Dienstag, 15. Oktober 2019

Obamas Krisenpolitik "Sinnvoll ausgegebenes Geld"

Der texanische Ökonom Joe McKinney ist eher konservativ. Dennoch plädiert er derzeit für weltweite Konjunkturprogramme. Im Interview mit manager-magazin.de erklärt er, was man vom neuen Präsidenten Barack Obama als Krisenmanager erwarten darf, wie dessen Erfolgschancen stehen und warum George W. Bush besser ist als sein Ruf.

mm.de: Professor McKinney, heute ist die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten, Barack Obama. Viele vergleichen ihn schon mit Franklin D. Roosevelt, der 1933, mitten in der Weltwirtschaftskrise, Präsident wurde. Sie hoffen, Obama könnte, das Land aus der Krise führen, wie einst Roosevelt. Glauben Sie an einen solchen Erfolg?

Joseph A. McKinney ist Professor für Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der texanischen Hankamer School of Business. Der Fulbright-Professor forscht unter anderem zur Freihandelszone Nafta und Aspekten der Wirtschaftsethik.
McKinney: Es stimmt, viele Amerikaner hoffen, dass Obama für die Wende sorgen kann und sind deshalb sehr euphorisch. Ich glaube, dass er bereits einige sehr wichtige Maßnahmen vorbereitet hat. Andererseits sieht er sich vielen unrealistischen Erwartungen gegenüber, die er kaum erfüllen kann.

mm.de: Was löst bei Ihnen Zweifel aus?

McKinney: Der Präsident muss mit dem Kongress zusammenarbeiten. Historisch gesehen hatten jene Präsidenten den größten Erfolg, die sich auf eine starke Kongressmehrheit stützen konnten. Nehmen Sie zum Beispiel Lyndon B. Johnson, der eine viel größere Mehrheit hatte als Obama.

mm.de: All die Euphorie - es könnte keinen besseren Zeitpunkt geben als diesen, um spektakuläre politische Maßnahmen durchzusetzen.

McKinney: Das ist vollkommen richtig. Andererseits habe ich den Eindruck, dass die Bedingungen für politische Macher in Washington sich über die Jahre verschlechtert haben. Es gibt viel Streitsucht und wenig Kooperationsbereitschaft. Vielleicht ändert sich das ja nun - ich hoffe es sehr. Aber wir sollten besser nicht damit rechnen.

mm.de: Welche Maßnahmen können wir in Obamas ersten Regierungsmonaten erwarten?

McKinney: Es gibt einen großen innenpolitischen Konsens, dass das amerikanische Gesundheitssystem reformiert werden muss. Da ist es schon sehr unglücklich, dass Obama zunächst viel Energie und politisches Kapital investieren muss, um die Wirtschaft anzukurbeln.

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