Sonntag, 22. September 2019

Ostseepipeline Merkel fordert EU-Hilfe

Deutschlands Regierungschefin hat die europäischen Partnerstaaten der Bundesrepublik gebeten, die geplante Gasleitung durch die Ostsee zu unterstützen. Die Lieferunterbrechungen aus Russland hätten gezeigt, dass Europa seine Energieversorgung auf eine breitere Basis stellen müsse, sagte Angela Merkel.

Berlin - Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat von der Europäischen Union (EU) und ihren Mitgliedstaaten Unterstützung für die umstrittene Ostseepipeline für russisches Gas eingefordert. In gleichlautenden Briefen an EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und den tschechischen EU-Ratsvorsitzenden Mirek Topolanek, schrieb die Kanzlerin, der Gasstreit zwischen Russland und der Ukraine habe gezeigt, "dass die Europäische Union in ihrer Energieversorgung unabhängiger und krisenresistenter" werden muss.

Stößt auf Ablehnung: Geplante Gasleitung durch die Ostsee
Die Gemeinschaft müsse bei Liefer- und Transportwegen stärker diversifizieren. Deshalb sollten die Projekte Nabucco, Ostseepipeline und South Stream von allen EU-Staaten "politisch gewollt und unterstützt werden", heißt es in dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur reuters Börsen-Chart zeigen vorliegt.

Die Ostseepipeline wird speziell von den Ostsee-Anrainern aus energiepolitischen wie Umweltgründen heftig kritisiert. Damit stehen vor allem die baltischen Republiken, Polen und Finnland im Gegensatz zu Deutschland. Das Vorhaben wird von großen deutsche Konzernen maßgeblich mitgetragen. Die russische Seite hat wiederholt mangelnde politische Unterstützung aus Deutschland und der EU für das Großprojekt beklagt.

"Russland und die Ukraine werden auch künftig eine wichtige und zentrale Rolle bei der Gasversorgung Europas spielen", schrieb die Kanzlerin mit Blick auf den jüngsten Streit. "Wir müssen beiden Ländern das klare Signal geben, dass sich ein Konflikt nicht wiederholen darf", ergänzte sie.

Der jüngste Gaslieferstopp habe in der EU großen wirtschaftlichen Schaden angerichtet und das Verhältnis zu den beiden genannten Staaten ernsthaft belastet. Von grundlegender Bedeutung sei es, dass die EU in all diesen Fragen geschlossen auftrete. In diesem Krisenfall haben sich bewährt, dass es große integrierte Energieunternehmen in der EU gebe

"Meines Erachtens war das geschlossene Auftreten der EU wesentlich auch darauf zurückzuführen, dass wir über große integrierte Energieunternehmen verfügen, die sich von der Krise nicht haben einschüchtern lassen", schrieb Merkel.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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