Donnerstag, 18. Juli 2019

Krisenticker Bentley macht sieben Wochen Pause

Die belgische Fortis rechnet mit einem Jahresverlust von 19 Milliarden Euro. Während Staatssekretär Axel Nawrath zum KfW-Vorstand befördert wird, muss John Thain bei Merrill Lynch seine Koffer packen. Die Deutsche Bank bestreitet unterdessen das Risiko einer Kreditklemme. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.30 Uhr: Der Internetkonzern Google Börsen-Chart zeigen hat seinen Umsatz im vierten Quartal um 18 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar gesteigert und einen höheren Gewinn als erwartet erwirtschaftet. Der führende Suchmaschinenbetreiber bezifferte sein Ergebnis ohne Sonderposten am Donnerstagbend nach US-Börsenschluss auf 5,10 Dollar je Aktie. Von Reuters befragte Analysten hatten lediglich mit 4,95 Dollar je Aktie gerechnet. Der Branchenprimus verwies auf ein weiterhin starkes Anzeigengeschäft im Internet. Unter dem Strich ging der Nettogewinn allerdings auf 382 Millionen Dollar von 1,21 Milliarden Dollar zurück.

Google reiht sich mit seinem Ergebnis in die kleine Gruppe von Technologieunternehmen ein, die in der Rezession positiv überraschen: Auch Apple Börsen-Chart zeigen und IBM Börsen-Chart zeigen haben ihre Gewinne gesteigert, während der US-Softwareriese Microsoft Börsen-Chart zeigen die Erwartungen enttäuschte und am Donnerstag den Abbau von 5000 Stellen ankündigte.

22 Uhr: Belastet von schlechten Konjunkturdaten, herben Kursverlusten bei den Finanzwerten und Microsoft-Zahlen schließen die US-Aktienmärkte im Minus. Der Dow-Jones-Index Börsen-Chart zeigen der Standardwerte schloss 1,3 Prozent tiefer auf 8122 Punkten. Zeitweise rutschte das Börsenbarometer sogar unter die Marke von 8000 Stellen. Der breiter gefasste S&P-500-Index Börsen-Chart zeigen fiel 1,5 Prozent auf 827 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Börsen-Chart zeigen verlor 2,8 Prozent auf 1465 Stellen.

21.45 Uhr: Die angeschlagene WestLB will einem Zeitungsbericht zufolge mehr Vermögenswerte auslagern als bisher bekannt. Die Düsseldorfer Landesbank wolle Wertpapiere und Investments mit einem Volumen von 70 bis 100 Milliarden Euro an eine externe Abwicklungsgesellschaft abgeben, berichtete die "Financial Times Deutschland" vorab aus ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf Eignerkreise. Der Vorstand habe diesen Vorschlag am Mittwoch seinen Eigentümern unterbreitet. Bisher war von einer Größenordnung von etwa 50 Milliarden Euro die Rede gewesen. Eine Befreiung von Altlasten gilt als Voraussetzung für eine Fusion der WestLB mit den Frankfurter Banken Helaba und Deka, wie sie von der nordrhein-westfälischen Landesregierung gewünscht wird.

Bentley Continental Flying Spur: Auch die Briten leiden unter Überkapazitäten
21.35 Uhr: Der zum Volkswagen-Konzern Börsen-Chart zeigen gehörende Luxusautohersteller Bentley kündigt einen Produktionsstopp für sieben Wochen in seinem Werk Crewe 275 Kilometer nördlich Londons von Anfang März bis April an. Die Fabrik stellte im vergangenen Jahr 7600 der edlen Karossen her, 24 Prozent weniger als noch 2007.

21.30 Uhr: Der Kölner Autohersteller Ford warnt angesichts der Wirtschaftskrise vor wachsenden Überkapazitäten in der Branche. Schon jetzt gebe es im Automarkt weltweit 20 Millionen Fahrzeuge zu viel, und diese Zahl werde um weitere sieben Millionen wachsen, sagte Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe). Der Druck auf die Autobauer nehme damit weiter zu. Mattes schloss nicht aus, dass auch der Kölner Autobauer, der zum US-Konzern Ford Börsen-Chart zeigen zählt, gezwungen sein könnte, Kurzarbeit anzuordnen. Eine staatliche Bürgschaft lehnt Ford für sich dagegen weiter ab.

20.50 Uhr: Der neue US-Präsident Barack Obama hat eine schnelle Umsetzung seines geplanten Konjunkturpakets zugesagt. Es sei wichtig, dass die milliardenschweren Hilfen zügig auf den Weg gebracht würden, sagte sein Sprecher Robert Gibbs am Donnerstag. "Wir müssen alles in unserer Macht stehende dafür tun und der Kongress muss sich seinerseits darum kümmern, dass das Paket vorankommt, dass dieses Geld in die Wirtschaft fließt", sagte Gibbs. Ziel der neuen Regierung sei es, dem amerikanischen Volk mehr Vertrauen in die Zukunft zu geben. Die Aussagen gaben den US-Börsen neuen Schwung. Sie erholten sich von ihrem Minus von gut 3 Prozent und tendierten am Nachmittag bei minus 0,8 Prozent. Obama will im Kampf gegen die Rezession der größten Volkswirtschaft 825 Milliarden Dollar unter anderem in die Infrastruktur stecken.

20.15 Uhr: Die belgische Sparte des ehemaligen Allfinanzkonzerns Fortis rechnet im abgelaufenen Jahr mit einem Verlust von bis zu 19 Milliarden Euro. Die Fortis Banque, die sich jetzt im Besitz des Königreichs Belgien befindet, teilte am Donnerstag mit, in den ersten neun Monaten 2008 habe sich der Verlust auf 14,1 Milliarden Euro belaufen. Im Schlussquartal könne noch einmal ein negatives Ergebnis von vier bis fünf Milliarden Euro hinzukommen. Die weltweite Krise habe die Ergebnisse der Bank belastet. Trotz der negativen Zahlen habe die Kapitalquote Tier 1 Ende 2008 aber noch bei 10 Prozent gelegen, hieß es weiter von der Bank, die an die BNP Paribas Börsen-Chart zeigen weiterverkauft werden soll.

Ein Sprecher der Pariser Großbank wollte die Verluste bei Fortis nicht kommentieren. Er sagte aber, sein Institut halte am geplanten Erwerb der belgischen Aktivitäten von der Regierung des Landes fest. Die Niederlande haben ihren Teil des Konzerns inklusive der im Jahr 2007 übernommenen ABN Amro verstaatlicht.

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