Konjunktur Das Ifo-Tief

Das Ifo-Institut hat die Stimmung in Deutschland einmal mehr in Zahlen gefasst - und den Tiefpunkt seit der Wiedervereinigung errechnet. Börsianer stört diese Einschätzung offenkundig wenig, der Dax steigt.

München - Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat im Dezember ihren Tiefpunkt seit der Wiedervereinigung erreicht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex fiel zum siebten Mal in Folge von 85,8 auf 82,6 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung am Donnerstag mitteilte. Einen ähnlich niedrigen Wert habe es zuletzt in der zweiten Ölkrise 1982 gegeben.

Im Dezember dominiere die Verschlechterung der Geschäftslage bei den 7.000 befragten Unternehmen den Abwärtstrend bei der Gesamtstimmung, erklärte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Der Teilindex zur aktuellen Lage fiel von 94,9 auf 88,8 Punkte. "Hinsichtlich der Entwicklung in den nächsten sechs Monaten sind die Befragungsteilnehmer nahezu unverändert skeptisch", erklärte Sinn. Der entsprechende Teilindex fiel von 77,6 auf 76,8 Punkte.

In seiner jüngsten Konjunkturprognose hatte das Ifo-Institut für das kommende Jahr einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 2,2 Prozent vorausgesagt. Die Münchner Wirtschaftsforscher sehen Deutschland in den kommenden zwei Jahren in einer tiefen Rezession mit vier Millionen Arbeitslosen. Dabei rechne er bis Dezember kommenden Jahres mit etwa einer halben Million zusätzlicher Arbeitsloser, sagte Sinn der "Rheinischen Post".

Trotz der neuerlichen kräftigen Eintrübung des Geschäftsklimas ist nach Einschätzung der Dresdner Kleinwort nicht mit einem Abgleiten des Abschwungs ins Bodenlose zu rechnen. "Das Abrutschen des Geschäftsklimas in den vergangenen Monaten macht aber deutlich, dass mehr als nur ein zyklischer Abschwung bevorsteht", sagte Ökonom Rainer Guntermann von Dresdner Kleinwort am Donnerstag der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Weitere Strukturanpassungen seien vor diesem Hintergrund zu erwarten, so dass auch die im kommenden Jahr zu erwartende Erholung der deutschen Wirtschaft vergleichsweise moderat ausfallen dürfte.

Die abermals kräftige Eintrübung des Ifo-Geschäftsklimas ist laut Dekabank vor allem auf eine "Eskalation" der Wirtschaftskrise im Dezember zurückzuführen. "Die weitgehenden Produktionsdrosselungen in der deutschen Industrie haben die Lagebeurteilung auf den tiefsten Stand seit 1970 einbrechen lassen", sagte Dekabank-Experte Andreas Scheuerle der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-afx am Donnerstag.

Und einige schöpfen bereist Hoffnung. Die Postbank zum Beispiel sieht trotz des abermals gesunkenen Ifo-Geschäftsklimas einen leichten Hoffnungsschimmer in den Daten. Vor allem die deutliche Verengung der Differenz zwischen der Lagebeurteilung und der Erwartungskomponente mache Hoffnung, dass sich die Wirtschaftslage ab dem Sommer zumindest stabilisiere, heißt es in einer Studie vom Donnerstag. So sei eine sinkende Differenz zwischen den beiden Komponenten häufig das erste Anzeichen, dass die Konjunktur auf Sicht von zwei bis drei Quartalen nach oben dreht.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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