Wirtschaftskrise in Japan Die Staatshilfe und das Leid der Konzerne

Weil der japanische Regierungschef Taro Aso sein Land als erste große Wirtschaftsnation aus der Krise führen will, hat er ein gigantisches Konjunkturpaket geplant. Das allerdings steckt noch im Parlament fest - und vielen Topunternehmen Japans brechen derweil die Gewinne weg.

Tokio - Japans Wirtschaft kann sich nicht gegen den weltweiten Abschwung stemmen. Tag für Tag, so scheint es, muss derzeit ein Topunternehmen aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft deutlich schlechtere Geschäfte als im entsprechenden Vorjahreszeitraum melden. Jetzt hat Japans Premierminister Taro Aso ein gewaltiges Konjunkturpaket angekündigt: Es wird für dieses Jahr fast doppelt so hoch ausfallen, wie das deutsche Konjunkturpaket.

Japans Regierungschef will dazu einen Nachtragshaushalt verabschieden, der das ursprünglich geplante Budget um umgerechnet mehr als 40 Milliarden Euro übersteigt. Geld, das der Wirtschaft des Landes wieder auf die Beine helfen soll. "Japan will versuchen, das erste Land der Welt zu sein, das aus der Wirtschaftskrise herauskommt", sagte Aso jetzt vor dem Parlament - und forderte die Abgeordneten auf, schnell zu handeln. Das allerdings wird nicht so leicht sein.

Weil das Extrabudget erst jetzt in das Parlament eingebracht worden ist, fehlt noch die Zustimmung des japanischen Oberhauses zu den Finanzplänen des Regierungschefs. Und in dem hat die Opposition die Mehrheit. Zudem muss Aso ab der kommenden Woche seinen Rekordplan für das Haushaltsjahr 2009/2010 verteidigen: Steuersenkungen und Investitionen in nie gekannter Höhe, als weiteren Konjunkturimpuls.

Der käme für manche japanischen Topunternehmen indes spät. Canon  beispielsweise hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch von mehr als 80 Prozent eingefahren und rechnet für 2009 mit weniger Gewinn als bisher für möglich gehalten: Es würden umgerechnet wohl 1,35 Milliarden Euro, im Vergleich zu rund vier Milliarden Euro im Vorjahr. Im Quartal von Januar bis März sei sogar ein Verlust möglich, teilte der Sony- und Nikon-Konkurrent am Mittwoch nach Börsenschluss in Tokio mit.

Einen herben Einbruch musste heute auch die japanische Großbank Sumitomo Mitsui Financial Group  eingestehen. Ihr Nettoergebnis rutschte zwischen April und Dezember 2008 nahezu um 74 Prozent ab. Daran konnte auch das gute Zins- und Anleihengeschäft der Bank nichts ändern. Zu schlecht schnitt die Kreditabteilung der Bank ab, die zu den drei ganz großen der Branche in Japan zählt. Verantwortlich dafür machten die Banker unter anderem die Einkommensverluste ihrer Kreditkundschaft und den weltweiten wirtschaftlichen Abschwächung.

Damit nicht genug der schlechten Nachrichten, die derzeit nicht enden wollen scheinen: Nur wenige Stunden nach Sumitomo Mitsui machten Gerüchte über Panasonic  die Runde in Tokio. Auch der japanische Elektronikriese ist offenbar vom wirtschaftlichen Abschwung schlimmer betroffen als erwartet. Wie heute japanische Medien berichteten, droht dem Konzern der erste Nettoverlust seit sechs Jahren. Der Wirtschaftszeitung "Nikkei" zufolge dürfte sich der Fehlbetrag auf umgerechnet etwa 850 Millionen Euro belaufen.

Erst kürzlich hatte der Rivale Sony  für das noch bis Ende März laufende Geschäftsjahr rote Zahlen in Aussicht gestellt - erstmals seit 14 Jahren.

manager-magazin.de mit Material von ap, afp und reuters

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