Schaeffler "Zuerst sind die Eigentümer gefragt"

Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff fordert für die Rettung des Autozulieferers Schaeffler den Einsatz der Familieneigentümer und der Banken. "Der Staat ist erst einmal außen vor", sagte Wulff.

Hamburg/Berlin - "Zuerst sind die Eigentümer gefragt, Frau Schaeffler und ihr Sohn, dann die Banken.", ergänzte Wulf laut Vorabbericht vom Samstag in einem Gespräch mit dem Hamburger Nachrichten-Magazin DER SPIEGEL.

Wulff kritisierte die Geldinstitute, die "schwerwiegende Fehler gemacht" hätten, als sie "die waghalsige Übernahme" der Continental AG  durch Schaeffler mit Milliardenkrediten finanzierten. Das sei "ein klassisches Lemminge-Verhalten" gewesen. "Einige Institute gingen verwegen vor, viele andere folgten." Dafür müssten die Banken jetzt "wahrscheinlich auf Zinsen oder Forderungen verzichten".

Wulff schließt dem Bericht zufolge staatliche Hilfen nicht aus. Aber erst müsse ein tragfähiges Konzept der Konzerne und Hausbanken vorliegen. "Wenn es dann noch einer staatlichen Bürgschaft bedarf, muss das geprüft werden", sagte Niedersachsens Regierungschef. Der Staat werde eine Bürgschaft ja nicht kostenlos vergeben, sondern dafür bankenübliche Gebühren verlangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht den Bund bei der Rettung des angeschlagenen Autozulieferers ebenfalls vorerst nicht in der Pflicht. "Wir werden nicht die Zeche für riskante Unternehmensentscheidungen zahlen", sagte Merkel am Samstag in Berlin. Bisher sei kein ausreichendes Unternehmenskonzept vorgelegt worden. Danach sei die Sanierung Sache der Banken, später vielleicht auch der Länder. Erst danach könne es sein, dass die Länder den Bund um Hilfe bäten.

Merkels Parteifreund Wulff verteidigte zugleich geplante Bürgschaften Deutschlands und Frankreichs für Airlines, die einen Flugzeugkauf bei Airbus nicht finanziert bekommen. "Das Geschäft der Flugzeugfinanzierung, das auf wenigen Banken weltweit lastet, ist schwer eingebrochen", sagte er. Es zeige sich, dass derzeit das Bankensystem nicht funktioniere. "Deshalb kann es auch hier richtig sein, dass der Staat die Kreditklemme verringert", betonte Wulff.

Angesichts der steigenden Staatsverschuldung wegen der Bankenrettungspakete will sich Wulff laut Bericht dafür einsetzen, dass "wir jetzt eine ganz strenge Schuldenbremse für Bund und Länder in die Verfassungen schreiben".

manager-magazin.de mit Material von ddp und reuters