Krieg in Palästina Israel und Hamas verkünden Feuerpause

Nach Israel hat auch die Hamas eine Waffenruhe für den Gazastreifen ausgerufen. Die Nummer zwei des Hamas-Politbüros, Mussa Abu Marsuk, forderte Israel zugleich auf, seine Armee während der Feuerpause abzuziehen. Während die Waffenruhe brüchig blieb, berieten in Ägypten Staats- und Regierungschefs über die Lage im Gazastreifen.

Gaza/Tel Aviv - Der "Feind Israel" sei mit seinem Plan gescheitert, den Palästinensern seine Bedingungen aufzuerlegen, sagte Marsuk in einer Ansprache im syrischen Fernsehen und kündigte die einwöchige Waffenruhe an. Er forderte zudem neben dem Rückzug der israelischen Soldaten aus dem Gazastreifen auch eine Öffnung der Grenzübergänge, damit humanitäre Hilfe passieren könne.

Ein Sprecher der Organisation Islamischer Dschihad in Gaza sagte nach einem Treffen von Palästinenservertretern im syrischen Damaskus, die Palästinenser seien offen für Vermittlungsbemühungen Ägyptens, der Türkei, Syriens sowie anderer arabischer Staaten, die zu einem vollständigen Rückzug der israelischen Kräfte aus dem Gazastreifen sowie einer dauerhaften Öffnung der Kontrollpunkte führen.

Israel hatte bereits am Samstagabend eine einseitige Waffenruhe verkündet. Die radikalislamische Hamas hatte daraufhin zunächst gedroht, sie werde ihre Angriffe gegen Israel fortsetzen, solange die israelische Armee im Gazastreifen bleibe. Die Waffenruhe war zunächst auch brüchig.

Israels Militär griff am Sonntagmorgen ein Kommando mit Raketenwerfern in Beit Hanun nordöstlich der Stadt Gaza aus der Luft an. Die Gruppe habe zuvor Raketen auf die israelische Stadt Sderot geschossen, sagte ein Armeesprecher. Insgesamt seien sieben Geschosse in Israel eingeschlagen - ohne jedoch Schäden zu verursachen. Zuvor hatten bereits Hubschrauber und Panzer in Gaza auf bewaffnete Angreifer geschossen, wie die Armee mitteilte. Auch in Rafah im Süden des Gazastreifens gab es nach Angaben von Augenzeugen Schusswechsel.

"Diese Waffenruhe ist zerbrechlich", sagte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert dann auch. "Wir müssen sie Minute für Minute, Stunde für Stunde überprüfen."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist bereits am Sonntagmorgen zu einem internationalen Krisengipfel nach Ägypten geflogen. Die Regierungschefin trifft im Badeort Scharm el Scheich mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak, dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon zusammen, um über eine dauerhafte Waffenruhe für den Gazastreifen zu beraten. An dem Treffen nehmen auch Regierungsvertreter aus Frankreich, Italien, Großbritannien, Spanien, der tschechischen Ratspräsidentschaft sowie der Türkei teil. Am Nachmittag will Merkel nach Tel Aviv weiterfliegen, um mit der israelischen Regierung über die Lage zu beraten.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier hatte die einseitige israelische Erklärung für eine Waffenruhe am Samstagabend begrüßt. "Dieser Schritt eröffnet endlich die Perspektive auf ein Ende der Gewalt in und um Gaza", sagte der Minister in Berlin. Auch die scheidende US-Außenministerin Condoleezza Rice begrüßte den Schritt der israelischen Regierung.

Bei einem der letzten israelischen Angriffe am Samstag war eine Schule der Vereinten Nationen im nördlichen Gazastreifen getroffen worden. Dabei kamen nach UN-Angaben zwei Kinder ums Leben. Der Leiter der Vereinten Nationen im Gazastreifen, John Ging, sagte, es müsse geklärt werden, ob es sich bei diesem Angriff um ein Kriegsverbrechen handle. Die israelischen Streitkräfte teilten mit, sie hätten eine Untersuchung eingeleitet. Bereits Anfang Januar waren bei zwei Angriffen auf Schulen der Vereinten Nationen mindestens 42 Menschen ums Leben gekommen.

Bei den israelischen Angriffen kamen seit dem 27. Dezember nach Angaben der palästinensischen Behörden und der Vereinten Nationen etwa 1200 Menschen ums Leben. Auf Seiten Israels wurden 13 Menschen getötet.

manager-magazin.de mit Material von ap, afp und reuters