Gewerkschaften Gebremster Mitgliederschwund

Den deutschen Gewerkschaften laufen offenbar nicht mehr ganz so viele Mitglieder weg wie noch in den Vorjahren. Einzelne Organisationen wie die Polizeigewerkschaft GdP und die Bildungsgewerkschaft GEW verzeichnen sogar wieder Zulauf.

Frankfurt am Main - Den deutschen Gewerkschaften ist es im abgelaufenen Jahr 2008 gelungen, ihren Mitgliederschwund abzubremsen. Innerhalb des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) konnten die Polizeigewerkschaft GdP und die Bildungsgewerkschaft GEW erstmals seit Jahren wieder mehr Mitglieder organisieren als im Jahr zuvor.

Bei der größten Einzelgewerkschaft IG Metall mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern war kurz vor dem Jahresende noch nicht klar, ob der jahrelange Schrumpfkurs tatsächlich gestoppt werden konnte. Weiterhin Mitgliederverluste mussten die Gewerkschaften IG BAU, NGG, Transnet, BCE und der zweite Mitglieder-Riese Verdi hinnehmen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kann mit ihrem noch nicht genau bezifferten Mitgliederzuwachs für 2008 wohl die Marke der Viertelmillion knacken.

Im vergangenen Jahr hatte die GEW mit Vorstandssitz in Frankfurt noch rund 248.000 Mitglieder. Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen konnten vor allem Erzieherinnen gewonnen werden, die den Abbau von Lehrerstellen in den östlichen Bundesländern mehr als ausglichen. Zudem profitiert die Bildungsgewerkschaft von den zunehmenden Einstellungen junger Lehrer.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) wuchs in der Folge der allmählichen Verjüngung der Beamtenschaft. Der Rückgang habe gestoppt werden können, so dass jetzt rund 170.000 Menschen bei der kleinsten Gewerkschaft im DGB sind, nach 168.433 zum vorherigen Jahreswechsel.

Bei der größten Einzelgewerkschaft IG Metall ziert man sich noch, die genauen Mitgliederzahlen herauszulassen. Das neue Führungsduo aus Berthold Huber und Detlef Wetzel hatte die Mitgliederwerbung zu einem zentralen Ziel der Organisation mit zuletzt 2,3 Millionen Köpfen erklärt.

Kampagnen zur Mitgliederwerbung

Kampagnen zur Mitgliederwerbung

Mit einer großen Kampagne wurden insbesondere die von Arbeitslosigkeit bedrohten Leiharbeiter angesprochen, wohl mit einigem Erfolg. Im November nannte Huber die Zahl von 117.000 neuen IG-Metall-Mitgliedern, ein deutliches Plus gegenüber dem Vorjahr mit 104.000 Neuen.

Ob der Zuwachs unter dem Strich für eine "schwarze Null" reicht, will die IG Metall im Januar mitteilen. Der - angesichts der Forderung nach 8 Prozent mehr Geld - recht bescheidene Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie könnte zu Austritten geführt haben, wie auch der schnelle Rauswurf von Leiharbeitern in der Automobilindustrie. Die Unsicherheit der Beschäftigung angesichts der Konjunkturkrise könnte aber auch verstärkt zu Beitritten geführt haben.

Beim zweiten DGB-Flaggschiff, der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, hat sich der Mitgliederschwund abgeschwächt. Nach Angaben des Vorsitzenden Frank Bsirske zeichnet sich für 2008 ein leichter Rückgang um etwa ein Prozent auf 2,17 Millionen Mitglieder ab. Im Vorjahr hatte das Minus noch bei 3 Prozent gelegen. Erfreulich sei, dass in der Gruppe der Erwerbstätigen die Zahl der Neueintritte zum Ende des Jahres um 1,5 Prozent zugenommen habe.

Auch die IG Bauen Agrar Umwelt (IG BAU) hat ihren Mitgliederschwund nach internen Schätzungen nur mildern können. Intern war man für das Jahr 2008 von einem Minus um etwa 10.000 Mitglieder auf dann noch gut 340.000 ausgegangen. Dies sei ungefähr eingetroffen, hieß es beim Vorstand in Frankfurt.

Im Jahr zuvor hatte die IG BAU sogar ein Minus von rund 17.000 verkraften müssen. Den Abgängen durch Tod und Kündigung stehen rund 23.000 Neuaufnahmen gegenüber, die vor allem in Dienstleistungsbranchen wie der Gebäudereinigung gewonnen werden konnten.

Transnet leidet unter Hansen-Wechsel

Transnet leidet unter Hansen-Wechsel

Die IG Bergbau-Chemie-Energie (IG BCE) hatte Ende November 701.576 Mitglieder und damit 11.600 weniger als zu Jahresbeginn 2008. Das Minus resultiere aber vor allem aus dem Ausscheiden von Rentnern und Branchenwechslern, bei den Aktiven habe es "eine positive Entwicklung" gegeben, sagte ein Sprecher in Hannover.

Bei der Verkehrsgewerkschaft Transnet sank die Mitgliederzahl auf rund 230 000, wie es in Gewerkschaftskreisen hieß. Rund 9000 Mitglieder traten aus, zugleich kamen aber auch rund 4000 neue hinzu. Für massiven internen Ärger hatte der überraschende Wechsel des langjährigen Vorsitzenden Norbert Hansen gesorgt, der als Personalvorstand zur Deutschen Bahn gegangen war.

Einen geringfügigen Mitgliederschwund von etwa einem Prozent verzeichnete die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). Am 23. Dezember betrug die NGG-Mitgliederzahl 205.795.

"Diese Zahl ist nicht 'amtlich', da noch Aufnahmen zum 01.12.2008 erfolgen beziehungsweise Mitglieder durch Tod ausscheiden können", berichtete ein NGG-Sprecher. Genaue Zahlen lägen erst im Januar vor. Verglichen mit dem Jahresultimo 2007 ging die Zahl der Mitglieder um 2152 (minus 1,04 Prozent) zurück. "Jedoch konnten wir bei erwerbstätigen Mitgliedern gewinnen, und auch die Beitragseinnahmen konnten gesteigert werden", ergänzte der Sprecher.

Christian Ebner, dpa

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