Continental Schwere Vorwürfe gegen Schaeffler

Zwischen Hannover und Herzogenaurach ist ein offener Machtkampf ausgebrochen. Continental-Chef Karl-Thomas Neumann wirft dem Großaktionär Schaeffler vor, sich entgegen der Absprache in das Geschäft von Conti einzumischen. Es geht um Verhandlungen mit Banken um die milliardenschwere Schuldenlast.

Hannover - Kurz vor der geplanten Übernahme durch Schaeffler hat der Autozulieferer Continental  schwere Vorwürfe gegen das Familienunternehmen erhoben. "Wir haben Kenntnis bekommen von einem Brief der Geschäftsführung der Schaeffler-Gruppe an gleich mehrere unserer Banken. In diesem Schreiben versucht die Schaeffler Gruppe eindeutig, Einfluss auf die von Continental proaktiv betriebenen Gespräche über die nachhaltige Absicherung unserer Finanzierung zu nehmen", sagte der Continental-Chef Karl-Thomas Neumann am Freitag in Hannover.

Hintergrund sind Neuverhandlungen mit Banken über die milliardenschweren Kredite für die Übernahme der früheren Siemens-Tochter VDO durch Conti. Wegen der Absatzflaute und der schlechten Geschäftsaussichten für 2009 will der Autozulieferer einen Zahlungsaufschub erreichen. Schaeffler habe mit einem Schreiben an Banken versucht, Einfluss auf die Gespräche zu nehmen, kritisierte Conti scharf. "Dieser Schritt ist ein massiver Eingriff in die souveräne und unabhängige Geschäftsführung der Continental."

Neumann sagte weiter: "Das Vorgehen der Schaeffler Gruppe hat uns irritiert, weil diese damit unseres Erachtens eindeutig gegen den Geist der gemeinsam erarbeiteten Investoren-Vereinbarung verstößt." Die Intervention erfolge obendrein zu einem Zeitpunkt, an dem eine Freigabe der EU-Kommission für die Übernahme durch Schaeffler noch nicht vorliege.

Kreisen zufolge hat Schaeffler in dem Schrieben eine Einbindung in die Kreditgespräche von Continental gefordert. Zudem seien die Franken davon überzeugt, dass es sinnvoller gewesen wäre, die Gespräche nach Abschluss der Übernahmeofferte zu führen.

Schaeffler pocht auf Führungsrolle

Die Schaeffler-Gruppe aus Herzogenaurach hatte sich im Sommer eine Übernahmeschlacht mit dem Conti-Management geliefert, an deren Ende die Franken die Hannoveraner zu einer umfassenden Zusammenarbeit drängen konnten. Schaeffler hatte aber in einer Investorenvereinbarung zugesagt, das Engagement bei Conti innerhalb der nächsten vier Jahre auf eine Minderheitsbeteiligung von bis zu 49,99 Prozent zu beschränken. Außerdem hatte Schaeffler zugesagt, die bisherige Strategie und Geschäftspolitik des Vorstands unter Beibehaltung des bisherigen Markt- und Markenauftritts zu unterstützen und keine Verkäufe oder sonstige wesentliche Strukturmaßnahmen zu verlangen.

Schaeffler hatte bei seinem Übernahmeangebot mit gut 82 Prozent deutlich mehr Conti-Aktien angeboten bekommen als erhofft und erwartet nun grünes Licht aus Brüssel. Für die über 49,9 Prozent hinausgehenden Aktien sucht der Wälz- und Gleitlagerhersteller, der mit eigenen Finanzproblemen kämpft, nun nach einem Abnehmer. Sobald Schaeffler die Hälfte an Conti besitzt, müssten die VDO-Kredite zwangsweise nachverhandelt werden.

Kurzfristig ist nach Ansicht der für Continental arbeitenden Investmentbank Perella Weinberg bei Schaeffler eine Eigenkapitalzufuhr von vier bis sieben Milliarden Euro nötig, wie das "Handelsblatt" berichtete. "Wir haben herausfordernde Zeiten, aber wir werden die Situation bewältigen", sagte ein Schaeffler-Sprecher dazu. "Die Finanzierung steht", ergänzte er zur Conti-Übernahme. "Beide Unternehmen benötigen eine Kapitalspritze", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person aus dem Umfeld von Conti. Der bis vor kurzem als Lösung erachtete Verkauf der Gummisparte von Conti sei in einem so schlechten Marktumfeld keine Option.

Alternativ wird nun darüber nachgedacht, dass Schaeffler sein Autoteilegeschäft bei Conti einbringt. Unklar ist aber, wie die Konstruktion aussehen soll und wer dabei das Sagen haben soll. Das Autoteilegeschäft von Conti ist zwar deutlich größer, Schaeffler hatte aber bereits den Anspruch auf die Führungsrolle deutlich gemacht.

manager-magazin.de mit Material von dpa, dow jones und reuters

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.