Freitag, 23. August 2019

Krisenticker Bentley macht sieben Wochen Pause

3. Teil: Deutsche Bank bestreitet Kreditklemme

17.30 Uhr: Der Finanzausschuss des Senats hat am Donnerstag Timothy Geithner als neuen US-Finanzminister bestätigt. Damit machte der Ausschuss den Weg frei für die vollständige Bestätigung durch den Senat. Geithner ist Wunschkandidat der Wall Street. Er gilt als Schlüsselfigur im Kabinett des neuen Präsidenten Barack Obama, um die Finanz- und Wirtschaftskrise zu überwinden. Allerdings kam vor wenigen Tagen ans Licht, dass er jahrelang zu wenig Steuern gezahlt hatte. Zudem beschäftigte er eine Haushaltsangestellte, die über keine Arbeitsgenehmigung verfügte. Die Steuerschuld hat Geithner inzwischen beglichen. Alle vom Präsidenten vorgeschlagene Minister müssen vom Senat bestätigt werden.

17 Uhr: Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat seine Konjunkturprognose für Deutschland abermals gesenkt und ist noch pessimistischer als die Bundesregierung. Die Wirtschaftsleistung werde 2009 um 2,5 Prozent schrumpfen, teilte der IWF in seinem aktuellen Länderbericht zu Deutschland mit. Im kommenden Jahr dürfte es dann wieder ein minimales Wachstum von 0,1 Prozent geben. Der IWF begrüßte die Konjunkturpakete der Regierung und bezeichnete die fundamentale Lage der Wirtschaft als robust. Die Fondsexperten plädierten dafür, Deutschland solle eine Führungsrolle spielen im internationalen Kampf gegen die Rezession. Die Finanzkrise habe die Verwundbarkeit des deutschen Finanzsystems offenbart.

Die Bundesregierung erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes von rund 2,25 Prozent, setzt aber in der zweiten Jahreshälfte auf ein Anziehen der Konjunktur. Im April 2008 hatte der Fonds für Deutschland noch ein Wachstum von 1 Prozent in diesem Jahr veranschlagt. Im Zuge der sich verschärfenden Finanzkrise kappte der IWF seine Prognose aber mehrmals.

16.30 Uhr: Die Deutsche Bank Börsen-Chart zeigen erwartet wegen der Rezession eine Verteuerung von Krediten, aber keinen Engpass in der Geldversorgung. "Die Illusion von billigem Geld ist vorbei", sagte Bankmanager Ulrich Schürenkrämer am Donnerstag bei einem Pressegespräch. In der Krise werde sich die Bonität der Firmenkunden im Schnitt verschlechtern, womit die Ausfallrisiken stiegen. Damit würden tendenziell auch Kredite teurer. Der Anstieg sei für die Unternehmen aber etwa im Vergleich zu steigenden Materialkosten überschaubar.

"Eine Kreditklemme gibt es nicht", betonte Schürenkrämer zugleich und reagierte damit auf entsprechende Befürchtungen vieler Mittelständler und Großkonzerne in Deutschland. Allein die Deutsche Bank habe elf Milliarden Euro noch nicht genutzter Kreditlinien an Kunden vergeben. Die Bundesregierung warnt die Banken seit längerem davor, den Firmen wegen der Finanzkrise den Geldhahn abzudrehen. Die Bundesbank erkennt bislang aber noch keine Anzeichen für eine Kreditklemme. Allerdings schraubten die Banken ihre Kreditvergabestandards hoch, teilte die Zentralbank vor wenigen Tagen mit.

16.15 Uhr: Die neue US-Regierung will vom Kongress keine Aufstockung des 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspakets für die Finanzbranche fordern. Entsprechende Pläne gebe es derzeit nicht, schrieb der designierte Finanzminister Timothy Geithner am Donnerstag in einer Stellungnahme an den Finanzausschuss. Die Finanzbedürfnisse der Banken sollten aber umfassend geprüft werden. Zudem sei beabsichtigt, den Unternehmen, die Gelder aus der zweiten Tranche des Hilfstopfes erhalten, Bedingungen aufzuerlegen. Dazu gehörten unter anderem starke "aber vernünftige" Auflagen bei den Managergehältern, hieß es weiter. Geithner sollte am Donnerstag vom Senat als Finanzminister bestätigt werden. Er stand zuletzt wegen einer Steueraffäre unter Druck.

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