Datenabgleich bei der Bahn "Wir werden das wieder machen"

Bahnchef Hartmut Mehdorn hat die Massenüberwachung seiner Mitarbeiter verteidigt und eine Wiederholung nicht ausgeschlossen. Das sei ein normales Regelverfahren. Die Bahnbeschäftigten sehen das allerdings anders - und auch die Bundesregierung. Regierungschefin Angela Merkel erwartet jetzt Aufklärung.

Berlin - Bahnchef Hartmut Mehdorn hat die Art verteidigt, wie sein Unternehmen korrupte Angestellte aufzuspüren versuchte. "Wir werden das auch wieder machen, wenn's darauf ankommt." Allerdings würde die Belegschaft dann besser informiert und eingebunden. Er selbst sei nicht über den Datenabgleich von mehr als 170.000 Mitarbeitern mit denen von Zulieferern informiert gewesen. "Ich persönlich wusste das nicht. Das ist ein Routineabgleich."

Bundskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) sagten, die Öffentlichkeit und Mitarbeiter erwarteten umfassende Aufklärung. Merkel ließ deshalb ihren Sprecher sagen: "Es gibt ein öffentliches Interesse, dass diese Fragen geklärt werden. Es gibt auch ein elementares Interesse der Beschäftigten und die klare Erwartung, dass Herr Mehdorn und die Verantwortlichen bei der Bahn diese Fragen beantworten." Der Sprecher wich der Frage aus, ob Mehdorn noch das volle Vertrauen Merkels besitze.

Mehdorn sagte, ein Eingreifen der Regierung sei überflüssig. Die Bahn schaltete aber die Staatsanwaltschaft ein. Zwar sehe das Unternehmen weiter keine Straftaten von Mitarbeitern, sagte Mehdorn vor Journalisten. Er fügte aber hinzu: "Da uns keiner mehr zuhört, haben wir gesagt, dann soll es doch der Staatsanwalt machen. Dem hören sie dann hoffentlich zu."

Mittlerweile hat Bahn-Betriebsratschef Günter Kirchheim in einem Brief an Mehdorn eine "Rehabilitation zu unrecht verdächtigter Mitarbeiter" sowie eine Information über die Untersuchungen gefordert.

Am Mittwoch war bekanntgeworden, dass die Bahn Adressen und Kontodaten von 173.000 Mitarbeitern mit denen von 80.000 Unternehmen abgeglichen hatte, denen das Unternehmen Aufträge erteilt hat. Damit sollte Beschäftigten auf die Schliche gekommen werden, die privat Firmen führten und sich dabei Aufträge von der Bahn zuschusterten. Die Initiative war offenbar von der Konzernrevision ausgegangen, die dem Bahnchef direkt untersteht.