TMD Friction Erster großer Autozulieferer meldet Insolvenz an

Kreditklemme und Automobilkrise haben den ersten großen deutschen Zulieferer in die Knie gezwungen. TMD Friction in Leverkusen, einer der weltweit führenden Hersteller von Bremsbelägen, ist insolvent. Unternehmenschef Derek Whitworth sieht den "Einbruch in der Autoindustrie" sowie "den Rückzug der Kreditversicherer" als Ursache.
Von Klaus Boldt, Kai Lange und Arne Stuhr

Hamburg - Das Insolvenzverfahren wurde sowohl für die TMD Friction Holding GmbH in Leverkusen als auch für die drei operativen deutschen Unternehmen angemeldet. TMD Friction hatte bereits am Freitag beim Amtsgericht Köln vier Eigenanträge auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, wie manager-magazin.de aus Unternehmenskreisen erfahren hatte.

Die Anträge beziehen sich auf die Gesellschaften TMD Friction Holding GmbH in Leverkusen, die TMD Friction Services GmbH in Leverkusen, die TMD Friction GmbH mit den Standorten Leverkusen und Hamm sowie auf die TMD Friction EsCo GmbH in Essen. Dies bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichtes am Montag gegenüber manager-magazin.de. Zum Insolvenzverwalter wurde der Düsseldorfer Rechtsanwalt Frank Kebekus bestellt.

"Ich bin enttäuscht, dass es uns nicht gelungen ist, mit unseren Kreditgebern und Eigentümern eine Einigung darüber zu finden, wie wir diesen Vorgang vermeiden", sagte Derek Whitworth, Vorstandschef von TMD Friction, in einer Stellungnahme des Unternehmens. Obwohl das operative Geschäft von TMD Friction gesund sei, habe der "extreme Einbruch in der Automobilindustrie und der Rückzug der Kreditversicherer aus der gesamten Branche unsere Liquidität und unser Umlaufvermögen zu stark belastet."

Gläubiger übernahmen bereits 2006 die Kontrolle

TMD fertigt an 15 Standorten in elf Ländern Bremsbeläge für die Automobil- und Bremsenindustrie. Das Unternehmen bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer im Erstausrüstermarkt. Der Umsatz betrug zuletzt nach Unternehmensangaben 690 Millionen Euro.

TMD beschäftigt weltweit rund 4500 Mitarbeiter. Die Gesellschaften und Standorte in Europa, Amerika und Asien gehören zur TMD Holding mit Sitz in Luxemburg.

Das Unternehmen war im Jahre 2000 von dem britischen Private-Equity-Unternehmen Montagu für 776 Millionen Euro übernommen worden. Wie in der Branche üblich, hatte die Beteiligungsgesellschaft der neuen Tochter TMD die Finanzierung der eigenen Übernahme aufgebürdet, so dass die Schuldenlast stieg. 2006 musste Montagu dann die Kontrolle an die Gläubiger - eine Gruppe von Hedgefonds - abgeben.

Seitdem lief ein Restrukturierungsprogramm, das auch schon mit Stellenstreichungen verbunden war. Bis Mitte dieses Jahres habe es ganz gut ausgesehen, aber dann sei die große Absatzkrise in der Autoindustrie gekommen, sagte eine Sprecherin von TMD. Gleichzeitig hätten die Banken aufgrund der Finanzkrise keine Kredite mehr gegeben. Dadurch sei der Insolvenzantrag unvermeidlich geworden.

Beteiligt an TMD sind unter anderem Davidson Kempner, Clearwater und Eos.

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