Krisengejammer Die Gewinner laufen sich schon warm

Sektkellereien, Videospielentwickler, Technologiehersteller - mitten in der schwersten Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten glänzt eine bunte Mischung von Unternehmen mit Gewinnen und guten Aussichten. Nach Staatshilfe rufen diese oft kleinen Firmen nicht. Besonders wohltuend: Sie verbreiten den dringend benötigten Optimismus.

Hamburg - In der Krise zeigt sich schnell, wer wirklich hart genug ist für die freie Wirtschaft. Die deutsche Pornoindustrie ist es offenbar nicht. Ihre Vertreter gaben das wohl erbärmlichste Beispiel im Wettlauf um Hilfspakete, Rettungsschirme und staatliche Unterstützung aller Art ab und forderten Hilfen - schlicht, weil ihr Geschäft "rückläufig" sei.

Der Jammerreflex ist allgegenwärtig. Kaum macht der Staat die Taschen auf, stehen die Hilfsbedürftigen Schlange wie in einer Suppenküche. Doch während es dort zu Recht nicht darum geht, wie der Hungrige in seine prekäre Lage geraten ist, sollten solche Fragen bei bettelnden Unternehmen erlaubt sein. Denn sonst haben ausgerechnet diejenigen langfristig das Nachsehen, die im allgemeinen Krisengeheul nicht mit dem Ruf nach Staatsgeld ihr Versagen kaschieren - und stattdessen aus eigener Kraft bestehen.

Leider verhält sich der Staat zu sehr wie die Frau mit der großen Kelle. Zuerst bekommt Suppe, wer in der Schlange vorn steht. Das ist vor allem bei Unternehmen der Fall, die selbst verschuldet besonders tief im Schlamassel stecken. Oder bei denen, die sich nun arm rechnen, um schmerzhafte Restrukturierungen im Windschatten der Krise fast unbemerkt durchzuziehen und damit gleichzeitig ihre Hilfsbedürftigkeit unter Beweis stellen.

So wie manche Autobauer, die jahrzehntelang Megatrends verschlafen haben und sich auf einmal wundern, dass ihre Spritschlucker auf den Halden stehen und bei Kleinwagen Lieferengpässe bestehen. Von den Banken soll hier nicht die Rede sein. In der Industrie sind Hilfen in solchen Fällen noch viel weniger zu verschmerzen als bei den Geldinstituten, wenn der Staat Versager mit Bürgschaften und Kapitalhilfen für eine Weile aus dem Gröbsten raushaut.

Wie wohltuend dagegen sind positive Nachrichten von Unternehmen, die sich in der Suppenküche nicht nach vorn drängeln, sondern der Krise ins Gesicht schauen und auf die selbst aufgebauten eigenen Kraftreserven setzen. Schade nur, dass sie im auch durch die Medien verstärkten Jammerchor zum Teil völlig untergehen.

Wo es in der Krise boomt

Mitten in der Krise hat es beispielsweise der Fernsehhersteller Loewe  geschafft, das Ergebnis noch einmal deutlich zu steigern. Dem lange von der Pleite bedrohten Unternehmen ist es gelungen, sich endgültig von den veralteten Röhrenfernsehern zu trennen.

Statt auf das damit verbundene Massengeschäft setzt das Unternehmen auf seinen Markennamen und das Premiumgeschäft. Den Erfolg mancher harten Schnitte erntet die Firma bei den jüngsten Fußballwelt- und Europameisterschaften. In die Krise geht Loewe daher mit einem Vorsprung vor manchem Wettbewerber.

Auch von deutschen Industriedickschiffen sind dieser Tage manchmal erfreuliche Töne zu vernehmen. So hält Siemens  an seiner Ertragsprognose von gut acht Milliarden Euro für 2008 fest. Nicht alle Analysten teilen den Optimismus von Konzernchef Peter Löscher. Auch die Einführung der Kurzarbeit dürfte nicht alle Experten überzeugen. Doch das Unternehmen hat sich mit Instinkt über Jahre von Problemzonen getrennt, die wie Qimonda  nun unter anderem Namen in den Abwärtsstrudel geraten.

Und eine Auftragsflaute hat das Unternehmen bereits Mitte 2008 heraufziehen sehen. Die damals übertrieben erscheinende Streichung von 16.000 Stellen erweist sich nun als vorausschauend. Preiskämpfe im Zusammenhang mit Konjunkturprogrammen rund um den Globus müssen die Münchener nun weniger fürchten als die Konkurrenz.

Dass ein Konsumgüterkonzern wie Beiersdorf  zuletzt mit Gewinnen glänzte, verwundert wenig. Viele Unternehmen, die jetzt vergleichsweise gute Zahlen vorlegen, profitieren noch davon, dass sie in Branchen agieren, die als recht krisenfest gelten.

So steigerte der Sekthersteller Rotkäppchen seine Erlöse zuletzt um ein Viertel. Auf dem US-Markt feiern Hersteller von Videospielen immer neue Absatzrekorde. Auch die Baumarktbranche oder Gesundheitsfirmen sehen recht optimistisch in die nähere Zukunft.

Wie die Aufwärtsspirale sich zu drehen beginnt

Die Entwicklung ist angesichts vergleichsweise stetiger Nachfrage in diesen Bereichen zwar nicht überraschend. Dennoch sind solche Nachrichten wertvoll, weil sie zeigen, dass auch in dieser Krise die normalen Regeln eines Abschwungs nicht außer Kraft gesetzt sind. Diese beinhalten immer auch Mechanismen für einen daraus erwachsenden Aufschwung.

Denn solange es krisenfeste Firmen gibt, wirkt das wie ein kleines Konjunkturpaket für die Gesamtwirtschaft. Konsumgüterhersteller, deren Geschäfte florieren, ordern auch in der Krise neue Produktionsanlagen. Gesundheitskonzerne bestellen Geräte bei Medizintechnikanbietern. Ähnliches gilt für Energieversorger.

In vielen Fällen werden Investitionen für sie gerade in der Krise erschwinglich, weil Preise aufgrund niedrigerer Rohstoffkosten sinken. So kommt ein Aufwärtszyklus in Schwung.

Insofern sollte der Staat nicht nur Suppenküche für die größten Verlierer der Krise spielen. Die, denen es (noch) gut geht, verdienen ebenfalls seine Aufmerksamkeit. Wenn sie aufgrund von üppigen Staatshilfen für andere ins Hintertreffen geraten, waren ihre Anstrengungen aus eigener Kraft vielleicht umsonst. Immerhin setzt der Großteil der Unternehmen nicht auf Staatshilfe, sondern eigene Innovationen, wie eine Umfrage der Strategieberatung Simon Kucher ergab.

Verschuldet sich der Staat in der Krise zudem mit unausgegorenen Milliardenprogrammen, bricht die Binnennachfrage ein, wenn die Schulden irgendwann getilgt werden wollen. Dann ist fraglich, ob überhaupt noch Suppe da ist.

Gegen den Trend: Welche Unternehmen in der Krise gewinnen

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