2012 beenden, weil er zu wenig unternehmerische Einflussmöglichkeiten sieht.

Beide Seiten schwiegen aber zur zentralen Frage, ob ein Einstieg von Siemens beim russischen Atomkonzern Atomenergoprom geplant sei. Der vom Kreml kontrollierte Konzern Atomenergoprom vereinigt insgesamt 89 Betriebe der nationalen Atombranche.

Der Generalist deckt als einziges Unternehmen weltweit neben Areva den gesamten Zyklus von der Urangewinnung über die Herstellung von Brennelementen und den Bau von Kraftwerken bis zur Entsorgung ab.

Russland setzt auf Atomkraft

Angesichts der abnehmenden Gas- und Ölvorkommen setzt die russische Führung voll auf die Atomkraft. Bis 2020 sollen 26 neue Reaktoren in Russland gebaut werden. Die Finanzkrise könnte diese ehrgeizigen Pläne noch beschneiden. Vor allem in Indien, China und anderen bislang wachstumsstarken Ländern ist Moskau gut im Geschäft.

Fast 23 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl hat die russische Nukleartechnologie vor allem in den westlichen Industrienationen ein noch immer ramponiertes Image. Auch weil man bei Hightech-Entwicklungen hinterherhinkt, liebäugelt der Kreml seit längerem mit einer internationalen Atom-Ehe. Auch mit dem japanischen Weltmarktführer Toshiba schloss man im Vorjahr eine strategische Partnerschaft.

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