Krisenticker Tausende Stellen bei Schlecker bedroht

Die Fed will den Leitzins für längere Zeit nahe Null belassen und außerdem Staatsanleihen kaufen. Der IWF erwartet 2009 weltweit die tiefste Rezession seit 1945. Die Börsen ziehen deutlich an - nicht zuletzt wegen der Spekulationen auf eine Bad Bank zur Entlastung des Finanzsektors. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.05 Uhr: Rally an den US-Börsen: Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) klettert um 198 Punkte (2,5 Prozent) auf 8373 Zähler und schließt nur knapp unter Tageshoch. Auch der Nasdaq Composite  baut im späten Handel seine Gewinne auf 3,6 Prozent aus. Berichte über Hilfen für die Finanzindustrie hatten bereits in Europa für deutliche Gewinne gesorgt. Mit den Vorgaben aus den USA besteht die Hoffnung, dass der Dax am Donnerstag seine Erholung fortsetzt.

21.45 Uhr: Der scharfe Einbruch der Ölpreise hat dem US- Ölkonzern ConocoPhillips einen gigantischen Verlust von knapp 32 Milliarden Dollar beschert. Auslöser für das Minus im vierten Quartal 2008 waren Abschreibungen auf den Wert von Reserven und Produktionsanlagen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte.Der Ölpreis war wegen der weltweiten Konjunkturschwäche von einem Rekordhoch bei fast 150 Dollar je Barrel (159 Liter) zum Jahresende zeitweise unter 40 Dollar gefallen. In den vergangenen Jahren hatten die stetig steigenden Ölpreise den Konzernen fabelhafte Gewinne gebracht.

Der Löwenanteil der Abschreibungen entfiel mit 25,44 Milliarden Dollar auf Werte des 2005 übernommenen Erdgasproduzenten Burlington Ressources. Auf die Beteiligung am russischen Ölkonzern Lukoil musste ConocoPhillips 7,4 Milliarden Dollar abschreiben.

21.15 Uhr: Nach der Entscheidung der Fed notieren die US-Börsen weiterhin klar im Plus. Der Dow Jones  gibt jedoch einen Teil seiner Gewinne wieder ab und notiert zuletzt noch 1,5 Prozent fester. Anleger erwarten, dass das US-Repräsentantenhaus noch an diesem Abend dem Konjunkturpaket zustimmen wird.

20.30 Uhr: Die US-Notenbank ist bereit, langlaufende US-Staatsanleihen aufzukaufen, um das Finanzsystem, die Kreditmärkte und damit indirekt die Konjunktur zu stützen. Das teilte die Federal Reserve (Fed) nach einer Sitzung des Offenmarktausschusses in Washington mit. Durch den Aufkauf der Anleihen erhöht die Zentralbank faktisch die Geldmenge, indem sie neues Geld druckt und in Umlauf bringt. Das zusätzliche Geldmengenangebot soll helfen, die Kreditmärkte wieder in Gang zu bringen.

Ihren Leitzins, die sogenannte Fed Funds Rate, beließ die Zentralbank bei der im Dezember beschlossenen Spanne von null bis 0,25 Prozent. Die Fed kündigte an, dass der Leitzins längere Zeit nahe Null bleiben werde. Die Führung der Zentralbank erklärte ferner, sie werde alles in ihrer Macht stehende tun, um die Finanzkrise zu überwinden.

Verdi befürchtet Kahlschlag bei Schlecker

19.30 Uhr: Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi befürchtet die Schließung von fast jeder zweiten Filiale der Drogeriekette Schlecker. Rund 4000 der insgesamt rund 10.000 Filialen in Deutschland drohe wegen eines Umbaus des Konzerns das Aus, sagte der Verdi-Unternehmensbetreuer für die Schlecker-Beschäftigten, Achim Neumann, der "Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung" (Donnerstagsausgabe). Für etwa rund 12.000 Beschäftigte gebe es ein "extrem hohes Arbeitsplatzrisiko". Damit wäre nach Verdi-Zahlen fast jede dritte Stelle bei Schlecker in Gefahr.

18.30 Uhr: US-Präsident Barack Obama hat kurz vor der Abstimmung im Repräsentantenhaus noch einmal eindringlich für sein milliardenschweres Konjunkturpaket geworben. "Wir dürfen keine Zeit verlieren", sagte Obama mit Blick auf die dramatische Wirtschaftslage. Angesichts der demokratischen Kongressmehrheit wurde eine klare Zustimmung zu dem Paket im Umfang von 825 Milliarden Dollar erwartet. Anders als von Obama erhofft, dürfte aber die Unterstützung aus den Reihen der oppositionellen Republikaner eher gering ausfallen.

17.35 Uhr: Der Dax  baut bis Handelsschluss auf Xetra seine Gewinne auf 4,5 Prozent aus und schließt bei 4518 Zählern. An der Wall Street notiert der Dow Jones derweil 1,6 Prozent im Plus. In den USA wie auch in Deutschland legten Finanztitel zweistellig zu: Spekulationen auf Einrichtung einer Bad Bank in den USA trieben die Kurse ebenso wie die Aussicht, dass das US-Abgeordnetenhaus heute Abend als erste Instanz dem 825 Milliarden Dollar schweren Konjunkturpaket zustimmt.

Die Aktie der Deutschen Bank zum Beispiel baute ihre Gewinne zuletzt auf 25 Prozent aus.

15.50 Uhr: Das US-Geldhaus Wells Fargo (Kurswerte anzeigen) ist Ende 2008 erstmals seit 2001 in die roten Zahlen gerutscht. Zudem musste der Ende 2008 übernommene Konkurrent Wachovia  einen Verlust in zweistelliger Milliardenhöhe verkraften: Im vierten Quartal betrug der Verlust von Wells Fargo 2,55 Milliarden Dollar, während die inzwischen übernommene Wachovia ein Minus von 11,2 Milliarden Dollar erlitt. Es werde jedoch derzeit kein zusätzliches Steuergeld benötigt, betonte die Bank, die Ende 2008 25 Milliarden Dollar Staatsgeld erhalten hatte. An der Börse steigt der Aktienkurs des Geldhauses gegenwärtig um 22 Prozent.

15.40 Uhr: Die Preise steigen in Deutschland langsamer. Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Verbraucherpreise nur um 0,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Dezember hatte die Inflationsrate bei 1,1 Prozent gelegen, das war der niedrigste Stand seit mehr als zwei Jahren. Im Vergleich zum Dezember 2008 gingen die Preise im Januar 2009 sogar um 0,5 Prozent zurück.

15.19 Uhr: Die Weltwirtschaft rutscht nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) in die tiefste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.

Das globale Wachstum werde 2009 nur noch 0,5 Prozent betragen, hieß es. Im November waren die Experten noch von einem Wachstum von 2,2 Prozent ausgegangen. Auch für das kommende Jahr kappten die Experten ihre Prognose auf 3,0 (bisher: 3,8) Prozent. Der Fonds spricht bei einem weltweiten Wachstum von unter 3 Prozent von einer Rezession.

Spaniens Wirtschaftsleistung fällt weiter ab

14.15 Uhr: Deutliche Erholung am Aktienmarkt: Der Dax  baut seine Gewinne auf 4,5 Prozent aus und springt wieder über die Marke von 4500 Punkten. Seit Anfang Januar war der Index von 5000 Zählern binnen 3 Wochen um knapp 20 Prozent gefallen und hat nun in einer Gegenreaktion in den vergangenen Tagen wieder rund 10 Prozent zugelegt. Die zuvor stark herungergeprügelten Finanzwerte klettern zweistellig, die Aktie der Deutschen Bank  zum Beispiel klettert um knapp 20 Prozent.

13.30 Uhr: Spaniens Wirtschaft findet keinen Halt. Wie die Madrider Zentralbank am Mittwoch mitteilte, verlor die Wirtschaftsleistung des Landes nach dem dritten Quartal 2008 auch im vierten an Kraft.

Zwischen Oktober und Dezember 2008 sank das Bruttoinlandsprodukt um 1,1 Prozent im Vergleich zum vorhergehenden Quartal. Zuvor hatte es zwischen Juli und September bereits einen Rückgang von 0,2 Prozent gegeben.

13.20 Uhr: Volkswagen (Kurswerte anzeigen) wird zusätzlich zur angekündigten Kurzarbeit an drei weiteren Tagen im Februar die Bänder im Stammwerk Wolfsburg anhalten. Am kommenden Montag und Dienstag sowie am 20. Februar werde die Produktion dort ruhen, sagte ein Unternehmenssprecher. Damit solle Überproduktion vermieden werden. Das Unternehmen hat für seine deutschen Werke bereits Kurzarbeit für die letzte Februarwoche angekündigt. Davon sind rund 61.000 Beschäftigte betroffen.

13 Uhr: Der Nettogewinn der spanischen Bank Santander  ist 2008 um 2 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro zurückgegangen. Großen Anteil hieran hätten Kompensationszahlungen über 500 Millionen Euro, die im Zusammenhang mit dem Madoff-Skandal zu Entschädigung geleistet würden, teilte Spaniens größte Finanzgruppe am Mittwoch mit. Im Juni 2008 hatte Santander-Chef Emilio Botin noch einen Nettogewinn von mehr als zehn Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

Porsche trotzt Branchentrend

11.57 Uhr: Im Gegensatz zu vielen anderen Automobilherstellern schließt die Porsche Automobil Holding SE Kurzarbeit, bei der der Staat einen Teil der Gehälter der Mitarbeiter zahlt, weiter aus. "Bei uns wird es keine Kurzarbeit geben", sagte ein Sprecher des Zuffenhausener Sportwagenherstellers am Mittwoch zu Dow Jones Newswires. Zwar halte Porsche  angesichts der Flaute bei den Neuwagenverkäufen im Januar einen Tag länger als geplant die Bänder an. Die Ruhetage würden jedoch über Arbeitszeitkonten ausgeglichen. Nach den verlängerten Weihnachtsferien will Porsche bis Ende Januar die Produktion weitere acht Tage ruhen lassen.

Volkswagen , Daimler , die General-Motors-Tochter Opel, der Münchener Lkw- und Motorenhersteller MAN  sowie Zulieferer wie Bosch, Continental , Elring Klinger oder Grammer haben zumindest für Teile der Produktion Kurzarbeit angekündigt.

11.50 Uhr: Deutschland und China wollen gegen die Wirtschafts- und Finanzkrise stärker gemeinsam vorgehen. Bei dem Besuch von Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao in Deutschland an diesem Donnerstag wollen beide Länder eine Erklärung über gemeinsame Anstrengungen in der Wirtschafts- und Handelspolitik verabschieden. Das solle die wichtige Bedeutung des Partners China untermauern, hieß es am Mittwoch in Regierungskreisen in Berlin. Ein weiteres Zeichen der wiedererstarkten Beziehungen ist ein Frühstück von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Wen Jiabao. Geplant ist die Unterzeichnung von Verträgen zum Klimaschutz und zu Wirtschaftskooperationen.

9.40 Uhr: Der Euro ist im frühen Geschäft am Mittwoch auf Erholungskurs geblieben. Die Gemeinschaftswährung stieg auf 1,3230 Dollar von 1,3176 Dollar im späten US-Geschäft. Im Fokus der Anleger stand die Zinsentscheidung der US-Notenbank, die für den Abend erwartet wird. Analysten rechneten zwar nicht damit, dass nach der historischen Kappung des Leitzinses auf einen Zielkorridor von null bis 0,25 Prozent eine weiteren Zinssenkung bevorsteht. Doch erhofft sich der Markt Antworten auf die Frage, mit welchen Maßnahmen die Federal Reserve (Fed) die Finanzkrise in den Griff bekommen will.

9.07 Uhr: Banken und Broker lagen mit ihrer Prognose daneben: Der deutsche Aktienindex Dax  startet mit einem Plus von 1,9 Prozent in den Handel. Kurz nach 9 Uhr steht der Index bei 4406 Punkten.

8.02 Uhr: Der deutsche Aktienmarkt dürfte am Mittwoch nahezu unverändert in den Handel gehen. Banken und Brokerhäuser sehen den Dax  zur Eröffnung in etwa auf seinem Vortagesschluss von 4323 Punkten. Bereits am Dienstag hatte der Leitindex kaum verändert geschlossen.

7.41 Uhr: Der japanische Elektronikkonzern Canon hat im abgelaufenen Quartal einen Gewinneinbruch von über 80 Prozent eingefahren und rechnet für 2009 mit weniger Gewinn als erwartet. Im Quartal von Januar bis März sei sogar ein Verlust möglich, teilte der Sony- und Nikon-Konkurrent am Mittwoch nach Börsenschluss in Tokio mit.

7.17 Uhr: Die Börse in Tokio hat am Mittwoch uneinheitlich geschlossen. Im Nikkei  profitierten vor allem Technologie-Aktien von Hoffnungen auf ein Anziehen der Exporte. In den USA hatte der Finanzausschuss des Senats für eine Aufstockung des von Präsident Barack Obama angestrebten Konjunkturpakets von 825 Milliarden Dollar plädiert. In Tokio gewann der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,6 Prozent auf 8106 Punkte. Der breiter gefasste Topix-Index schloss 0,1 Prozent tiefer bei 804 Zählern. Die Aktienmärkte in Südkorea und Singapur legten dagegen deutlich zu. Die chinesischen Handelsplätze blieben wegen des Neujahrsfestes geschlossen.

manager-magazin.de mit Material der Nachrichtenagenturen

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