Mittwoch, 20. November 2019

Fiat Gewinn schrumpft um fast 70 Prozent

Vor wenigen Tagen sorgten sie noch mit ihrer strategischen Allianz mit Chrysler für Furore - jetzt folgt der Schock: Der italienische Autobauer Fiat rechnet im laufenden Jahr mit einem Absatzeinbruch von 20 Prozent. Die Aktie geht auf Talfahrt - und reißt die anderen Autowerte gleich mit.

Rom - Weltweit werde der Absatz der eigenen Fahrzeuge um 20 Prozent einbrechen, teilte Fiat Börsen-Chart zeigen am Donnerstag in Turin mit. Eine besonders angespannte Lage erwarte man im ersten Quartal. Für die übrigen drei Quartale hofft Fiat auf Besserung, weil bis dahin die eingeleitete Restrukturierung greifen soll. Als Sofortmaßnahmen wird die Dividende eingeschränkt und der Aktienrückkauf vorerst gestoppt.

Schrumpfkur: Auch beim Gewinn macht Fiat derzeit keine großen Sprünge
Das Nettoergebnis sank in den letzten drei Monaten des Jahres um knapp 70 Prozent auf 180 Millionen Euro im Vergleich zu 597 Millionen im Vorjahreszeitraum. Für das vergangene Geschäftsjahr meldete der Konzern einen Betriebsgewinn von 3,36 Milliarden Euro. Analysten hatten mit 3,16 Milliarden Euro gerechnet.

In der Autosparte lag der Handelsgewinn mit 691 Millionen Euro höher als von den Analysten prognostiziert, die von 653 Millionen Euro Gewinn ausgegangen waren. Die Liquidität des Konzerns beträgt 3,9 Milliarden Euro.

Gleichzeitig stiegen die Schulden um 36 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro und lagen damit nahezu dreimal so hoch wie ursprünglich angekündigt. Im laufenden Jahr soll der Schuldenstand auf unter 5 Milliarden Euro gesenkt werden. Der Betriebsgewinn wird 2009 nur noch bei über eine Milliarde Euro gesehen. Unter dem Strich sollen mehr als 300 Millionen Euro herauskommen.

Nach der Mitteilung gab die Fiat-Aktie fast 14 Prozent nach und wurde vorübergehend vom Handel ausgesetzt. Nach Wiederaufnahme des Handels notierte das Papier mit 12,36 Prozent im Minus bei 3,90 Euro.

Am Morgen hatten bereits Gerüchte über eine Allianz von Fiat und dem französischen Hersteller PSA Peugeot Citroen die Aktie belastet. Fiat war erst am Dienstag zu gut einem Drittel beim US-Rivalen Chrysler eingestiegen. Die Traditionsmarke hatte im vierten Quartal vor allem unter der Absatzkrise in Westeuropa und Südamerika zu leiden.

Fiat hatte zuvor angekündigt, beim dem taumelnden US-Autobauer Chrysler einzusteigen und künftig Kleinwagen in den USA zu bauen. Zunächst will der Konzern 35 Prozent der Chrysler-Anteile übernehmen.

Fiat erklärte, weiter Ausschau nach strategischen Allianzen zu halten. Der Kleinwagen-Hersteller hatte am Dienstag eine Zusammenarbeit mit dem strauchelnden US-Autobauer Chrysler angekündigt, um sich gemeinsam gegen die weltweite Absatzkrise zu stemmen.

Berichte über eine Kapitalerhöhung dementierte der Autobauer. Ein entsprechender Pressebericht entbehre jeder Grundlage, ließ das Unternehmen am Donnerstag in Mailand wissen. Die italienische Zeitung "La Repubblica" hatte am Donnerstag berichtet, die Agnelli-Familie als Großaktionär strebe eine rund zwei Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung an, um damit die Voraussetzungen für eine Allianz mit dem französischen Hersteller PSA Peugeot Citroen zu schaffen.

In Reaktion auf den pessimistischen Marktausblick drehten zahlreiche Autowerte ins Minus. Daimler notierten 1,2 Prozent niedriger bei 22,44 Euro. BMW fielen um 2,2 Prozent auf 18,36 Euro. "Fiat hat sich sehr negativ zu den Marktaussichten geäußert, und das trifft ja die gesamte Branche", sagte ein Händler.

In Paris verloren Peugeot 5,7 Prozent. Am Morgen waren die Titel noch in Reaktion auf einen italienischen Zeitungsbericht über ein mögliches Zusammengehen mit Fiat um mehr als 10 Prozent gestiegen.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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