Madoff-Skandal Das Versagen der SEC

Das Ausmaß des Anlagebetrugs von Bernard Madoff wird erst in diesen Tagen offensichtlich. Sein Schneeballsystem, mit dem er aus neuen Geldern von Anlegern Altanleger auszahlte, vernichtete wahrscheinlich rund 50 Milliarden Dollar an Anlegerkapital - mehr als 100 Euro pro US-Bürger. Und das unter den Augen der Börsenaufsicht.
Von Deborah Sturman

Dass ein Investmentmanager so viel Geld verlieren könnte, ohne dass es die Marktaufsichtsbehörden merkten, wirft erneut Fragen über die Angemessenheit der US-amerikanischen Finanzaufsichtsbehörde Securities and Exchange Commission (SEC) auf. Laut Joel Seligman, Präsident der Universität von Rochester in New York und ausgewiesener SEC-Fachmann, ist dies "ein Debakel für die SEC". Herr Seligman sagte auch, dass "die Kommission viele Fragen zu beantworten hat".

Herrn Madoffs Bekenntnis ist ein weiterer Kratzer am Ansehen der SEC, einer Behörde, die bereits wegen der unzulänglichen Durchführung ihrer Aufsicht und der Eindämmung der Finanzrisiken auf Wall Street, die die Finanzkrise dieses Jahres auslöste, stark kritisiert wurde.

Die SEC wurde bereits vor mindestens 16 Jahren vor Bernard Madoff gewarnt, lange nachdem der Betrug anscheinend bereits im Gang war. Informanten berichteten der SEC über die Fragwürdigkeit der Gewinne, die Herr Madoff erzielte, die unveränderlich und unabhängig von Marktschwankung monatlich 1 Prozent betrugen.

Schon vor 16 Jahren leitete die SEC eine Untersuchung ein, um herauszufinden, wie Bernard Madoff solche vorteilhaften Erlöse mit solcher Beständigkeit erzielen konnte. Die Untersuchung verlief ergebnislos. Danach wurde die SEC wiederholt von dritten Parteien gewarnt und untersuchte mindestens zwei weitere Male Herrn Madoffs Unternehmen. Jedes Mal ließen sie die Gelegenheit ungenutzt.

Im Jahr 2005 hat die SEC Madoffs Marketmaking-Geschäft untersucht und fand nur kleine Verletzungen von Verfahrensrichtlinien bei der Durchführung von Handelsgeschäften. Ein weiterer Informant war der Auslöser einer Untersuchung im Jahr 2007, die aber endete, ohne dass die SEC eine Klage erhoben hatte.

Im September 2006 registrierte Herr Madoff sein Unternehmen als Anlageberater. Neu registrierte Anlageberater sollen innerhalb des ersten Jahres überprüft werden, dennoch gibt es keine Hinweise, dass die SEC diese Prüfung überhaupt durchgeführt hat. Die SEC hatte im Jahr 2000 Herrn Madoff sogar in eine 25 Mitglieder Gutachterkommission für Marktstrukturen berufen und ihn häufig gebeten, als Kommentator an behördeninternen Diskussionen teilzunehmen.

Warum ignorierte die SEC so viele Warnzeichen?

Dass die SEC so viele Warnzeichen ignorierte, wirft nunmehr Fragen hinsichtlich der Urteilsfähigkeit der SEC auf. Die SEC muss erklären, warum sie Herrn Madoffs Geschäft weiter zuließ, obwohl sie von den Problemen wusste. Nicht zuletzt wegen der mathematischen Unwahrscheinlichkeit, dass die ausgewiesenen Investitionserlöse echt waren.

Herr Madoff erklärte seinen Klienten, dass er eine häufig genutzte Handelsstrategie verwendete, die unveränderliche Erlöse für mehr als zwei Jahrzehnte brachte. Seine Strategie beinhaltete, Aktien zu kaufen und auch Optionen zu tätigen, welche das Recht einräumten, aber nicht die Pflicht auferlegten, Wertpapiere zu vereinbarte Preisen zukünftig zu kaufen oder zu verkaufen, um Verluste durch den Aktienhandel zu begrenzen. Allerdings sagten Personen, die die Jahresabschlüsse von Madoffs Klienten analysierten, dass Herrn Madoffs Unternehmen die angegebenen Optionen nicht getätigt haben konnte, weil ihre Menge das Gesamthandelsvolumen jener Tage überstiegen haben würde.

Der Ruf nach Änderungen in der behördlichen Aufsicht wird nach diesem Desaster noch lauter werden. Aufsichtsbehörden werden auf größere Transparenz von Hedgefondsportfolios bestehen. Es sind bereits Strafen für Hedgefonds im Gespräch, die Darlehen von Brokern annehmen, ohne diese in ihren Bilanzaufstellungen zu veröffentlichen. Die Änderungen und folgende Kontrolle werden wohl auch andere Bereiche betreffen, inklusive Anlageberater, die bisher nicht beaufsichtigt worden sind.

Ich gehe davon aus, dass die Regierung von Präsident Barack Obama die Vollzugsabteilung der SEC nach dem Abbau in der Amtszeit seines Vorgängers George W. Bush wieder aufstocken wird. Diese Abteilung hat derzeit weniger Anwälte als meine Kanzlei. Trotzdem wird in den nächsten Jahren die in den USA übliche privatrechtliche Verfolgung von Betrug von Wertpapieren eine noch größere Rolle einnehmen als bisher, weil der Rückstand nur langsam aufzuholen sein wird.

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