Continental Von Grünberg gibt auf

Im Machtkampf beim Autozulieferer Continental hat sich Großaktionär Schaeffler durchgesetzt. Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg räumt seinen Posten, sein Amt übernimmt Schaeffler-Justiziar Rolf Koerfer. Maria-Elisabeth Schaeffler, ihr Sohn Georg sowie Geschäftsführer Jürgen Geißinger ziehen in das Conti-Kontrollgremium ein.

Hannover - Im Machtkampf beim Autozulieferer Continental  hat sich Hauptaktionär Schaeffler durchgesetzt. Wie von den Franken gefordert räumt der bisherige Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg in Kürze seinen Posten. Künftig werde der Schaeffler-Justiziar Rolf Koerfer dem Gremium vorstehen, teilte Conti am Samstag nach einer Krisensitzung des Aufsichtsrats mit.

Zudem ziehen drei weitere Schaeffler-Vertreter in das 20-köpfige Kontrollgremium ein: Eigentümerin Maria-Elisabeth Schaeffler, ihr Sohn Georg sowie Geschäftsführer Jürgen Geißinger. Der Aufsichtsrat beschloss außerdem, Conti-Finanzchef Alan Hippe zum 1. März aus seinem Vertrag zu entlassen. Hippe wechselt nach Informationen von manager magazin in gleicher Position zu ThyssenKrupp.Ein Nachfolger für Hippe steht noch nicht fest, soll aber nach Unternehmensangaben in den kommenden Wochen bestellt werden.

Grünberg, der dem Aufsichtsrat weiter angehören wird, wurde beauftragt, die organisatorische und rechtliche Loslösung der Conti-Gummisparte zu begleiten. Ein Verkauf würde die Schulden des Conti/Schaeffler-Konglomerats drücken. Allerdings ließen sich angesichts der Marktlage derzeit wohl nur niedrige Preise dafür erzielen. Medienberichten zufolge hatte von Grünberg bereits selbst Interesse an der Sparte gezeigt und wollte sie im Zuge eines sogenannten Management-Buyouts übernehmen, was aber bislang auf wenig Gegenliebe stieß.

Welche Kapitalvertreter ihre Posten im Conti-Aufsichtsrat für die vier Schaeffler-Vertreter räumen werden, blieb zunächst unklar. Auf der Hauptversammlung am 23. April sollen alle Aufsichtsräte neu gewählt werden. Dem vierköpfigen Nominierungsausschuss für die Kapitalvertreter gehören künftig zwei Schaeffler-Vertreter an.

Der Konflikt der beiden Konzerne dürfte durch von Grünbergs Rückzug entschärft werden. Es wird erwartet, dass nun rasch Entscheidungen über eine Fusion der Kernsparten beider Konzerne fallen. Conti kündigte an, dass Firmenchef Karl-Thomas Neumann Konzepte für die geplante Kooperation zwischen den Autoteile-Sparten erarbeiten soll. Auch die Umverteilung der riesigen Schuldenlast könnte schnell Gestalt annehmen.

Unklare Refinanzierung

"Die Investorenvereinbarung ist nicht mehr infrage gestellt", sagte der für die Arbeitnehmer im Aufsichtsrat sitzende Dieter Weniger. Schaeffler hatte damit gedroht, alle Kapitalvertreter auszutauschen, was als Bruch des Vertrags angesehen wurde. Maria-Elisabeth Schaeffler, die selbst an der Aufsichtsratssitzung teilgenommen hatte, erklärte: "Es ist meine feste Überzeugung, dass Schaeffler und Continental gemeinsam die wirtschaftlichen Herausforderungen erfolgreich meistern und eine große Zukunft haben werden."

Schaeffler und Conti hatten sich an der Frage entzweit, wie viele Schulden Schaeffler Conti bei der Fusion der Autoteile-Sparten mitgeben darf. "Wenn der Wert des Eingebrachten kleiner ist als die mitgegebenen Schulden, werden wir das nicht mitmachen", hatte ein Conti-Aufsichtsratsmitglied erklärt. Strittig ist zudem, welchen Anteil Schaeffler an der neuen Firma halten wird. Grünberg hatte eine Minderheitsposition ins Spiel gebracht, ihm schwebte die Einbindung eines externen Kapitalgebers vor. Schaeffler pocht aber auf die dominierende Rolle. "60 Prozent seiner Werte einzubringen und anschließend nichts zu sagen zu haben, ist für uns nicht attraktiv", hieß es im Umfeld von Schaeffler.

Wie die Refinanzierung der Milliardenschulden von Schaeffler und Conti geschafft werden soll, ist aber weiter unklar. Denn frisches Kapital ist nicht in Sicht: Das Vermögen der Familie Schaeffler steckt in der Firma, mögliche Investoren haben abgewunken, und selbst ein Verkauf von Firmenteilen würde angesichts der Wirtschaftslage derzeit wohl wenig einbringen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" hat der fränkische Wälzlagerhersteller seinen Gläubigerbanken bereits neue Sicherheiten geben müssen. Die sechs Geldhäuser, die den Einstieg Schaefflers bei Continental finanziert haben, hätten sich nun auch erhebliche Anteile der Schaeffler-Unternehmensgruppe als Pfand geben lassen.

manager-mgazin.de mit Material von reuters und dpa

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