Donnerstag, 17. Oktober 2019

Hypo Real Estate Kahlschlag: Jeder Zweite muss gehen

Der sieche Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate baut radikal Arbeitsplätze ab: Knapp 1000 Mitarbeiter müssen gehen, zwei Vorstände ebenso - und das Unternehmen wird kräftig umgebaut. Auch die 50 Milliarden Euro, die das Unternehmen bisher vom Bund bekommen hat, reichen nicht aus.

München - Nach der Notrettung des Konzerns durch Bund und Banken, einem Milliardenverlust im dritten Quartal und einer Razzia der Staatsanwaltschaft kam wenige Tage vor Weihnachten der nächste Paukenschlag aus München: Fünf Tage vor Weihnachten gab der Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate den Abbau von 1000 Arbeitsplätzen bekannt. Damit verlieren mehr als die Hälfte aller Mitarbeiter ihren Job.

Milliardenloch: Die HRE bleibt auch 2009 auf staatliche Hilfen angewiesen
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Milliardenloch: Die HRE bleibt auch 2009 auf staatliche Hilfen angewiesen
"Sie können mir glauben, dass das keine leichte Entscheidung war", sagte der neue Konzernchef Axel Wieandt am Samstag. Durch den Kahlschlag will er den Konzern radikal verkleinern und langfristig sanieren.

Erstmal braucht er dazu aber noch mehr Geld vom Bund: 50 Milliarden Euro, die der Konzern bereits erhalten hat, reichen bei weitem nicht aus. Mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) verhandele das Unternehmen bereits über "weitreichende Unterstützungsmaßnahmen".

Für die Bundesregierung bleibt die Hypo Real Estate damit auch 2009 ein Klotz am Bein. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht: Nach einem Verlust von 3,1 Milliarden Euro im dritten Quartal unter anderem durch Abschreibungen auf die Tochter Depfa Bank ist das operative Geschäft im vierten Quartal nicht in Gang gekommen. Zusätzlich belastet wird das Ergebnis 2008 durch die Kosten für den beschlossenen Konzernumbau, ein Jahresverlust ist bereits angekündigt.

Schrumpfkurs, um Überleben zu sichern

Mit dem Schrumpfkurs will die Hypo Real Estate Börsen-Chart zeigen (HRE) in den kommenden drei Jahren ihr selbständiges Überleben sichern. Der Konzern solle zum spezialisierten Immobilien- und Staatsfinanzierer auf Pfandbriefbasis umgebaut und die Zahl der Beschäftigten insgesamt um etwa achthundert auf tausend gesenkt werden, teilte der Konzern am frühen Samstagmorgen in München mit.

Zwei Drittel dieser Stellen lägen außerhalb Deutschlands, heißt es in der Mitteilung der Bank. Die Einmalkosten von rund 400 Millionen Euro sollen zu zwei Dritteln bereits im vierten Quartal verbucht werden. 2008 werde deshalb mit einem Verlust abgeschlossen.

"Mit den jetzt getroffenen Entscheidungen schaffen wir seitens des Unternehmens notwendige Grundlagen für die mittelfristige Rückkehr der Gruppe als aktiver Marktteilnehmer", sagte Vorstandsvorsitzender Axel Wieandt. Angesichts der Finanzmarktkrise und des Abschwungs im Immobilienzyklus gebe es keine Alternative.

Die Restrukturierung der Hypo Real Estate sei eine notwendige Voraussetzung für die bereits erfolgte Unterstützung durch die Bundesrepublik und eine weitere Unterstützung durch den Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin), teilte der Konzern weiter mit. Die Hilfen von Bund und SoFFin seien für die Fortführung des Unternehmens "erforderlich". Die Gespräche mit dem SoFFin über weitreichende Unterstützungsmaßnahmen dauerten an.

Im Rahmen des Umbaus sollen in den kommenden drei Jahren die Hypo Real Estate Bank International und die Depfa Bank mit der Hypo Real Estate Bank AG zusammengelegt werden. Im Bereich Öffentlicher Sektor werde das Geschäft auf das Primärmarkt-Geschäft in den pfandbrieffähigen Märkten Europas sowie auf die Bewirtschaftung des Bestands beschränkt, hieß es weiter. Infrastruktur-Finanzierungen will der Konzern zukünftig nicht mehr anbieten.

Der Konzern befindet sich in einer Schieflage, aus der er nur durch milliardenschwere Hilfen des Bundes, des SoFFin und eines Bankenkonsortiums gerettet werden konnte. Die HRE war vor allem durch ihre vor rund einem Jahr übernommene Tochter Depfa in Bedrängnis geraten, die an den angespannten Geldmärkten nicht mehr ausreichend kurzfristige Kredite erhalten hatte.

SPIEGEL: Soffin könnte Depfa komplett übernehmen

Zudem laufen Gespräche mit dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (Soffin) über mögliche weitere Stützungsmaßnahmen. Nach einer bereits zugesagten Liquiditätsgarantie von 30 Milliarden Euro ist unter anderem eine Variante im Gespräch, wonach die schwer angeschlagene Irland-Tochter Depfa komplett vom Soffin übernommen würde. Dagegen hat sich allerdings politischer Widerstand formiert. Dies berichtet der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe.

Die Lasten würden zu sehr auf Kosten der Steuerzahler und zugunsten der Altaktionäre verteilt, heißt es laut Magazin in Soffin-Kreisen. Ein möglicher Gegenvorschlag soll von Bundesbankchef Axel Weber kommen. Um den deutschen Pfandbriefmarkt zu sichern, sollen die verbleibenden Spezialfinanzierer entweder bei einer Universalbank angedockt oder zu einer einzigen großen Pfandbriefbank verschmolzen werden.

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