Dienstag, 19. November 2019

Bank, Banker, Bankrott "Hätten Sie die Millionen in Cash?"

3. Teil: Licht und Schatten beim Autokauf

Also so lange die nicht einen anständigen Kofferraum bauen konnten, der nicht aussah, als ob man auf den Siebener noch nachträglich einen Deckel drangeklebt hätte, nein, konnte man streichen. Dann bliebe noch Mercedes, aber irgendwoher hatte Kuster vielleicht ein Jugendtrauma, einen Mercedes stellte er sich immer noch mit gehäkelter Klorollenumhüllung auf der Hutablage vor.

Was tun die Mächtigen der Finanzwelt den ganzen Tag? Verschrien als Verantwortliche für die Finanzkrise, genießen sie nicht den besten Ruf. René Zeyer liefert eine auf wahren Begebenheiten basierende, literarische Innenansicht der verschwiegenen Branche. Das Erstaunliche dabei: Die Vorurteile werden von der Realität noch übertroffen.

René Zeyer: "Bank, Banker, Bankrott. Storys aus der Welt der Abzocker"; Orell Füssli, Januar 2009, 192 Seiten, 19,90 Euro. Buch bestellen

Kuster seufzte, jetzt hatte er schon fast den ganzen Vormittag mit diesem Problem verbraten, und er war immer noch keinen Schritt weiter.

Vielleicht der neue Citroën C6, dachte er in leichter Verzweiflung, aber das gäbe wahrscheinlich auch das falsche Signal, Künstlertyp, irgendwie unangepasst, gar nicht gut. Und die Modellpalette hört bei achtzigtausend auf, das war ja lächerlich. Oder ein Lexus? Wäre vielleicht eine Option, aber irgendwie kriegen die Japaner einfach nicht diese Klasse in der Linienführung hin, die es ja doch sein sollte.

Kuster war schon fast entschlossen, das Problem als pendent abzuhaken und sich auf das Mittagessen vorzubereiten, als er plötzlich eine Idee hatte. Wieso bin ich da nicht schon eher drauf gekommen, schüttelte er den Kopf, ein Blick auf die Uhr, das reichte noch. "Muss mal kurz weg, nicht erreichbar", sagte er im Hinausgehen zu Müller, dann fuhr er in die Tiefgarage hinunter und öffnete mit seinem Badge den vornehmeren Teil.

Okay, sagte sich Kuster, war ja eigentlich zu erwarten, viele BMWs, noch mehr Mercedes, mal ein Jaguar, ein paar Bentleys, Porsche, ein einziger Rolls, irgendein Irrer fuhr offenbar Smart, aber eigentlich enttäuschend. Aber dort, ein Lächeln stahl sich auf Kusters Gesicht, das war endlich mal ein Lichtblick. Bewundernd näherte sich Kuster dem Maserati Quattroporte. Elegante Linienführung, sah selbst im Banker-Dunkelgrau rattenscharf aus.

"Bei einem Banker, der Maserati fährt, würde ich sofort meine Kohle abziehen."

Beschwingt eilte Kuster wieder in sein Büro, winkte sogar Müller leutselig zu und setzte sich wieder vor den Bildschirm. Eine weitere angenehme Überraschung, der kostete ja nicht einmal zweihunderttausend, weniger als der Mercedes CL 600, mit dem Kuster schon ein wenig geliebäugelt hatte.

Beschwingt stürzte sich Kuster in seinen Kundenlunch, und nachdem er sich lange genug das dumme Gerede über Polo, Golfplätze in Thailand und In-Schuppen in New York angehört hatte, lenkte er vorsichtig das Gespräch auf Automarken und welche wohl zu ihm, Kuster, passen würde. "Also eins kann ich Ihnen sagen", antwortete sein Kunde, zweihunderteinundsechzig Tonnen im Depot, Potenzial für mindestens vierzig mehr, "bei einem Banker, der Maserati fährt, würde ich sofort meine Kohle abziehen."

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