Autoindustrie "Brutaler Marktkollaps"

Die Wirtschaftskrise hat der Autoindustrie einen schwarzen Dezember beschert. Weltweit brach der Absatz der Hersteller drastisch ein. In Korea beantragte ein Hersteller Gläubigerschutz. Und Aussicht auf Besserung ist nicht in Sicht.

München - Die Welle der Hiobsbotschaften aus der Autobranche reißt nicht ab. Während BMW , Opel und Renault  am Freitag von drastischen Absatzeinbrüchen berichteten, beantragte der koreanische Hersteller Ssangyong Gläubigerschutz. Hyundai  kündigte Produktionskürzungen an und Ford-Chef Alan Mulally erklärte, er sehe wenig Aussicht auf eine Besserung der Lage in naher Zukunft.

Die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise hätte zu einem "brutalen Marktkollaps" geführt, hieß es in einer Erklärung von Renault-Verkaufschef Patrick Blain. Bei Renault brach der Absatz im Dezember gegenüber dem Vorjahresmonat um 28,5 Prozent ein.

Die Luxusautos von BMW fanden im Dezember mit 112.423 verkauften Exemplaren gut ein Viertel weniger Käufer als vor Jahresfrist. Damit erging es dem Münchener Konzern noch schlechter als Konkurrent Daimler , der am Vortag einen Rückgang von 15 Prozent berichtet hatte. Durch die Verkaufserfolge zu Jahresbeginn schrumpfte der Absatz von BMW 2008 um 4,3 Prozent auf rund 1,44 Millionen Fahrzeuge. Daimler verkaufte im vergangenen Jahr mit 1,26 Millionen Pkw 2,3 Prozent weniger.

Wie andere Hersteller auch verzichteten BMW und Daimler auf eine Prognose für das laufende Jahr. Ähnlich hart wie die deutschen Oberklassehersteller traf es Renault. Der französische Autobauer setzte vergangenes Jahr 4,2 Prozent weniger Fahrzeuge ab, wobei die Billigmarke Dacia mit ihrem Zuwachs von 12 Prozent den Konzern vor Schlimmerem bewahrte.

Einen ähnlichen Joker hatte der angeschlagene US-Autobauer General Motors nicht im Ärmel. Die Verkaufszahlen der wichtigsten Marke Opel/Vauxhall brachen in vielen Teilen Westeuropas um gut 10 Prozent auf 1,46 Millionen Wagen ein. Insgesamt verkaufte GM 2008 in Europa 2,04 Millionen Fahrzeuge, gut 6 Prozent weniger als im Jahr davor.

Kein Silberstreif am Horizont zu erkennen

Bislang zeichnet sich keine Lichtstreif am Horizont ab. Ford-Chef Mulally erklärte, in den USA sei vor 2010 keine Erholung der Märkte in Sicht, da die Menschen wegen der Krise wenig Geld und Vertrauen hätten.

In einem Kommentar zur angekündigten Überprüfung der Bonitätseinschätzung des japanischen Autobauers Honda  analysierte die Ratingagentur Moody's: "Die Autobranche ist in allen entwickelten Ländern in der Rezession - was 2009 und darüber hinaus anhalten wird."

In den USA waren die Absatzzahlen im Dezember um 36 Prozent eingebrochen, in Japan um 22 Prozent. In Europa bewegen sich die Zahlen zwischen minus 28 Prozent in Spanien und minus 7 Prozent in Deutschland.

Volkswagen kann immerhin in China punkten

Auch aus den ärmeren Weltregionen sind - anders als von vielen Herstellern anfangs erhofft - wohl kaum Wachstumsimpulse zu erwarten. Für die größte Volkswirtschaft Südostasiens, Indonesien, rechnet der Toyota-Vertriebspartner Toyota Astra mit einem Verkaufsrückgang von 30 Prozent.

Eine der wenigen positiven Nachrichten des Sektors kam von Deutschlands größtem Autobauer Volkswagen . Der Wolfsburger Konzern erreichte sein Absatzziel von einer Million verkauften Autos in China. Während die Verkäufe in dem nach Deutschland zweitgrößten Einzelmarkt für VW 2008 um 12,5 Prozent stiegen erklärte der zuständige Manager Winfried Vahland mit Blick auf die Zukunft: "Es ist unsicher, wie sich der Markt 2009 entwickeln wird." Dennoch werde VW aber weiter in dem Land investieren und sei zuversichtlich, Marktanteile hinzuzugewinnen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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