Umbau Bosch dreht auf

Bosch-Chef Franz Fehrenbach ruft die Bundesregierung zu bestimmterem und nicht zuletzt schnellerem Handeln auf. Doch gleichzeitig nutzt er die Finanzkrise, sein Unternehmen neu zu strukturieren. Ein kurzer Überblick.

Stuttgart - Bosch-Chef Franz Fehrenbach hat von der Bundesregierung bestimmteren Handeln gegen die Wirtschaftskrise gefordert. "Es geht mir entschieden zu langsam", sagte Fehrenbach der "Stuttgarter Zeitung" (Donnerstagausgabe). Er plädierte für ein schnelles Konjunkturprogramm in einem Umfang von 30 Milliarden Euro. Dazu sollten eine Abwrackprämie zur Ankurbelung der Autonachfrage und die Förderung des Austauschs von Heizungen zur Hausmodernisierung gehören. Der Bosch-Chef nannte es besorgniserregend für die Autobranche, dass die Banken bei der Kreditvergabe übervorsichtig agierten. "Es ist eindeutig feststellbar, dass in der Autoindustrie Kredite ganz zögerlich und mit hohen Aufschlägen vergeben werden", kritisierte Fehrenbach.

Derweil nutzt das Unternehmen die Krise, um ihr Portfolio zu restrukturieren. Es verstärkt zum Beispiel sein Geschäft mit Werkzeugzubehör und Thermotechnik durch zwei Zukäufe. Bosch übernehme von der italienischen Freud-Gruppe das Geschäft mit Elektrowerkzeugzubehör, teilte Bosch am Donnerstag mit. Dazu gehörten vier Produktionsstandorte nahe der norditalienischen Stadt Udine sowie Vertriebsgesellschaften in Nordamerika, China, Italien und Großbritannien. Mit dem Kauf ergänze Bosch seine Produktpalette vor allem bei Kreissägeblättern und Holzfräsern, hieß es. Freud habe in dem Bereich mit 580 Mitarbeitern 2007 einen Umsatz von 100 Millionen Euro erwirtschaftet. Über finanzielle Einzelheiten sei Stillschweigen vereinbart worden, teilte Bosch mit.

Das gelte auch für den zweiten Zukauf, die Übernahme des belgischen Vertriebspartners für Thermotechnik-Produkte der Heizungsmarke Junkers. Bosch kaufe die Servico NV vom Industriezulieferer Kendrion. Diese beschäftige 85 Mitarbeiter und erziele einen Jahresumsatz von 28 Millionen Euro. Die vor allem für Buderus-Heizanlagen bekannte Bosch Thermotechnik verbuchte 2007 einen Umsatz von 2,8 Milliarden Euro.

Dafür trennt sich Bosch von der traditionsreiche Autoradiomarke Blaupunkt und verkauft sie an die Beteiligungsgesellschaft Aurelius. Entsprechende Verträge seien von beiden Unternehmen unterzeichnet worden, teilte das Unternehmen am Donnerstag in München mit. Über den Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden. Auch in Zukunft soll Blaupunkt vom Hauptsitz in Hildesheim aus gesteuert werden. Das Unternehmen unterhält Werke in Portugal, Tunesien und Malaysia.

Das von Bosch übernommene sogenannte Handels- und Komponentengeschäft soll künftig als eigenständiges Unternehmen unter der Marke Blaupunkt geführt werden. Neben Autoradios und Car-HiFi-Komponenten umfasse die Produktpalette auch Navigationsgeräte. Im Geschäftsjahr 2008 erzielt das Unternehmen damit voraussichtlich einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro.

Bosch wolle sich zukünftig auf das Kerngeschäft im Bereich Erstausrüstung und integrierte Systeme konzentrieren. Die veräußerten Bereiche hätten dazu kaum beigetragen, daher habe sich der Konzern einen Partner gesucht. Der Übernahme der Blaupunkt-Produktbereiche müssen noch die Kartellbehörden zustimmen. Mit dem Abschluss der Transaktion rechnet Aurelius Anfang Februar 2009.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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