Madoff-Skandal Banken und Wirtschaftsprüfern droht Ärger

Der Milliardenbetrug des Bernard Madoff könnte noch zahlreiche Großbanken, Wirtschaftsprüfer und als "Feeder Funds" tätige Partner vor Gericht bringen. Die Liste der Beklagten könnte recht lang werden, weil Madoff nur noch wenig Geld übrig hat, um mögliche Kläger zu befriedigen.
Von Deborah Sturman

Bernard Madoff hat das fast Unmögliche geschafft: In einem Jahr, in dem die Märkte fast 40 Prozent an Wert verloren haben, hat er es geschafft, das Vertrauen in diese noch weiter zu untergraben und den Banken noch mehr Probleme zu bereiten.

Madoff, früher ein hoch geachteter Geldverwalter, hat anscheinend über Jahrzehnte ein Schneeballsystem geführt, das 50 Milliarden Dollar an Anlegerkapital vernichtet hat, wenn man Madoffs Geständnis seinen Söhnen gegenüber Glauben schenken möchte.

Das tatsächliche Ausmaß des Verlusts ist noch unklar, nicht zuletzt weil die Summe, die Madoff als Verlust angab, auch fiktive Verluste beinhaltete, wie zum Beispiel nicht erzielte Renditen aus wahrscheinlich nie investierten Geldern.

Madoff betrog gleichermaßen Milliardäre und Kleinanleger. Mangelnde Kontrolle seitens Emissionsbanken, Partnerschaften, sogenannten "Feeder Funds", Muttergesellschaften und den Wirtschaftsprüfern BDO Seidman LLP, Ernst & Young LLP sowie KPMG LLP beschert diesen nun rechtlichen Druck. Die Liste der Beklagten wächst weiter und könnte recht lang werden, weil Madoff nur noch wenig Geld übrig hat, um mögliche Kläger zu befriedigen.

Mittlerweile sind große Geschäftsbanken wie HSBC, UBS und Unicredit in diesen Sog geraten. HSBC hat zum Beispiel über eine 1 Milliarde Dollar an Unternehmen verliehen, die in Madoff investierten. Separat ist HSBC als Depotbank einiger Madoff-Feeder-Funds anfällig für zusätzliche Rechtsverfahren, da etwaige treuhänderische Pflichten von HSBC verletzt wurden. Nach Bekanntwerden des Risikos, dem HSBC aufgrund des Madoff-Skandals nunmehr ausgesetzt ist, sank der Kurs der HSBC-Aktie auf ein 10-Jahres-Tief.

Ein Luxemburger Gericht hat außerdem bereits per Urteil bestätigt, dass die UBS als Depotbank seine treuhänderische Pflicht gegenüber Oddo & Cie., einem großen französischen Anlageverwalter, verletzt hat. Gemäß dieser richterlichen Entscheidung muss UBS nunmehr 30 Million Euro an Oddo zurückzahlen, die Oddo indirekt mit Madoff über das von UBS verwaltete Depot des Feeder Funds mit dem Namen "Access International Advisors" investiert hatte.

Wirtschaftsprüfer nicht sorgfältig genug

Im rechtlichen Minenfeld, das dem massiven Betrug folgt, setzt diese Entscheidung eine Präzedenz. Andere Anleger, die Geld in Feeder Funds und andere Fonds, die mit Madoff in Verbindung stehen, investierten und die von HSBC, Hyposwiss oder anderen Depotbanken treuhänderisch verwaltet wurden, werden nunmehr ebenfalls klagen.

In den USA besteht bereits eine lange Liste an Ansprüchen gegen Madoff, seine Zwischenhändler und Geschäftspartner aufgrund der Verletzungen des New Yorker Schuldner- und Gläubigergesetzes, des New Yorker Handelsrechts, des RICO Acts (Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act), sowie der ungerechtfertigten Bereicherung und Mittäterschaft bei Verletzung von treuhänderischen Pflichten.

Der Grundtenor ist, dass die möglichen Beklagten einschließlich Feeder Funds, Wirtschaftsprüfer, Investmentbanken und andere Unternehmen nicht die gebotene Sorgfalt an den Tag gelegt haben, die aufgrund ihrer treuhänderischen Pflichten gegenüber Madoffs Anlegern erforderlich gewesen wäre.

Dies wird sich wahrscheinlich in einigen Fällen bestätigen. Gemäß FINRA (Financial Industry Regulatory Authority) gab es zum Beispiel keinen Beweis, dass Madoff überhaupt mit Aktien handelte.

Dies hätte den Wirtschaftsprüfern auffallen müssen - egal, ob sie nun Madoffs Bücher überprüften oder die der Feeder Funds.

Wenn es eine Lehre aus dem Madoff-Skandal gibt, dann die, dass neue regulierende Strukturen geschaffen werden müssen, die der neuentwickelten und komplexen Finanzwelt gerecht werden können; aber auch, dass die vorhandenen Gesetze rechtzeitig durchgesetzt werden sollten. Es sollte häufiger Prüfungen von Broker-Dealern, Hedgefonds, Anlageberatern und Geldverwaltern durch hoch qualifizierte und gut bezahlte Experten geben. Hedgefonds sollten zu dem zu mehr Transparenz gezwungen werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.