Fortis Die unendliche Geschichte

Das Ringen um den belgisch-niederländischen Finanzkonzern Fortis geht weiter. Eigentlich sollte das Unternehmen zerschlagen werden, um der Krise Herr zu werden. Doch ein Gericht verbietet diesen Schritt einstweilen. Das wiederum ruft die belgische Regierung als Anteilseigner auf den Plan. Das Unternehmen selbst wiegelt ab, seine Liquidität beeinflusse das nicht wesentlich.

Brüssel - Die belgische Regierung will am Montag über ihre Reaktion auf ein Gerichtsurteil zum Verkauf der Fortis-Aktivitäten beraten. Premierminister Yves Leterme kündigte in Brüssel an, das Kabinett werde sich am Abend zusammensetzen.

Ein Brüsseler Gericht hatte am Freitag der belgischen und der niederländischen Regierung für deren Zerschlagungsplan für den Finanzkonzern und die Pläne zum Verkauf von Teilen an die französische Bank BNP Paribas einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Richter froren den Anteil des belgischen Staats an der Bank für 65 Tage ein.

Fortis teilte unterdessen am Montag mit, das Urteil habe keinen signifikanten Einfluss auf die Liquiditätslage des Unternehmens. Die Aktien seien für zwei weitere Tage vom Handel ausgesetzt. Fortis will am kommenden Freitag eine außerordentliche Hauptversammlung abhalten. Von der belgischen Regierung hieß es, als Reaktion auf das Urteil seien eine Anfechtung vor dem obersten Gerichtshof oder die Bitte um eine Neueröffnung des Verfahrens als betroffene dritte Partei mögliche Optionen.

Die Richter waren mit ihrer Entscheidung einem Antrag von 2.200 verärgerten Fortis-Aktionären gefolgt, die den Verkauf anfechten. Sie sollen nun ein Mitspracherecht erhalten. Das Urteil verbietet es der belgischen Regierung, ihre Anteile an Fortis vor dem 16. Februar an BNP Paribas zu verkaufen. Anderenfalls droht eine Strafe in Höhe von 5 Milliarden Euro. BNP Paribas wollte die belgischen Anteile an Fortis eigentlich noch in diesem Monat oder im ersten Quartal des kommenden Jahres übernehmen. Der holländischen Regierung würde eine ähnliche Strafe drohen, wenn sie nun ihren Anteil an Fortis veräußerte.

Auf Weisung des Brüsseler Gerichts sollen nun fünf Experten prüfen, ob die Übernahme von knapp 50 Prozent der Anteile durch die belgische, die holländische und die Luxemburger Regierung im Gegenzug zu deren Kapitalspritze für das Unternehmen Ende September rechtens war. Zudem sollen sie die Rechtmäßigkeit des Verkaufs von Anteilen an die französische BNP Paribas unter die Lupe nehmen und prüfen, ob die Aktionäre gerecht behandelt wurden.

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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