Volkswagen Absatzkrise erreicht Wolfsburg

Die Krise der Autoindustrie macht auch vor Volkswagen nicht halt. Im November wurden die Konzernmarken von VW bis Skoda deutlich schlechter verkauft als ein Jahr zuvor. In Tschechien wird die Produktion gedrosselt. Dennoch hält der Wolfsburger Konzern an seinen ehrgeizigen Wachstumszielen fest.

Wolfsburg - Bei Europas größtem Autokonzern Volkswagen ist der Absatz im November eingebrochen. Die Zahl der Auslieferungen weltweit sank im Vergleich zum Vorjahresmonat um 16,5 Prozent auf rund 447.000 Fahrzeuge, wie Volkswagen am Freitag in Wolfsburg mitteilte. Im vierten Quartal stellten die Einbrüche auf dem Weltmarkt auch VW "massiv auf die Probe", sagte Konzernvertriebschef Detlef Wittig. In den ersten elf Monaten des Jahres 2008 steigerte der Konzern den Absatz gegen den Trend in der Automobilindustrie aber noch um knapp 1 Prozent auf 5,73 Millionen Fahrzeuge.

Der Autoabsatz ist in den vergangenen Wochen und Monaten vor allem in Nordamerika und Westeuropa drastisch zurückgegangen. Auch in den bisherigen Wachstumsmärkten habe sich die Dynamik stark abgeschwächt, teilte VW mit. Dazu zählen etwa China und Brasilien.

In den ersten elf Monaten des Jahres erzielte VW in diesen beiden wichtigen Auslandsmärkten aber zweistellige Zuwachsraten. In Brasilien stieg der Absatz um 11,9 Prozent auf 591.800 Fahrzeuge, in China um 10,1 Prozent auf 931.100 Autos. In Russland erreichte VW ein Absatzplus von 61,6 Prozent auf 118.300 Fahrzeuge. In Westeuropa ohne Deutschland dagegen sank der Absatz um 6,6 Prozent auf 1,8 Millionen Fahrzeuge. Im Heimatmarkt Deutschland erreichte VW ein leichtes Plus von 0,4 Prozent auf 967.500 Fahrzeuge - im Monat November stand aber auch hier ein Minus von 18 Prozent zu Buche.

Trotz der sich verschärfenden Absatzkrise will der Automobilbauer mit den Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Bentley, Lamborghini und Co. bis zum Jahresende den Rekordabsatz des Vorjahres von 6,2 Millionen Wagen übertreffen. Bis 2011 strebt der VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn einen Absatz von 8 Millionen Pkw und Nutzfahrzeugen jährlich an.

Trotz der schweren Absatzkrise in den USA sieht Volkswagen seine Chancen dort "besser denn je". Der Markt verändere sich weg von größeren, typisch amerikanischen Fahrzeugen hin zu kompakteren, umweltfreundlicheren, verbrauchsarmen Fahrzeugen, sagte der USA-Chef des Konzerns, Stefan Jacoby, der Zeitschrift "Auto Motor und Sport". VW wolle deshalb seinen Marktanteil von derzeit 1,4 Prozent weiter ausbauen und strebe weiterhin an, 800.000 Volkswagen im Jahr 2018 zu verkaufen. Bis November dieses Jahres habe VW seinen Anteil bereits auf 1,7 Prozent steigern können.

Die tschechische Konzerntochter Skoda wird im ersten Halbjahr 2009 nur noch an vier statt an fünf Tagen in der Woche produzieren. Die Maßnahme sei als Reaktion auf die Wirtschaftskrise in Absprache mit den Gewerkschaften getroffen worden, teilte das zum Volkswagen-Konzern gehörende Unternehmen am Donnerstagabend in Prag mit. So sollten Entlassungen vorerst vermieden werden. Die gestrichenen Arbeitstage sollen mit 75 Prozent des Normalgehalts vergütet werden. Mit der Arbeitszeitverkürzung wolle man Kosten senken und den hohen Fahrzeugbestand abbauen, sagte ein Skoda-Sprecher.

Gleichzeitig trennt sich Skoda weiter von Leiharbeitern, seit September fielen Unternehmensangaben 1500 Jobs weg. Kürzungen bei der Stammbelegschaft seien nicht geplant. Derzeit beschäftigt Skoda in Tschechien rund 28.000 Menschen. Für das laufende Jahr erwarte man, 695.000 Fahrzeuge zu verkaufen, im Vergleich zu 2007 ein Plus von 9,5 Prozent. Für 2009 werden dann aber nachlassende Zahlen erwartet. Einen Rückgang von Bestellungen aufgrund der Finanzkrise verspüre man derzeit vor allem bei Firmenwagen.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx, afp und dow jones

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