Samstag, 17. August 2019

Wirtschaftsdebakel Schussfahrt in Richtung Weltrezession

Die Finanzkrise zwingt die Industrie weltweit in die Knie. Die US-Industrie verlor im November so stark an Schwung wie seit 26 Jahren nicht mehr, in Deutschland schrumpft die Industrie so stark wie nie zuvor seit Beginn der Umfrage 1996 - und Japans Autoindustrie erlebt den schwersten Einbruch seit 40 Jahren. Jetzt treffen sich Zentralbanker zur Krisensitzung.

Berlin/New York/Tokio/Peking - "Kein Land ist von den steigenden Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft unbeeinflusst geblieben", sagte Chris Williamson, Chefvolkswirt des britischen Marktforschungsunternehmens Markit. Den Unternehmen in USA, Asien und Europa brächen im Rekordtempo die Aufträge weg: In Europa habe sich der Abschwung in der vergangenen Woche sogar verschärft. Für die Euro-Zone bedeutet das die schärfste Rezession in dem Sektor seit mehr als zehn Jahren.

"Zahlreiche Befragte berichteten, dass die striktere Kreditvergabepraxis der Banken und die globale Konjunktureintrübung dafür verantwortlich waren, dass die weltweite Nachfrage nach Investitionsgütern 'Made in Germany' dramatisch eingebrochen ist." Die Maschinenbauer etwa sammelten im Oktober 16 Prozent weniger Aufträge ein. Vor allem Kunden aus dem Ausland hielten sich laut Branchenverband VDMA nach der Pleite der US-Bank Lehman Brothers zurück.

In Deutschland fielen zuletzt vor fünfeinhalb Jahren mehr Arbeitsplätze in der Industrie weg. Der Investitionsboom dürfte nun nach Einschätzung von Experten auslaufen, nachdem die Unternehmen im vergangenen Jahr noch so viel investiert hatten wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht.

Doch auch in fast allen anderen wichtigen Industrieländern sanken die Einkaufsmanagerindizes dieses Wirtschaftsbereiches auf Tiefststände. Der US-Industrieindex beispielsweise fiel auf den niedrigsten Wert seit 1982, das Neugeschäft der Industriefirmen lief so schlecht wie zuletzt 1980. Und auch in Japan verschlechterte sich die Wirtschaftslage rapide: Der Absatz der Automobilindustrie ging im November verglichen mit dem Vorjahr um mehr als ein Viertel zurück - der größte Einbruch seit fast 40 Jahren. Das verarbeitende Gewerbe des Landes wird voraussichtlich im letzten Vierteljahr im Rekordtempo schrumpfen. Die Notenbank des Landes trifft sich am Dienstag zu einer Krisensitzung.

Auch Chinas Industrie schrumpft kräftig, wie aus zwei Umfragen des Fachverbandes für Logistik und Einkauf und dem auf Asien fokussierten Broker CLSA hervorgeht. "Die Daten zeigen, dass der Abschwung in China an Fahrt gewonnen hat", sagte Zhang Liqun zur Verbandsumfrage. Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland erwies sich weltweit für die Industriefirmen als Problem. Erstmals litten die Unternehmen in China stärker unter der Kaufzurückhaltung in anderen Ländern als im Inland, sagte CLSA-Chefvolkswirt Eric Fishwick.

In Indien rutschte der ABN-Amro-Index erstmals seit Beginn der Erhebungen vor dreieinhalb Jahren unter die Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Russlands Industrie bricht sogar noch stärker ein als während der Krise 1998, wie aus einer Umfrage der Bank VTB hervorgeht. Die Industrie, so hat es den Anschein, ist weltweit in der Krise - und droht ganze Volkswirtschaften in die Rezession zu ziehen.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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