Energiestreit Das Gas, das aus der Kälte kommt

Einiges deutet darauf hin, dass in Kürze wieder Gas aus Russland über die Ukraine nach Europa strömen wird. Beobachter zur Überwachung der Lieferungen sind bereits in Kiew eingetroffen. Das Kernproblem zwischen Russland und der Ukraine ist aber weiter ungelöst.

Brüssel - Russisches Gas könnte schon bald wieder über die Ukraine in Richtung Europa strömen. Gazprom-Chef Alexej Miller sagte in Moskau, sobald eine Vereinbarung für den Einsatz einer europäischen Beobachterkommission unterzeichnet sei, werde der russische Monopolist den Gashahn wieder aufdrehen. Er rechne damit, dass dies noch im Tagesverlauf gelinge.

Die ersten EU-Beobachter nahmen am Mittag unter der Leitung von Eon Ruhrgas ihre Arbeit in Kiew auf. Die EU-Kommission forderte daraufhin von Russland erneut, den Gasexportstopp über die Ukraine zu beenden, der in zahlreichen europäischen Ländern mitten im Winter zu massiven Lieferausfällen geführt hat.

Auch die Ukraine hat nun offenbar in die Stationierung russischer Beobachter auf ihrem Gebiet eingewilligt. Die Ukraine habe die internationale Beobachtermission auf beiden Seiten der Grenze akzeptiert, teilte Gazprom-Chef Miller am Freitagnachmittag laut russischen Nachrichtenagenturen mit. Die Bedingung für die Wiederaufnahme der russischen Gaslieferungen nach Europa über die Ukraine ist damit erfüllt. Nach Angaben der EU dauert es aber mindestens drei Tage, bis das Gas bei den europäischen Kunden ankommt.

Zusätzlich zu den Beobachtern, die bereits in Kiew eingetroffen sind, beraten weitere europäischen Teilnehmer der Beobachtermission derzeit in Berlin, wo genau sie eingesetzt werden sollten. Ingesamt sollten "demnächst" 18 Vertreter von europäischen Gasgesellschaften und von Gazprom und mindestens vier EU-Vertreter in der Ukraine eintreffen, sagte der Sprecher.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso wollte sich nicht zu einem konkreten Zeitpunkt äußern, ab dem das Gas wieder strömen würde. Die Wiederaufnahme der Lieferungen werde wegen technischer Gegebenheiten noch etwas Zeit brauchen, sagte Barroso im bayerischen Wildbad Kreuth, wo er bei der Klausurtagung der CSU-Bundestagsabgeordneten zu Gast war. Von russischer Seite hieß es, unter anderem wegen des nötigen Druckaufbaus in der Pipeline und der großen Entfernung könne es Stunden oder Tage dauern, bis das Gas wieder in Europa ankomme.

Der tschechische Ministerpräsident Mirek Topolanek wollte noch im Tagesverlauf nach Kiew reisen, um die Vereinbarung über den Beobachtereinsatz endgültig zu besiegeln, wie aus Regierungskreisen in Prag verlautete. Der rund 20-köpfigen Expertengruppe gehören Mitarbeiter europäischer Gasversorger wie Ruhrgas, ENI und GDF Suez sowie der EU-Kommission an. Sie sollten den Transitfluss des russischen Gases durch die Ukraine an den Transitübergängen auf beiden Seiten der Grenze überwachen, erklärte Eon Ruhrgas. Das Düsseldorfer Unternehmen habe im Auftrag der EU-Kommission die Leitung übernommen. Die ersten Experten seien am Vormittag in Kiew eingetroffen, der Großteil werde am Nachmittag erwartet.

Russland und die Ukraine hatten sich am Donnerstag bei einem Krisentreffen mit der EU auf eine Beobachterkommission verständigt, der auch Vertreter der beiden Konfliktparteien angehören sollen. Ungeachtet dessen blieb das Kernproblem des Disputs zwischen Russland und der Ukraine ungelöst. Seit Wochen streiten sich beide Seiten über Schulden, höhere Preise und Transitgebühren für Gaslieferungen. Gazprom hatte der Ukraine deswegen zu Jahresbeginn den Gashahn zugedreht und deren Versorger Naftogaz vorgeworfen, für Westeuropa bestimmten Brennstoff aus den Transitpipelines zu stehlen. Gazprom hatte daraufhin kein Gas mehr in die Leitung eingespeist.

manager-magazin.de mit Material von reuters und afp

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