Autoindustrie Absatz bricht zweistellig ein

Der Autoabsatz in Deutschland ist im November zweistellig zurückgegangen. Zulieferer berichten von Auftragseinbrüchen, die bis zu 40 Prozent betragen. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos schließt spezielle Hilfen für die Branche nicht aus.

Berlin - Immer mehr Automobilzulieferer und -händler fürchten angesichts massiver Geschäftseinbrüche um ihre Existenz. "In meinen Augen ist die Lage besorgniserregend", sagte Wirtschaftsminister Michael Glos nach einem mehrstündigen Gespräch mit Branchenvertretern am Montag in Berlin.

Händler und Zulieferer hätten von einem immer rasanteren Abwärtstrend gesprochen. Deshalb schloss Glos spezielle Hilfen für die Branche nicht aus, ohne jedoch konkrete Zusagen zu machen.

Sowohl Glos als auch die Branche beklagten, dass sich viele Banken und Kreditversicherer aus dem Autogeschäft zurückzögen. Die Krise am Automarkt dürfte Glos zufolge bald auf den gesamten Arbeitsmarkt durchschlagen.

Der deutsche Automarkt ist nach Einschätzung des Importeurverbandes VDIK im November weiter eingebrochen. Die Pkw-Neuzulassungen seien um einen zweistelligen Prozentsatz gesunken, sagte ein Verbandssprecher. Andere europäische Länder meldeten ebenfalls dramatische Einbrüche. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sprach von Auftragseinbrüchen bei den Zulieferern und Händlern in Größenordnungen von zuletzt 20, 30, oder gar 40 Prozent.

In Hinblick auf Antworten der Politik verwies Glos auf das gerade erst beschlossene Konjunkturpaket der Regierung. Das sieht unter anderem vor, dass die staatliche Förderbank KfW den Hausbanken den überwiegenden Teil des Risikos für Kredite an mittelständische Unternehmen abnimmt.

"Banken verschärfen die Probleme"

"Banken verschärfen die Probleme"

Zur Frage zusätzlicher Hilfszusagen sagte der Minister, man habe über die Maßnahmen gesprochen, die aktuell auf dem Tisch liegen. Man müsse die Entwicklung aber genau verfolgen, um gegebenenfalls erneut zu handeln. "Wir wollen auf jeden Fall die tiefen Einbrüche und nachhaltigen Schaden vermeiden", sagte Glos.

Wissmann unterstrich, seinem Verband gehe es - anders als in Frankreich - nicht um Subventionen, sondern vor allem um langfristig verlässliche Rahmenbedingungen für die Branche. Die zeitweise Aussetzung der Kfz-Steuer müsse schnellstmöglich um die Neuordnung dieser Steuer in Richtung CO2-Orientierung ergänzt werden. Darüber sollte die Regierung "in den nächsten Wochen" Klarheit schaffen.

Darüber hinaus unterstützte Wissmann die Forderung von Glos und seiner Partei, der CSU, nach raschen Steuerentlastungen. Mehr "netto vom brutto" würde auch der Autoindustrie helfen, sagte er.

Einig waren sich Glos und Wissmann, dass Banken und Kreditversicherer derzeit die Branchenprobleme verschärfen. Die Banken handelten bei der Kreditvergabe offenbar nicht so, wie sich das die Realwirtschaft wünsche, sagte Glos. Und die Kreditversicherer legten ein Verhalten an den Tag, "als wenn jemand die Regenschirme einsammelt, weil ein großer Regen bevorsteht".

Wissmann äußerte größte Sorge, dass sich Banken und Warenkreditversicherer aus Teilen des Autogeschäfts zurückzögen. Das würde die gesamte Branche treffen. Er schlug vor, die Warenkreditversicherer mit unter den Rettungsschirm der Regierung für den Finanzbereich zu nehmen. Wissmann sprach von der womöglich tiefsten Krise der Autobranche in Deutschland seit 1993. Von den 750.000 Beschäftigten der Industrie arbeiteten rund 330.000 bei Zulieferern, ergänzte er.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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