Rezession Keine Massenentlassungen im Dax

Ungewöhnliches Angebot: Die Personalvorstände der 30 Dax-Unternehmen wollen trotz der Wirtschaftskrise so weit wie möglich auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Das haben die Manager Bundesarbeitsminister Olaf Scholz in Aussicht gestellt. Der revanchierte sich dafür prompt.

Berlin - Die 30 größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands wollen nach Möglichkeit auf Entlassungen verzichten. Die Personalchefs der Konzerne, deren Aktien im Frankfurter Leitindex Dax  notiert sind, einigten sich entsprechend mit Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) am Freitag in Berlin.

"Als Arbeitgeber müssen wir Signale des Vertrauens und der Verlässlichkeit ausstrahlen. Wir haben motivierte Mitarbeiter. Und wir wollen, dass sie auch in schwierigen Zeiten motiviert bleiben und sich voll und ganz in das Unternehmen einbringen", kommentierte Siemens-Chef Peter Löscher die Ankündigung.

In ihrer gemeinsamen Erklärung versicherten die Dax-30- Personalvorstände, sie wollten die "Instrumente zur Beschäftigungssicherung voll nutzen, um betriebsbedingte Kündigungen im Jahr 2009 zu vermeiden". Dies sei eine Absichtserklärung, die aber einen "hohen Stellenwert" habe, betonte Daimler-Personaldirektor Günther Fleig. Es gehe darum, in der derzeitigen Situation Vertrauen bei den Beschäftigten und der Bevölkerung zu schaffen.

Scholz kündigte unterdessen an, den Unternehmen bei den arbeitsmarktpolitischen Instrumenten entgegenzukommen. So solle Kurzarbeit nicht an den Abbau bei Leiharbeitern und befristet Beschäftigten gekoppelt sein. Ferner müsse eine solche Maßnahme leichter mit einer tarifvertraglich vereinbarten Flexibilisierung der Arbeitszeit verknüpft werden können.

Gleichzeitig sollen überdurchschnittliche Einbußen für die Beschäftigten vermieden werden, um eine solche Regelung auch für Betriebsräte attraktiv zu machen. Darüber hinaus solle die Nutzung von Qualifizierungsmaßnahmen während der Kurzarbeit weiter erleichtert werden.

Der Hauptverband des Deutschen Einzelhandels (HDE) reagierte mit Kritik. Erleichterte Regeln für die Kurzarbeit gingen "an den Bedürfnissen des Einzelhandels vollständig vorbei", sagte HDE- Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Im Gegensatz zur Automobilindustrie könne der Handel nicht "tage- oder wochenlang seine Ladentüren schließen".Notwendig zur Jobsicherung seien stattdessen niedrigere Steuern und die Senkung der Sozialabgaben.

manager-magazin.de mit Material von dpa und reuters

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