Conti/Schaeffler "Das Vertrauen ist zerstört"

Schaeffler greift bei Continental durch. Der fränkische Großaktionär fordert den Rücktritt von Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg. Andernfalls werde man das komplette Gremium austauschen. Angesichts der Krise müsse die Zusammenarbeit beschleunigt werden. Die Investorenvereinbarung werde davon nicht verletzt.

Hamburg - Die geplante Fusion des Autozulierers Continental  mit dem Schaeffler-Konzern, vor wenigen Monaten noch als Meisterstück gefeiert, wird zunehmend zu einem Tauziehen mit offenem Ausgang. Kern des Konflikts ist ein Streit mit dem Conti-Aufsichtsratsvorsitzenden Hubertus von Grünberg, der zu Beginn des Übernahmekampfes noch auf Seiten der Franken stand.

Nun fordert Schaeffler den sofortigen Rücktritt des Conti-Oberkontrolleurs von Grünberg. "Da der Aufsichtsratsvorsitzende gemeinsame Lösungen systematisch sabotiert und eigene Interessen verfolgt, ist das Vertrauen zerstört", heißt es aus Schaeffler-Kreisen gegenüber manager-magazin.de.

Die fränkische Familienfirma denke sogar daran, sämtliche Vertreter der Kapitaleigner im Conti-Aufsichtsrat auszutauschen: "Solange der Aufsichtsrat seinen Vorsitzenden gewähren lässt, behalten wir uns vor, alle zehn Sitze neu zu besetzen. Wenn von Grünberg allerdings zurücktritt und Schaeffler vier Aufsichtsräte stellen kann - inklusive des Vorsitzenden - sehen wir keine Notwendigkeit, alle zehn Sitze zu besetzen."

Dass mit dieser Forderung die Investorenvereinbarung gebrochen werde, so wie es Conti darstelle, bestreiten involvierte Finanzkreise entschieden. Im Vertag sei geregelt, dass Schaeffler alle zehn Sitze der Kapitalseite neu besetzen könne, solange nicht mehr als vier Vertreter von Schaeffler kämen, heißt es in Frankfurt. Denkbar sei also, dass neben den vier Schaeffler-Gesandten sechs weitere Kapitalverteter in den Aufsichtsrat einzögen, die zwar nicht von Schaeffler bezahlt würden oder vertraglich gebunden wären, aber natürlich der Unternehmenspolitik des Familienunternehmens gewogen wären.

"Wenn von Grünberg den Aufsichtsrat verlässt und wir vier Aufsichtsratssitze bekommen, sehen wir keine Notwendigkeit für eine außerordentliche Hauptversammlung", erklärte ein Schaeffler-Sprecher. Von Grünbergs Rücktritt müsse "zeitnah" erfolgen. Sobald Ruhe eingekehrt sei, werde Schaeffler mit allen Beteiligten konstruktive Lösungen anstreben.

Das Familienunternehmen hatte sich bei seinem Einstieg im vergangenen Sommer dazu verpflichtet, seinen Anteil bis 2012 auf knapp 50 Prozent zu beschränken und maximal vier Vertreter in den Aufsichtsrat von Conti zu entsenden.

Hintergrund des Streits ist unter anderem die schwere Krise in der Automobil- und Zulieferindustrie sowie Probleme beider Unternehmen, die Finanzierung über neue Kredite zu sichern. Beide Firmen sind mit Milliardenschulden belastet, Schaeffler durch den Kauf der Conti-Aktien, Conti durch die Übernahme der Siemens-Tochter VDO. Jüngst kursierten Spekulationen um eine Kapitalerhöhung von einer Milliarde Euro bei Continental. Conti- Aktien waren daraufhin abgestürzt.

Durch die Finanzkrise hätten sich die Bedingungen der geplanten Fusion "radikal geändert", heißt es bei Schaeffler. Beide Unternehmen bräuchten einen schnellen Zusammenschluss der Automotive-Sparten, nicht um "Schulden abzuschieben", sondern um den Einkauf zu zentralisieren.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx und reuters

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