K+S Kurzarbeit im Kalireich

Der Rohstoffkonzern K+S drosselt seine Produktion bis tief ins Jahr 2009. Mehrere Gruben sollen monatelang stillstehen. Erst für die zweite Jahreshälfte erwarten die Kasseler wieder mehr Nachfrage nach ihrem Hauptprodukt Mineraldünger. Im September hatte der Agrarboom dem Konzern noch zum Aufstieg in den Dax verholfen.

Kassel - Der Kasseler Kali- und Düngemittelkonzern K+S  führt wegen der anhaltend schwachen Nachfrage Kurzarbeit ein und dehnt die Drosselung der Produktion auf das erste Halbjahr 2009 aus. Die Kurzarbeit soll für das erste Halbjahr 2009 beantragt werden, teilte das Dax-Unternehmen am Dienstag mit. Betroffen davon seien fast 2000 Beschäftigte, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Für das zweite Halbjahr 2009 erwarte K+S wieder eine spürbare Nachfragebelebung. Denn dann dürften die im Markt noch vorhandenen Lagerbestände verbraucht sein.

Da derzeit noch keine Anzeichen für eine kurzfristige Belebung der Nachfrage erkennbar seien, habe der Konzern "vorsorglich" für das erste Halbjahr 2009 Kurzarbeit beantragt, hieß es. Derzeit werde über den Abschluss einer entsprechenden Betriebsvereinbarung mit der Arbeitnehmervertretung verhandelt.

Wochenweise stillstehen soll die Produktion zunächst im hessischen Hattorf (1200 Mitarbeiter) und im thüringischen Unterbreizbach (600 Mitarbeiter) bis Mitte Februar 2009 sowie das Werk Bergmannssegen-Hugo (140 Mitarbeiter) in Niedersachsen bis Mitte April 2009. An allen anderen Standorten werde die Produktion gedrosselt. Zuvor sollen rund 7000 Beschäftigte in der Produktion und in den Gruben vom 19. Dezember an in einen bis Mitte Januar zwangsweise verlängerten Weihnachtsurlaub gehen. Mögliche weitere Kurzarbeitsphasen im ersten Halbjahr, "die sich aus heutiger Sicht wahrscheinlich nicht vermeiden lassen werden", würden für die einzelnen Standorte gesondert vereinbart.

Die K+S Gruppe, zu der auch andere Unternehmen wie Compo, Fertiva und Esco gehören, beschäftigt weltweit 12.000 Mitarbeiter, davon rund 10.000 in Deutschland, und erzielte im Jahr 2007 einen Umsatz von rund 3,3 Milliarden Euro. Für 2008 erwartet K+S nach einem starken dritten Quartal im Gesamtjahr einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisanstieg. Der Umsatz soll 2008 von 3,3 Milliarden Euro im Vorjahr auf knapp 5,3 Milliarden steigen.

Bereits im Oktober hatte K+S wie andere große Kali-Produzenten weltweit mit Produktionsdrosselungen auf die veränderte Situation reagiert. Bis zum Jahresende sollten 400.000 Tonnen Kali weniger auf den Markt kommen. Damit verbunden ist eine Verlängerung der Feiertagspause bis Mitte Januar 2009, die über Freischichten und Arbeitszeitkonten ausgeglichen wird. Die Finanzkrise hatte an den Rohstoffmärkten eine Verkaufswelle ausgelöst, die Notierungen für Weizen, Mais und Soja fielen. Zudem hatten Landwirte angesichts steigender Düngemittelpreise schon hohe Vorräte gebildet. Deshalb hielten sie sich zuletzt mit Düngemittel-Bestellungen zurück.

Am Finanzmarkt war die Reaktion auf die Maßnahmen positiv: Die Aktien drehten in einem insgesamt etwas schwächeren Gesamtmarkt in die Gewinnzone. Die Aktien legten nach anfänglichen Verlusten ins Plus und zählten zu den größten Gewinnern im Dax. Kurzarbeit gilt generell als eine für die Unternehmen vergleichsweise günstige Möglichkeit der Produktionskürzung.

manager-magazin.de mit Material von ddp, reuters und dpa-afx

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