Rezession Zehntausende Jobs in Amerika wackeln

Die Wirtschaftskrise wird für viele Amerikaner greifbar. Mussten sie bis jetzt vor allem zusehen, wie ihre Steuergelder für die Rettung angeschlagener Banken ausgegeben worden sind, verlieren nun viele Tausend Menschen ihren Arbeitsplatz - und das teilweise sogar bei den Topadressen der US-Wirtschaft. Schon sind Arbeitsagenturen überfordert.

New York - Wer sich dieser Tage in das beängstigend wachsende Heer der Amerikaner ohne Job einreihen muss, braucht mitunter starke Nerven. In den Bundesstaaten New York, North Carolina und Ohio brachen bereits elektronische Antragssysteme für Arbeitslosenunterstützung unter dem Ansturm zusammen. In Florida kamen Anrufer nicht zur Behörde für Arbeitslosenhilfe durch, weil Leitungen zusammenbrachen. 157.300 Anträge gingen alleine dort im Dezember ein - 181 Prozent mehr als im selben Monat des Vorjahres. "Es ist einfach nur schrecklich", sagte Eddi Martinez (52) der Zeitung "Orlando Sentinel", nachdem er Dutzende Male am Tag versucht hatte, durchzukommen. "Sie sind völlig unvorbereitet."

Die Wolken am Horizont des amerikanischen Arbeitsmarktes sind tiefschwarz, seit die Finanzkrise mit voller Wucht die Realwirtschaft erwischt hat. Mehr als 80 000 Jobs büßte die größte Volkswirtschaft der Welt allein seit Anfang 2009 ein, im gesamten vergangenen Jahr waren es 2,6 Millionen. Wie dramatisch die Lage ist, offenbarte sich erst wieder am Freitag: Das Aus der zweitgrößten US-Elektronikkette Circuit City kostet rund 30 000 Mitarbeiter ihre Jobs. Dann ging es Schlag auf Schlag:

Der weltgrößte Mischkonzern General Electric (GE)  will offenbar bis zu 11.000 Arbeitsplätze streichen. Es gehe um mindestens 7000 der rund 75.000 Stellen in der Finanzsparte des Unternehmens, die GE Capital genannt wird. Das hat der US-Fernsehsender CNBC berichtet, der ebenfalls zu dem Mischkonzern gehört. Ein Konzernsprecher habe lediglich bestätigt, dass Stellenstreichungen zu erwarten seien, sich aber nicht zu Zahlen geäußert.

Die Finanzsparte GE Capital leidet seit Monaten schwer unter den Folgen der Finanzkrise und belastet den Konzern massiv. Im dritten Quartal brach das Ergebnis des Bereichs um 33 Prozent auf zwei Milliarden Dollar ein. Das drückte den Konzerngewinn um mehr als ein Fünftel. General Electric versucht in der Krise, seine Abhängigkeit von dem Sparte zu verringern, die einst einen Großteil der Konzerngewinne lieferte.

Zugleich hat der amerikanische Autoverleiher Hertz angekündigt, weltweit mehr als 4000 Stellen zu streichen. Grund seien rückläufige Mietanfragen, teilte das Unternehmen j mit. Der Autoverleiher will im laufenden Jahr 150 Millionen bis 170 Millionen Dollar sparen. Betroffen seien alle Regionen und alle Bereiche des Unternehmens. Einschließlich der aktuell geplanten Stellenstreichungen wird das Unternehmen 32 Prozent weniger Menschen beschäftigen als noch im Jahr 2006.

Darüber hinaus will der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer  einem Zeitungsbericht zufolge jeden dritten Arbeitsplatz im Vertrieb aufgeben. Es gehe um rund 2400 Stellen, berichtete das "Wall Street Journal". Erst kürzlich hatte Pfizer den Abbau von rund 800 Arbeitsplätzen in der Forschung beschlossen. Die aktuellen Stellenkürzungen betreffen laut den Informationen Außendienstmitarbeiter und das mittlere Management. Das Unternehmen wollte sich dem Bericht zufolge nicht zu "Gerüchten und Spekulationen" äußern, gab aber an, permanent nach Wegen zu suchen, das Geschäft effizienter zu machen.

Drei bis vier Millionen Stellen will der künftige US-Präsident Barack Obama mit seinem Konjunkturprogramm erhalten oder neu schaffen. Trifft die Prognose des Conference Board ein und zählt man die verloren Jobs von 2008 hinzu, dürfte das Ziel der neuen Regierung nicht reichen, den Arbeitsplatzabbau infolge der schweren Wirtschaftskrise wettzumachen. Selbst Studien des Obama-Lagers gehen davon aus, dass das Konjunkturpaket, das wohl mit weit über 800 Milliarden Dollar (600 Milliarden Euro) zu Buche schlagen wird, die Arbeitslosenquote allenfalls um ein bis zwei Punkte drücken wird.

Dabei erzählt die offizielle US-Arbeitslosenstatistik nach Meinung von Experten auch nicht die ganze Geschichte. Mindestens sechs verschiedene Zählweisen gibt es.

manager-magazin.de mit Material von ap, dpa und reuters

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