Frankreich Sechs Milliarden Euro für Autokonzerne

Die französische Regierung hat der Autoindustrie auf einem Gipfeltreffen großzügige Hilfe zugesagt. Renault und PSA Peugeot Citroën können auf bis zu sechs Milliarden Euro neue Liquidität hoffen - benötigen aber nach eigenen Angaben noch mehr. Im Gegenzug sollen sie eine Standortgarantie abgeben.

Paris - In Frankreich will die Regierung Autobauer wegen der Absatzkrise mit bis zu sechs Milliarden Euro unterstützen. Die Hersteller müssten sich im Gegenzug verpflichten, keine Standorte ins Ausland zu verlagern, sagte Premier François Fillon am Dienstag in Paris. Trotz der Milliardenhilfe rechnet die Regierung nicht damit, dass die französischen Hersteller vor 2012 wieder das Produktionsniveau von 2007 erreichen werden.

Die Unterstützung für die Autobauer werde sich im Rahmen von "fünf oder sechs Milliarden Euro" bewegen, sagte Fillon bei einem "Auto-Gipfel" mit Branchenvertretern im Wirtschaftsministerium. Bei den angekündigten Hilfen geht es laut Regierung um den "kurzfristigen Liquiditätsbedarf" bei den Herstellern Renault  und PSA Peugeot Citroën . Wie die Hilfen im Detail aussehen sollen, will Staatspräsident Nicolas Sarkozy bis Anfang Februar verkünden. Für bedrängte Zulieferer wurde am Dienstag aber bereits mit Renault und PSA ein Investitionsfonds von 300 Millionen Euro ins Leben gerufen.

PSA-Chef Christian Streiff sagte, allein sein Konzern benötige rund sechs Milliarden Euro Finanzhilfe. Die Aktie fiel daraufhin um 5 Prozent.

Es werde keinen Beitrag des Staates "ohne Verpflichtungen" geben, sagte Fillon. "Es kommt nicht in Frage, dass der Staat einem Hersteller zu Hilfe kommt, der einfach entscheidet, Produktionsstandorte in Frankreich zu schließen." Der Staat verlange dies, auch wenn ihm bewusst sei, dass es in Europa Überkapazitäten von rund 20 Prozent gebe, sagte Industriestaatssekretär Luc Chatel. De facto fordert Frankreich von seinen Herstellern damit, bei Sanierungsbedarf in der EU Standorte im europäischen Ausland dichtzumachen.

Schnelles Ja von der EU-Kommission gefordert

Zudem will Paris von den Konzernen für die staatliche Finanzspritze einen Verzicht auf Bonuszahlungen an Manager und auf Dividenden an die Aktionäre, wie Chatel sagte. Er ruderte aber bei seiner Ankündigung zurück, der Staat könne für die Finanzhilfe auch Anteile an den Autobauern übernehmen. Dies habe "nicht unbedingt Priorität", sagte er im Sender "Europe 1". PSA-Chef Christian Streiff hatte die staatlichen Einstiegspläne im Gespräch mit der Zeitung "Le Figaro" zuvor zurückgewiesen. Am ehemaligen Staatskonzern Renault hält Paris ohnehin noch 20 Prozent.

Für Renault-Chef Carlos Ghosn steht in den kommenden Monaten "das Überleben einer bestimmten Zahl von Herstellern, Zulieferern und Vertriebsgesellschaften" auf dem Spiel. Er forderte deshalb eine Aussetzung der Gewerbesteuer in Frankreich.

Fillon verlangte von der EU-Kommission, die französischen Hilfen schnell zu genehmigen. Paris könne nicht wie bei seinem Paket zur Rettung der Banken drei Monate warten, sagte der Regierungschef: "Wenn es brennt, muss man handeln." Der deutsche EU-Industriekommissar Günther Verheugen sagte, ein Eingreifen des Staates in der Branche sei "unumgänglich". Brüssel wolle aber darauf achten, dass einzelne Regierungen ihren Herstellern durch Hilfen nicht einen "Wettbewerbsvorteil" gegenüber der Konkurrenz in Europa verschafften.

Frankreich hatte im Oktober bereits 400 Millionen Euro über vier Jahre für die Branche angekündigt, um Entwicklung und Forschung in umweltfreundliche Autotechnik zu fördern. Aus dem im Dezember verkündeten Konjunkturpaket sind zudem bereits 1,5 Milliarden Euro für die Branche reserviert. Damals führte Paris auch eine Verschrottungsprämie von 1000 Euro pro Altauto beim Kauf eines relativ umweltfreundlichen Neuwagens ein.

manager-magazin.de mit Material von afp

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