Deutsche Bank/Postbank Übernahme in drei Akten

Die Deutsche Bank übernimmt die Postbank zu neuen Bedingungen. Die Post bekommt die Erlöse früher als bisher geplant, dafür steigt sie zeitweilig bei der Deutschen Bank ein. Indirekt ist damit der Bund am Institut von Josef Ackermann beteiligt. Doch der stellt sich unbeirrt als Sieger dar - trotz eines Quartalsverlusts von knapp fünf Milliarden Euro.

Bonn/Frankfurt am Main - Deutsche Bank  und Deutsche Post  haben sich angesichts der Finanzkrise auf neue Konditionen für den Verkauf der Post-Tochter Postbank  geeinigt. Die Deutsche Bank kann dadurch ihre Eigenkapitalquote über 10 Prozent halten, die Post kommt "schneller und mit weniger Risiko aus dem Bankgeschäft", wie beide Konzerne am Mittwoch mitteilten.

Auf die Frage, warum nicht schon im September die angeblich für beide Seiten vorteilhaften Bedingungen vereinbart wurden, antwortete Post-Chef Frank Appel in einer Telefonkonferenz, damals sei der Postbank-Verkauf "unter Zeitdruck" ausgehandelt worden. Jetzt habe die Deutsche Bank eine Neuverhandlung des Vertrags angeregt. Bei den Nachverhandlungen habe es auch "keinerlei politische Einflussnahme" gegeben, betonte er. Analysten bezweifeln allerdings, ob die Deutsche Bank den Einstieg bei der Postbank zu den alten Bedingungen noch hätte stemmen können.

Der Deal soll nun in drei Schritten ablaufen:

  • Noch im Januar werde die Deutsche Bank 50 Millionen eigene Aktien gegen ebenso viele Papiere der Postbank - das entspricht rund 22,9 Prozent - voraussichtlich im Rahmen einer Sachkapitalerhöhung im Wert von 1,1 Milliarden Euro erwerben. In der Folge werde die Post rund 8 Prozent am Grundkapital der Deutschen Bank halten. Die Post könne die Deutsche-Bank-Aktien von April an marktschonend veräußern. Zu diesem Zweck werde es legale Maßnahmen zur Kurspflege geben. Die Post habe nicht vor, dauerhaft an der Deutschen Bank oder überhaupt am Bankgeschäft beteiligt zu sein. Daher könne auch von einer "Teilverstaatlichung" der Bank keine Rede sein, sagte Appel. Der Bund ist über die staatliche Förderbank KfW noch mit rund 30 Prozent an der Post beteiligt.
  • Zugleich zeichnet das Frankfurter Institut eine Pflichtumtauschanleihe der Deutschen Post, die nach Ablauf von drei Jahren zu 4 Prozent Zinsen in rund 27,4 Prozent der Aktien der Postbank getauscht werden soll. Bis dahin, so Bankchef Josef Ackermann, könne die Deutsche Bank entscheiden, ob sie die Mehrheit der Postbank übernehmen will oder nicht - die im ersten Schritt erworbenen Aktien könnten ja jederzeit weiter verkauft werden.
  • Für die verbliebenen Anteilsscheine bestünden weiterhin Kauf- und Verkaufsoptionen. Appel gab den maximalen Erlös für die 12,1 Prozent mit 1,1 Milliarden Euro an. Es gebe Kurssicherungsgeschäfte, auf deren Einzelheiten er jedoch nicht eingehen wolle.

Die Deutsche Post  erhalte bis Ende Februar liquide Mittel von 3,8 Milliarden Euro. 3,1 Milliarden Euro davon seien bereits zum 2. Januar aufgrund der alten Vereinbarung an den Bonner Konzern geflossen. Der Barwert der Transaktion entspreche bis zu 4,9 Milliarden Euro, teilten die beteiligten Parteien am Mittwoch weiter mit.

Sollte die Postbank, die für 2008 ebenso wie die Deutsche Bank einen hohen Verlust erwartet und zugleich eine dünne Kapitaldecke aufweist, in den kommenden drei Jahren eine Kapitalerhöhung brauchen, wären beide Parteien zu je einem knappen Drittel gefordert. Ackermann sicherte sich zugleich für den Fall ab, dass die Postbank den staatlichen Rettungsfonds Soffin um Hilfe bittet.

Das sei eine Entscheidung des Postbank-Vorstands, sagte Ackermann. "Sie sind eine andere Bank, wir sind nur Aktionäre." Er erneuerte zugleich seine Beteuerung, die Deutsche Bank sei nicht auf Staatshilfe angewiesen. "Wir sehen uns selbst als die einzige verbliebene große Investmentbank weltweit, an der weder Staatsfonds noch die Steuerzahler beteiligt sind", tönte er.

Josef Ackermann sieht sich als Sieger

Überhaupt schien Ackermanns Ego bei der Verlustmeldung von 4,8 Milliarden Euro für das vierte Quartal keinen Schaden genommen zu haben. Seinen eigenen Vorschlag einer staatlichen "Bad Bank", die faule Wertpapiere von privaten Banken aufkauft, wies er zurück. "Ich habe nie über die Deutsche Bank gesprochen", sagte Ackermann. In Deutschland stehe eine "Bad Bank" ohnehin nicht auf der Tagesordnung. Den Vorstoß habe er als Vorsitzender des internationalen Bankenverbands gemacht.

Für manche Banken mit schwacher Kapitalbasis und großen Risiken könne eine solche Lösung sinnvoll sein. Besser aber, sie orientierten sich an seinem eigenen Beispiel: "Wir haben die Risiken erheblich heruntergefahren", erklärte Ackermann, was auch den Milliardenverlust zum Teil erkläre. Die Bilanzsumme sei um 300 Milliarden Euro geschrumpft, vor allem um riskante Kreditpapiere, sodass eine kommende Welle von Abschreibungen die Deutsche Bank weniger treffen würde als andere Institute.

Vorteil der neuen Modalitäten für die Deutsche Bank: Sie muss ihr Eigenkapital nicht mehr so stark belasten, ihre Eigenkapitalbelastung reduziert sich von ursprünglich 2,2 Milliarden auf 1,0 Milliarden Euro. Zum Jahreswechsel betrug die Kernkapitalquote des Instituts - das Verhältnis zwischen Eigenkapital und ausgegebenen Krediten - vergleichsweise solide zehn Prozent.

Die Postbank-Aktie stürzte nach Bekanntgabe der neuen Übernahmebedingungen auf ein neues Rekordtief von 11,61 Euro. "Damit ist die Fantasie auf eine schnelle Übernahme und ein Pflichtangebot an die freien Aktionäre raus", kommentierte ein Händler. Auch die Aktie der Deutschen Bank verlor deutlich: Sie notierte fast 9 Prozent tiefer bei 22,16 Euro. Einzig die Post erholte sich leicht und verzeichnete am Nachmittag nur noch Verluste von einem knappen Prozentpunkt.

Der vorübergehende Einstieg der Deutschen Post bei der Deutschen Bank mit 8 Prozent der Anteile bedeutet nach den Worten von Post-Chef Frank Appel keine "Teilverstaatlichung" des Geldhauses. "Wir beabsichtigen nicht, längerfristig Teilaktionär der Deutschen Bank zu bleiben", erklärte Appel am Mittwoch in Bonn. Von einer "Teilverstaatlichung" könne daher keine Rede sein.

manager-magazin.de mit Material von reuters, dpa und dpa-afx

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