Dienstag, 19. November 2019

Bank, Banker, Bankrott "Hätten Sie die Millionen in Cash?"

2. Teil: Goldener März in der Schweiz

Großartig, dachte Kuster. Keine Vermittlungsprovision an einen deutschen Anlageberater fällig, wenn Thiele wirklich eingetopft werden konnte, dann hatte er bereits im März fast die Hälfte des New Business für dieses Jahr generiert. Kuster schrieb kurz ein Memo an Müller, Flug, Widder, komfortables Einzelzimmer, für siebzehn Millionen gab es noch keine Suite, aber bitte eine Schachtel Truffe du jour als Willkommensgeschenk.

"Siebzehn Millionen, schwarz, also war nicht zu erwarten, dass Thiele groß Stunk machen würde, wenn eine ganze Latte von Fees, Kommissionen, Courtagen und Verwaltungsgebühren in Stellung gebracht werden."
Siebzehn Millionen, schwarz, also war nicht zu erwarten, dass Thiele groß Stunk machen würde, wenn eine ganze Latte von Fees, Kommissionen, Courtagen und Verwaltungsgebühren in Stellung gebracht werden, aus dem holen wir locker, Kuster rechnete kurz im Kopf nach, na, eine Tonne im Jahr sollte da drinliegen, mindestens. Aber dafür konnte Thiele sicher sein, dass die deutschen Steuerbehörden niemals Zugriff auf seinen Geldbunker bekämen. Außer, Deutschland marschiert doch noch in die Schweiz ein, kicherte Kuster, aber die kümmern sich doch lieber um Afghanistan. [...]

[...] März ist immer die Zeit des Jahres, die Luxusautohändler in Zürich und an der Goldküste herbeisehnen und gleichzeitig ein wenig fürchten. Denn dann werden die Boni der Banken bekanntgegeben, und kurz danach bilden sich lange Schlangen vor den Porsche-, BMW und Mercedes-Garagen, während die Vertretungen von Bentley und Rolls-Royce den kleineren Andrang abfedern können, abgesehen davon weiß ja jeder Banker, dass es sowieso mindestens ein halbes Jahr dauert, bis da das Wurzelholz fertig geschnitzt ist.

Auch Philipp Kuster blätterte fleißig Kataloge durch, stellte sich im Internet schon mal diverse Ausstattungsvarianten zusammen, aber eigentlich war er furchtbar unentschieden. Er hatte zwar einen Personal Trainer, einen Fashion-Consultant, einen Innenarchitekten und eine Wellness-Beraterin, aber niemanden, der ihm bei der Auswahl der richtigen Automarke helfen konnte.

Denn dieses Problem musste ja zuerst gelöst werden; welche Marke? Saab, Volvo, das hatte irgendwie nicht das richtige Standing, fiel weg. Ferrari, Lamborghini, ein schöner Traum, aber das ging in seiner Position und als seriöser Private Banker irgendwie nicht. Bentley oder ein Rolls, das könnte er zwar den Kunden gegenüber vertreten, aber so lange sein direkter Linienvorgesetzter Mercedes fuhr, wäre das innenpolitisch sicher ein ganz falsches Signal. Porsche ginge eigentlich, aber Kuster war sich einfach nicht sicher, ob er wirklich der Porsche-Typ war. Und BMW?

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