Krise am Automarkt Bosch tritt auf die Kostenbremse

Nach jahrelangem Wachstum hat der Autozulieferer Bosch 2008 den Rückwärtsgang eingelegt. Zudem blickt der Konzern mit Bangen in die Zukunft. Stellenabbau und Kostensenkungen sollen durch die Krise helfen. Betriebsbedingte Kündigungen will Bosch im Inland aber möglichst vermeiden.

Stuttgart - Wegen der weltweit weggebrochenen Automärkte sank der Konzernumsatz im abgelaufenen Jahr um 2,8 Prozent auf rund 45 Milliarden Euro, wie Bosch am Dienstagabend in Stuttgart mitteilte. Der Gewinn brach um zwei Drittel auf rund 1,13 Milliarden Euro ein, unter anderem weil wegen der Finanzkrise im Anlagegeschäft Verluste anfielen. Das Vorsteuerergebnis liege mit einem Anteil von rund 2,5 Prozent vom Umsatz "deutlich unter der Ziellinie", gestand Bosch-Chef Franz Fehrenbach ein.

Die größte Sparte Kfz-Technik, die knapp zwei Drittel der Erlöse liefert, musste einen Umsatzrückgang um 7 Prozent verkraften. "Wir müssen uns 2009 auf weitere negative Entwicklungen einstellen", warnte Fehrenbach. Die weltweite Fahrzeugproduktion könne 2009 um 10 Prozent sinken. Es bestehe die Gefahr, dass das laufende Geschäftsjahr noch schlechter ausfalle als 2008, es werde eines der schwierigsten Jahre seit langem.

Ob 2010 besser werde, sei offen. Der Bosch-Chef setzt nun "alle Hoffungen" auf die staatlichen Konjunkturpakete, die rund um den Globus zur Ankurbelung der Konjunktur aufgelegt werden. Zur Überwindung der Kreditklemme müssten die Banken Risiken in eine sogenannte "Bad Bank" auslagern, betonte er.

Bosch sei finanziell stabil, unabhängig vom Kapitalmarkt und könne mehrere Jahre ohne Wachstum durchstehen, unterstrich Fehrenbach. Dennoch sei Bosch zum Handeln gezwungen. Die Kosten würden in diesem Jahr auf das absolut Notwendige gesenkt, der Mitteleinsatz für Investitionen und Zukäufe werde reduziert. "Wir werden den hohen Beschäftigungsstand 2009 nicht halten können", sagte Fehrenbach. In Deutschland werde die Kurzarbeit voraussichtlich ausgeweitet.

Front machte der Bosch-Chef gegen staatliche Hilfen für einzelne Auto-Zulieferer wie Continental beziehungsweise Schaeffler oder Fahrzeughersteller wie Opel. "Der Staat kann und darf nicht zum Reparaturbetrieb werden, allenfalls um einen Dominoeffekt in der ganzen Branche zu vermeiden", sagte Fehrenbach. Andernfalls werde der Wettbewerb verzerrt. Bosch werde eigenen Zulieferern, die angeschlagen seien, unter die Arme greifen. Die Autoindustrie insgesamt sollte nach Fehrenbachs Worten nach Verabschiedung der Abwrackprämie und der Neuregelung der Kfz-Steuer nicht nach weiteren Hilfen rufen.

"Die Branche kann sich nicht beklagen", sagte der Bosch-Chef. Der Stuttgarter Autozulieferer geht davon aus, dass der Autoabsatz in Deutschland durch die Verschrottungsprämie um 300.000 auf bis zu 1,2 Millionen Fahrzeuge steigen könnte. Fehrenbach äußerte zudem Skepsis über die schnelle und breite Markteinführung von Elektrofahrzeugen. Elektroautos spielten frühestens 2020 eine substanzielle Rolle. Bis dahin gehe es vorrangig um die Reduzierung des Treibstoffverbrauchs der Benzin- und Dieselmotoren.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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