Automesse Detroit "Die Krise ist auch eine Chance"

Die Stimmung auf der Motor Show in Detroit ist gedrückt. Bei den erfolgsverwöhnten deutschen Herstellern stehen ebenfalls Jobs auf dem Spiel. Doch Automanager sind sich einig: Die Krise bietet auch Chancen für zukunftsweisende Veränderungen .

Detroit - Weltweit werde 2009 für die Branche ein "verdammt schwieriges Jahr", sagte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, zum Auftakt der Auto Show in Detroit. Die Krise bedrohe zunehmend auch Jobs, vor allem bei den Zulieferern.

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, die Folgen der Finanzkrise seien in der Branche unterschätzt worden. Unterdessen forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Autoindustrie dazu auf, ihre Innovationsanstrengungen zu erhöhen.

Der Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM) in Europa, Carl-Peter Forster, sagte mit Blick auf die Marktprognosen: "Wir stochern alle im Nebel." Opel rechnet für die bei der Bundesregierung angefragte Milliardenbürgschaft mit einer Entscheidung bis spätestens Ende März.

Martin Winterkorn, Chef von Volkswagen, erklärte, 2009 werde ein "extrem schwieriges Jahr" für die Branche. Das Verbrauchervertrauen sei auf einem Tiefpunkt. Der VW-Konzern steigerte den Absatz 2008 gegen den Branchentrend, rechnet aber im neuen Jahr mit einem Rückgang von 10 Prozent, für den gesamten Markt gar um 20 Prozent.

Zetsche: Zeit für Veränderungen

Zetsche sagte, die Schwierigkeiten böten auch die Chance, Veränderungen anzustoßen. Gefragt seien neue Fahrzeug- und Antriebskonzepte, angefangen von sparsamen Verbrennungs- bis hin zu Elektromotoren. Diese stehen im Mittelpunkt der traditionellen Auto Show (11. bis 25. Januar) in der US-Autostadt Detroit.

Vor allem in den USA, Westeuropa und Japan ist der Autoabsatz als Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise dramatisch eingebrochen, dazu kommen hausgemachte Probleme in der Modellpolitik. Die Autohersteller haben bereits mit massiven Produktionskürzungen und Gewinnwarnungen auf die steile Talfahrt reagiert.

GM verhandelt über neue Einschnitte

GM verhandelt über neue drastische Einschnitte

Besonders angespannt ist die Lage derzeit bei den drei schwer angeschlagenen US-Autobauern General Motors (GM), Ford und Chrysler. GM verhandelt ab Wochenbeginn mit den US-Arbeitnehmervertretern über neue drastische Einschnitte. Bereits in den vergangenen Jahren strichen Amerikas Autobauer Hunderttausende Stellen. Nur Notkredite der Regierung retten GM und Chrysler derzeit vor dem Aus.

Chrysler forderte für sein Überleben weitere drei Milliarden Dollar. Chrysler-Chef Robert Nardelli sagte in Detroit, man habe von Beginn an einen Kredit von sieben Milliarden Dollar haben wollen. Chrysler hatte Anfang Januar vier Milliarden Dollar bekommen, die nach Vorstellungen der US-Regierung bis Ende März reichen sollen.

Washington will Entscheidungen über weitere Hilfen an die Autobranche Mitte Februar und Ende März treffen. Für das laufende Jahr erwartet Nardelli auf dem US-Automarkt einen weiteren massiven Einbruch.

US-Absatzmarkt wird wohl weiter einbrechen

Der VDA rechnet für den US-Markt im laufenden Jahr mit einem Absatzrückgang auf elf bis zwölf Millionen Fahrzeuge. Es gebe aber die Hoffnung, dass es im vierten Quartal 2009 wieder langsam bergauf gehe. 2008 wurden in den USA rund 13,2 Millionen Autos verkauft, nach 16,2 Millionen im Vorjahr. VDA-Präsident Wissmann sagte, die deutschen Autobauer wollten in den USA in der Krise in die Offensive gehen und Marktanteile dazugewinnen. Punkten wollten die deutschen Hersteller mit spritsparenden und umweltfreundlichen Modellen. Ziel sei, den Marktanteil von derzeit 7 Prozent mittelfristig auf 10 Prozent zu steigern.

Indes kündigte Bundeskanzlerin Merkel weitere Unterstützung für die gebeutelte Schlüsselbranche mit rund 750.000 Beschäftigten an, mahnte aber in der zugleich, die deutsche Automobilindustrie solle ihre Innovationsanstrengungen erhöhen. "Es gab in Deutschland eine unangefochtene technische Führung beim Ottomotor, der auch weiter gebraucht wird. Aber andere Technologien dürfen darüber nicht vernachlässigt werden."

Zudem sei ein Ziel des zweiten Konjunkturpakets, das die Spitzen von Union und SPD an diesem Montag beschließen wollen, die Automobilnachfrage zu stärken, etwa mit einer am Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) orientierten Kfz-Steuer.

Wissmann sagte, die Autoindustrie werde alles dafür tun, um die Stammbelegschaften zu halten. Falls die Branche nach dem ersten halben Jahr 2009 aber kein Licht am Ende des Tunnels sehe, werde es schwierig, diese Strategie aufrechtzuerhalten.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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