Krisenticker Banken sehen schlimmste Weltrezession

Die Aktienmärkte in den USA gehen mit Verlusten aus dem Handel. Der internationale Bankenverband rechnet mit der heftigsten globalen Rezession der jüngeren Geschichte. Die Finanzkrise holt die Schweizer Uhrenindustrie ein. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.07 Uhr: Kursverluste bei Börsen-Schwergewichten wie Exxon und dem Siemens-Konkurrenten General Electric(GE) haben die US-Aktienmärkte am Donnerstag deutlich belastet. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging den zweiten Tag in Folge mit einem Minus aus dem Handel und schloss um 2,5 Prozent schwächer bei 8604 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500-Index fiel 2,1 Prozent auf 885 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,7 Prozent auf 1552 Stellen.

21.22: Nach der uneinheitlichen Vortagsentwicklung haben die US-Staatsanleihen am Donnerstag wieder alle zulegen können. Besonders gut entwickelten sich erneut Papiere mit längeren Laufzeiten, was Börsianer mit einer anhaltenden Flucht in Anlagen mit sicheren Gewinnen zum Jahresende erklärten. "Der dramatische Schritt der US-Notenbank (Fed) hallt immer noch nach", kommentierte Chefökonom und Währungsstratege Eric Lascelles von TD Securities in Toronto die Entwicklung. Am Dienstag hatten die Währungshüter der weltgrößten Volkswirtschaft den Leitzins überraschend deutlich nach unten geschraubt.

20.31 Uhr: General Motors  haben am Donnerstag ihre Tagesverluste zuletzt auf 16,48 Prozent und 3,65 US-Dollar ausgeweitet. Auch Papiere des Konkurrenten Ford Motor (Kurswerte anzeigen) gaben um satte 12,10 Prozent auf 2,76 Dollar nach. Börsianer konnten zunächst keinen eindeutigen Grund für den deutlichen Kursverfall ausmachen. Ein Händler verwies darauf, dass das Weiße Haus auch die Möglichkeit von Insolvenzverfahren mit Gläubigerschutz prüft. Ein anderer mutmaßte, für die Anleger komme vielleicht die mögliche Rettung der angeschlagenen US-Autobauer zu langsam voran

19.03 Uhr: Die Weltwirtschaft steuert nach einer Prognose des Weltbankenverbandes (IIF) im nächsten Jahr auf die schwerste Krise der jüngeren Geschichte zu. Die globale Wirtschaft werde im kommenden Jahr um 0,4 Prozent schrumpfen, teilte der IIF am Donnerstag in Washington mit. Die gegenwärtige Krise "formt sich zu der schlimmsten, weltweit synchronisierten Rezession der jüngeren Geschichte", sagte Verbandsdirektor Charles Dallara. Die Wirtschaft der Industriestaaten wird nach Erwartungen des IIF im nächsten Jahr demnach um 1,4 Prozent schrumpfen.

19.00 Uhr: Die US-Börsen tendieren am Abend um den Vortagesschluss. Am morgigen großen Verfallstag werden Futures und Optionen auf den Dax  fällig - der deutsche Leitindex hat am Donnerstag seine Erholung fortgesetzt und bei 4756 Zählern geschlossen.

18.05 Uhr: US-Präsident George W. Bush will einen ungeordneten Zusammenbruch eines der angeschlagenen US-Autobauer verhindern. Er sei besorgt über die Auswirkungen, die ein solcher Kollaps auf die Finanzmärkte haben könnte, erklärte der scheidende Staatschef am Donnerstag in Washington. Seine Sprecherin Dana Perino sagte, ein ungeordneter Zusammenbruch sei für die Regierung keine Option. Vielmehr komme man einer Entscheidung über Staatshilfen für die drei großen US-Autokonzerne General Motors, Ford und Chrysler näher. "Wir grenzen die Möglichkeiten ein", sagte sie.

17.37 Uhr: Dank positiv aufgenommener Konjunkturdaten aus den USA hat der deutsche Aktienmarkt am Donnerstag mit Gewinnen geschlossen. Der Dax  ging mit plus 1,02 Prozent bei 4756 Punkten aus dem Handel und machte damit seine Vortagesverluste wieder wett. Der MDax  mittelgroßer Werte rückte um 0,95 Prozent auf 5364 Zähler vor, und für den TecDax  ging es um 1,59 Prozent auf 470 Punkte nach oben.

17.07 Uhr: Als Folge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise wird die Wirtschaft Lateinamerikas und der Karibik einer Prognose der UN-Wirtschaftskommission Cepal zufolge im kommenden Jahr nur noch um 1,9 Prozent wachsen. In diesem Jahr legten die Volkswirtschaften des Subkontinents mit etwa 500 Millionen Einwohnern noch etwa 8,0 Prozent zu.

16.30 Uhr: Die EU-Kommission hat die rund 15 Milliarden Euro schweren Hilfen des Freistaats Bayern für seine angeschlagene Landesbank genehmigt. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes sagte: "Im Gegenzug erwarte ich, dass die Bank sehr bald einen stichhaltigen und umfassenden Umstrukturierungsplan vorlegt." Ein vorläufiger Plan müsse in vier Monaten, eine endgültige Fassung in sechs Monaten vorliegen. Das Rettungspaket besteht aus einer Kapitalspritze im Umfang von 10 Milliarden Euro und einer Bürgschaft in Höhe von 4,8 Milliarden Euro.

15.45 Uhr: Nach positivem Start drehen die Indizes an der Wall Street in die Verlustzone. Der Dow Jones (Kurswerte anzeigen) notiert zuletzt 0,4 Prozent schwächer, der Technologieindex Nasdaq Composite  verliert 0,5 Prozent. Auch im Dax  schmelzen daraufhin die Gewinne auf 0,5 Prozent zusammen.

14.25 Uhr: Das EU-Parlament hat angesichts der Finanzmarktkrise für einen erhöhten Mindestschutz der Sparer in den 27 Unionsländern gestimmt. Die Mindestsicherung soll nach der Abstimmung von Donnerstag in Straßburg von bisher 20.000 Euro zum 1. Januar 2009 auf 50.000 Euro angehoben werden. In einem zweiten Schritt soll zum 1. Januar 2010 der Mindestbetrag, den Staaten je Konto schützen müssen, 100.000 Euro erreichen. Voraussetzung ist allerdings, dass die EU-Mitgliedstaaten in der Lage sind, die nötigen finanziellen Garantien zu geben. Die EU-Kommission hat den Auftrag, dies zu klären. In Deutschland bürgt bereits der Staat unbegrenzt für private Spareinlagen.

Wirtschaft beunruhigt über Höhenflug des Euros

13:50 Uhr: Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat eine europäische Finanzaufsicht und eine staatliche Rating- Agentur als Konsequenz aus der Kapitalmarktkrise vorgeschlagen. Dies sollten zentrale Punkte einer neuen Finanzmarktarchitektur sein, wie das DIW am Donnerstag mitteilte.

Die zu schaffende europäische Finanzaufsicht solle dabei international tätige Marktakteure, aber zugleich auch die nationalen Aufsichtsbehörden überwachen. Mit der Europäischen Zentralbank (EZB) und den nationalen Zentralbanken funktioniere ein solches zweistufiges System bereits. Handlungsbedarf bestehe auch für eine tatsächlich unabhängige Bewertung von Kreditrisiken, erläuterten die Berliner Forscher. Zu den zentralen Ursachen der Krise hätten übertrieben optimistische Bewertungen der drei dominierenden Rating-Agenturen gehört. Diese würden auch noch von denjenigen bezahlt, deren Produkte sie prüfen. Stattdessen solle dafür eine nichtkommerzielle staatliche Agentur innerhalb der Eurozone eingerichtet werden. Unter dem Dach der EZB und der nationalen Zentralbanken gebe es bereits entsprechende Bewertungsabteilungen.

12.30 Uhr: Die deutsche Wirtschaft reagiert besorgt auf den Höhenflug des Euro. "Das kommt zur Unzeit", sagte der Konjunkturexperte des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagebau, Olaf Wortmann, am Donnerstag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. "Das ist eine zusätzliche Belastung für die gesamte Exportwirtschaft." Sie stehe wegen der weltweit sinkenden Nachfrage ohnehin unter Druck. Der Euro kletterte am Vormittag zeitweise über die Marke von 1,47 Dollar.

11.00 Uhr: Der Airbus-Mutterkonzern EADS (Kurswerte anzeigen) ist nach eigenen Angaben indirekt durch die Krise in der Autobranche betroffen. "Viele unserer Zulieferer sind auch Autozulieferer", sagte EADS-Chef Louis Gallois der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Noch mehr als bei Airbus überschnitten sich die Zulieferer bei der EADS-Hubschrauber-Tochter Eurocopter mit denen der Automobilindustrie. EADS halte daher nach alternativen Zulieferern Ausschau, für den Fall, dass Unternehmen zusammenbrechen könnten.

10.05 Uhr: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft wird immer schlechter. Wie das Münchener Ifo-Institut am Donnerstag mitteilte, sank der Ifo-Geschäftsklimaindex im Dezember auf 82,6 Punkte. Im November hatte er noch bei 85,8 Punkten gelegen. Der Index setzte damit seine Talfahrt fort. Der Index für die derzeitige Lage fiel von 94,9 Punkten auf 88,8 Punkte. Die Erwartungen für die kommenden sechs Monate sanken von 77,6 Punkten auf 76,8 Punkte.

Schweizer Uhren als Ladenhüter

9.50 Uhr: Die Wirtschaftskrise hat auch die Schweizer Uhrenindustrie eingeholt. Im November 2008 brachen die Exporte im Vergleich zum Vorjahr um 15,3 Prozent auf 1,52 Milliarden Franken (rund 970 Millionen Euro) ein, wie der Branchenverband am Donnerstag mitteilte. Es wurden 500.000 Uhren weniger verkauft.

9.45 Uhr: Die französische Großbank BNP Paribas  hat die geplante Übernahme der belgischen Fortis-Bank verschoben. BNP Paribas begründete dies am Donnerstag auf seiner Webseite mit der Entscheidung eines Brüsseler Gerichts vom Freitag, wonach der Verkauf für 65 Tage eingefroren wird. Die Umstände des Urteils haben eine Regierungskrise in Belgien ausgelöst. BNP Paribas sagte die für diesen Freitag geplante Hauptversammlung ab, auf der die Übernahme abgesegnet werden sollte.

9.30 Uhr: Der deutsche Aktienmarkt ist am Donnerstag mit einem leichten Plus gestartet. Der Dax  legte in den ersten Handelsminuten 0,8 Prozent auf 4744 Punkte zu.

8:40 Uhr: Der Mischkonzern General Electric (GE)  hält in der Solar- und Windenergiebranche nach Akquisitionszielen Ausschau. Im Visier hat der US-Konzern auch Gesellschaften mit Schwerpunkt auf andere neue Technologien, etwa aus den Branchen Medizin und Luftfahrt. Einige Unternehmen hätten nicht die Kraft, selbstständig bestehen zu bleiben, sagte Deutschland-Chef Georg Knoth dem "Handelsblatt" mit Verweis auf die Finanzkrise. "Daraus ergeben sich Möglichkeiten für uns."

7:05 Uhr: Die Ölpreise haben ihre seit Sommer anhaltende Talfahrt auch am Donnerstag fortgesetzt und sind auf vierjährige Tiefststände gesunken. Ein Barrel (159 Liter) der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur Auslieferung im Januar sank im frühen Handel auf bis zu 39,19 US-Dollar. Zuletzt lag der WTI-Preis bei 39,66 Dollar, das waren 40 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag. Der Preis für ein Fass der Nordseesorte Brent  zur Februar-Auslieferung sank um 33 Cent auf 45,20 Dollar.

7:00 Uhr: Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) hat gefordert, statt Steuern Sozialabgaben zu senken. Der "Bild"-Zeitung (Donnerstagausgabe) sagte Steinbrück: "Steuersenkungen bringen nicht viel und entlasten die Falschen. Sie bevorzugen nur die oberen Einkommen, die ohnehin die höchste Sparquote haben." Viel mehr Sinn würde es machen, gerade im unteren Einkommensbereich die Sozialabgaben zu senken. Entschieden wandte sich der Minister gegen den Vorschlag, Konsumgutscheine zu verteilen. "Damit verbrennen wir nur Geld", so Steinbrück. "Stattdessen brauchen wir Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Logistik, Kommunen und Energieeffizienz. Die lohnen sich. Damit modernisieren wir das Land."

6:50 Uhr: Nach der historischen Zinssenkung der US-Notenbank hält die Bank of England einen Nullzins auch in Großbritannien für denkbar. "Wir müssen verstehen, dass das eine Möglichkeit ist", sagte der Vize-Gouverneur der britischen Notenbank, Charles Bean, in der "Financial Times" vom Donnerstag. Mit einem Zinssatz von gegenwärtig zwei Prozent gebe es zwar durchaus noch einigen Spielraum. Aber natürlich könnten die Zinsen auf nahe Null fallen. Die Bank of England hat den Zinssatz seit Oktober um drei Prozentpunkte gesenkt. Mit der Aussicht auf die erste Rezession in Großbritannien seit Anfang der 90er Jahre gelten weitere Zinsschritte als wahrscheinlich. Die Federal Reserve hatte am Dienstag den Leitzins von 1,0 Prozent überraschend auf eine Spanne von Null bis 0,25 Prozent gesenkt. Der Zins in den USA liegt damit so niedrig wie seit über einem halben Jahrhundert nicht mehr.

6:30 Uhr: Die Bundesagentur für Arbeit (BA) sieht nach den Worten ihres Vorstandsmitglieds Heinrich Alt bislang keine Anzeichen für einen drastischen Stellenabbau infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise. Trotz des bereits sichtbaren Anstiegs der Kurzarbeit beruhige es, "dass derzeit offenbar keine großen Entlassungswellen anstehen", sagte Alt der "Berliner Zeitung" (Donnerstagausgabe) laut einer Vorabmeldung. "Es scheint, dass die Betriebe zumindest ihre Kernbelegschaft halten wollen, bis die Krise vorbei ist." Zur Entspannung der Situation trage auch bei, dass "durch die demografische Entwicklung 130.000 Menschen weniger im kommenden Jahr auf den Arbeitsmarkt drängen".

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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