Insolvenz Bayern und NRW wollen Edscha helfen

Einen Tag nachdem der Autozulieferer Edscha Insolvenzantrag gestellt hat, bieten die Wirtschaftsminister von Bayern und Nordrhein-Westfalen dem vorläufigen Insolvenzverwalter die Unterstützung ihrer Landesregierungen an.

München/Düsseldorf - Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) erklärte am Dienstag, dass die drei ostbayerischen Standorte in Hengersberg, Hauzenberg und Regensburg erhalten werden sollten. "Ich hoffe sehr, dass über den Weg der Insolvenz eine tragfähige Fortführungslösung gefunden wird", sagte Zeil nach Angaben seines Ministeriums.

Edscha hatte am Montag am zuständigen Amtsgericht Wuppertal Insolvenzantrag gestellt. Durch die Pleite sind in den drei Werken in Niederbayern und der Oberpfalz rund 2000 Jobs bedroht, das größte Inlandswerk hat Edscha in Hengersberg (Landkreis Deggendorf).

Auch aus Nordrhein-Westfalen (NRW), wo Edscha im bergischen Remscheid seinen Verwaltungssitz hat, gab es erste Hilfsangebote. "Wir stehen für jede denkbare und zulässige Hilfe bereit", sagte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU) nach Angaben eines Sprechers. Fachleute des Ministeriums führten bereits Gespräche mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter.

Laut Thobens bayerischem Amtskollegen Zeil hatte es bereits vor dem Insolvenzantrag Gespräche von der Unternehmensleitung mit den betroffenen Landesregierungen gegeben. Wegen der aktuellen Entwicklung sei die Insolvenz allerdings unausweichlich gewesen. "Aufgrund komplexer Rahmenbedingungen war es leider nicht möglich, das Unternehmen in seiner derzeitigen Form zu erhalten", erklärte der Minister.

Der Insolvenzantrag der Edscha AG, die Türscharniere und Cabriodächer fertigt, betrifft alle europäischen Standorte des Unternehmens mit insgesamt rund 4200 Beschäftigten. Weltweit hat die Unternehmensgruppe 5800 Mitarbeiter, die zuletzt einen Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro erwirtschafteten. Der Edscha-Vorstand begründete den Insolvenzantrag mit der Krise in der Autobranche und den schlechten Bedingungen am Kapitalmarkt. Außer in Deutschland sind noch Werke in sieben weiteren EU-Ländern von der Pleite betroffen.

Eine Unternehmenssprecherin sagte in Remscheid, die Produktion laufe in allen Werken normal weiter. "Wir beliefern alle unsere Kunden." Im Laufe des Tages werden die Beschäftigten in den drei bayerischen Werken über die Lage informiert.

Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Jörg Nerlich bestimmt, er stammt nach Unternehmensangaben aus der größten Insolvenzverwalter-Kanzlei in Nordrhein-Westfalen. Nerlich kündigte ein Sanierungs- und Restrukturierungskonzept an, um möglichst viele Arbeitsplätze zu retten. Der Betrieb an den Standorten solle aufrechterhalten werden.

Die IG Metall hatte den Mehrheitseigentümer des 1870 gegründeten Unternehmens, den US-Finanzinvestor Carlyle, für die Pleite verantwortlich gemacht. Edscha habe über Jahre hinweg die Gewinne an den Investor abführen müssen und deshalb kein Eigenkapital aufbauen können, sagte der bayerische Gewerkschaftschef Werner Neugebauer.

manager-magazin.de mit Material von dpa und dpa-afx

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