Weltwirtschaftsgipfel Merkel warnt Obama

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich bei dem Weltwirtschaftstreffen in Davos für die weltweite Einführung der sozialen Marktwirtschaft ausgesprochen, die in Deutschland entwickelt worden ist. Gleichzeitig warnte sie den neuen US-Präsidenten Barack Obama vor einem schweren Fehler für die Weltwirtschaft.

Davos - Deutschlands Regierungschefin Angela Merkel (CDU) hat angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise vor nationalen Subventionen und Protektionismus gewarnt. "Wir brauchen eine offene Weltwirtschaft", sagte Merkel am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Sie sehe es mit gewissem Misstrauen, wenn die USA jetzt ihre Automobilindustrie bezuschussten. "Solche Phasen dürfen nicht lange andauern", sagte sie.

Merkel trat damit der französischen Regierung entgegen. Deren Wirtschaftsministerin Christine Lagarde hatte zuvor gesagt, ein wenig Protektionismus sei in der Krise "ein notwendiges Übel". Merkel wandte sich dagegen gegen eine nationale Abschottung und rief dazu auf, die Krise als Chance zur Schaffung weltweiter Regeln des Wirtschaftens zu nutzen. "Wir brauchen internationale Koordinierung, dass wir die Marktkräfte nicht völlig verzerren, weil jeder um sein eigenes Überleben kämpft."

Die Kanzlerin erneuerte auf dem Forum mit Politikern und Wirtschaftsführern aus aller Welt ihre Vorschläge für eine "Charta für nachhaltiges Wirtschaften" einen Weltwirtschaftsrat - und riet, von der deutschen Version einer sozialen Marktwirtschaft zu lernen.

"Wir haben keine globale Architektur, die ausreichend funktioniert", sagte die Kanzlerin unter Hinweis auf das gefährliche Ausufern der Finanzmärkte. "Alle Prinzipien müssen verbindlich festgelegt werden." Vielleicht könne dies schon beim Treffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im April in London geschehen.

Die soziale Marktwirtschaft, die Deutschland nach dem Krieg Wohlstand gebracht habe, sei der dritte Weg zwischen Kapitalismus und Staatswirtschaft. "Der Staat ist der Hüter der sozialen Ordnung, aber Wettbewerb braucht Augenmaß und soziale Verantwortung", sagte die Kanzlerin. "Die Freiheit des Einzelnen muss begrenzt werden, wenn sie dem anderen die Freiheiten nimmt." Die Welt brauche jetzt ein stabiles und internationales Finanzsystem mit globaler Verantwortung.

Merkel nahm an dem Treffen von rund 2500 Führungskräften aus Politik und Wirtschaft teil, das bis Sonntag läuft und das ganz im Zeichen der Wirtschaftskrise steht.

Die Kanzlerin warnte in Davos aber auch davor, in der derzeitigen Situation "die Marktkräfte zu verzerren". Sie sehe mit Misstrauen die Subventionen etwa für die amerikanische Autoindustrie. "Solche Phasen dürfen nicht lange andauern, zu offener Weltwirtschaft gibt es keine Alternative." Es sei richtig, dass die derzeitigen Neuverschuldungen auch in Deutschland diskutiert würden. "Wir können nicht dauernd über unsere Verhältnisse leben", mahnte die Bundeskanzlerin. Schulden müssten wieder abgebaut werden.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters