Übernahme RWE will Essent für 9,3 Milliarden kaufen

RWE greift nach dem größten niederländischen Energieversorger Essent. Der Essener Energiekonzern will für den niederländischen Wettbewerber rund 9,3 Milliarden Euro ausgeben. Die Parteien haben sich auf ein verbindliches Barangebot geeignet. RWE stellt für sein Angebot allerdings Bedingungen.

Düsseldorf - RWE und Essent hätten sich am Montag über die Konditionen für ein Barangebot von RWE an die Anteilseigner des Versorgers - niederländische Provinzen und Gemeinden - geeinigt, teilte RWE Montagmittag mit. Essent werde dabei mit rund 9,3 Milliarden Euro bewertet.

Das Angebot stehe unter dem Vorbehalt, dass RWE mindestens 80 Prozent des Grundkapitals von Essent angedient werden, hieß es. Auch die Wettbewerbsbehörden müssten der Übernahme noch zustimmen. RWE ist erwartungsgemäß nicht am Verteilnetz- und Entsorgungsgeschäft von Essent interessiert.

Essent zählt zu den großen niederländischen Energieunternehmen. Besitzer des Konzerns sind der RWE-Mitteilung zufolge zur Zeit 136 Gesellschaften, darunter vor allem Kommunen und Gemeinden. "Durch den Erwerb von Essent wird RWE zu einem führenden Energieanbieter in Benelux."

RWE-Aktien  fielen in der Spitze um bis zu 4 Prozent. Marktbeobachter sprachen von einem sinnvollen Schritt. RWE habe die finanzielle Kraft für eine solche Übernahme, während andere Versorger seit zwei Jahren damit zu tun hätten, die Finanzierung für Zukäufe zu organisieren, sagte etwa Analystin Karin Brinkmann von der UniCredit. Das Institut schätzt den fairen Wert von Essent auf etwa 6,5 Milliarden Euro. RWE könnte Synergien heben und Essent könnte schon im ersten Jahr zum Gewinn beitragen.

Essent stand nach Informationen von manager-magazin.de im Fokus mehrerer europäischer Energieversorger, nicht zuletzt aus Skandinavien. So soll das dänische Energieunternehmen Dong ebenso Interesse an einem Einstieg bei Essent gehabt haben, wie der schwedische Vattenfall-Konzern . Aber auch Belgiens Electrabel hatte nach Informationen aus Handelskreisen ein Auge auf den größten niederländischen Stromanbieter geworfen.

RWE wird ein Interesse an Essent nachgesagt, seit der Holländer Harry Roels selbst Chef bei der Essener RWE war. Roels gab seinen Job im Oktober 2007 an den heutigen Konzernlenker Jürgen Großmann ab.

Seit Jahren enge Verbindungen mit den Niederlanden

Essent selbst wollte in jenem Sommer 2007 mit der holländischen Nummer Zwei des dortigen Strommarktes fusionieren, mit Nuon. Die Verhandlungen über den Zusammenschluss waren aber an Differenzen über Bewertungsfragen und das Tauschverhältnis der Aktien gescheitert. Essent sollte damals zu 55 Prozent an dem neuen Unternehmen namens Essent-Nuon beteiligt sein. Zusammen wollten Essent und Nuon zu einem der zehn größten europäischen Energiekonzern aufsteigen. Groß genug, um nicht einmal von einem ausländischen Konzern geschluckt zu werden.

RWE  selbst hat schon seit Jahren enge Geschäftsverbindungen mit den Niederlanden. Das Unternehmen zählt dort bereits jetzt zu einem der größeren ausländischen Investoren. Die Regionalgesellschaft RWE Energy Nederland versorgt bereits heute 340.000 Haushalte und mehr als 50.000 Firmen mit Gas und Strom. Aktuell plant RWE den Bau eines kombinierten Biomasse- und Kohlekraftwerks in Eemshaven, das 2012 an das Netz gehen soll und dann eine Leistung von 1560 Megawatt erreichen wird.

Der mögliche Essent-Kauf käme RWE noch aus einem anderen Grund gelegen: Das niederländische Unternehmen wilderte zuletzt mit einigem Erfolg auf dem deutschen Heimatmarkt der RWE. Die Deutsche Essent ist auf das Großkundengeschäft spezialisiert, etwa mit Unternehmen, die einen hohen Energieverbrauch haben. Der deutschen Tochter des niederländischen Marktführers gelangen aber auch einige Partnerschaften mit Kommunalversorgern.

manager-magazin.de

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