Dresdner-Deal Nur Bares ist Wahres

In letzter Minute hat die Allianz den Verkauf der Dresdner Bank an die Commerzbank gerettet. Die muss nun mehr Bargeld zahlen und gibt weniger eigene Aktien ab. Nur dank der Hilfe des Staates kann die Commerzbank jetzt die Deutsche Bank angreifen.

Hamburg - Echte Win-win-Situationen, wann gibt es die schon? Besonders wenn Verträge nachverhandelt werden, bedeutet das in der Regel, dass ein Partner dem anderen Zugeständnisse machen muss.

Doch die neue Vereinbarung zwischen der Allianz  und der Commerzbank  zum zügigen Verkauf der Dresdner Bank sei "vorteilhaft für alle Beteiligten", betont Allianz-Chef Michael Diekmann. Die Anleger scheinen das ähnlich zu sehen. Die Aktien beider Unternehmen starteten mit Aufschlägen in den Freitagshandel und lagen gemeinsam an der Spitze des Dax.

Auf den ersten Blick sieht die Commerzbank wie der klare Gewinner aus. "Wir beschleunigen die Übernahme und sichern eine schnelle Integration", frohlockt ihr Vorstandschef Martin Blessing. Keine drei Monate nach der ersten Vereinbarung haben die Frankfurter sich einen schnellen Zugriff auf die Dresdner Bank schon im März 2009 gesichert - und zudem den Kaufpreis von fast zehn Milliarden auf gut fünf Milliarden Euro nahezu halbiert - jedenfalls nach eigener Rechnung (siehe Kasten).

Doch auch die Allianz hat gute Argumente, sich zur Siegerin auszurufen. "Der Deal stärkt die Zahlungsfähigkeit der Allianz", lobt die Schweizer Großbank UBS in einer Analyse, "weil sie mehr Bargeld und weniger Commerzbank-Aktien erhält, die mit Kapital gedeckt werden müssten".

Cash ist King in der Finanzkrise - auch für die Allianz

Der Deal von Ende August war ohnehin nur auf dem Papier seine zehn Milliarden wert.

Commerzbank-Aktien wurden damals noch mit 20,80 Euro gehandelt, sind zwischenzeitlich aber bis auf 5,25 Euro abgestürzt. Der Börsencrash hatte den Wert des Deals also auch ohne Neuverhandlung schon halbiert. Jetzt zahlt die Commerzbank rund drei Milliarden Euro in bar statt nur 1,6 Milliarden. Cash is King in der Finanzkrise, auch für die Allianz. Dafür begnügt sie sich wohl gern mit 18,4 Prozent statt knapp 30 Prozent der Commerzbank-Anteile.

Vielleicht noch wichtiger: Mit dieser Notoperation trennt sich die Allianz nach sieben bitteren Jahren von ihrem Sorgenkind Dresdner Bank - unter hohen Verlusten, die aber noch weit höher hätten ausfallen können. "Die Allianz ist den Klotz am Bein los", sagt Analyst Michael Seufert von der NordLB. "Für 2009 hat das Management nun Planungssicherheit." Obwohl der Münchener Versicherungsriese im Jahr 2001 etwa 24 Milliarden Euro für die Bank bezahlte und nun nur noch einen Bruchteil davon erhält, sei der Schritt für Investoren daher positiv zu bewerten.

"Es ist gut, dass jetzt Klarheit herrscht und die Spekulationen beendet sind, dass der Deal platzen könnte", sagt auch der Frankfurter Bankenprofessor Martin Faust. "Die Commerzbank-Führung kann nun sofort entscheiden, wer im neuen Konzern künftig was macht."

Übernahme mit Staatshilfe

Dennoch sind die Umstände, unter denen der Deal nun zustande gekommen ist, keinesfalls glorreich. Möglich gemacht hat die Übernahme letztlich die Bundesregierung.

Ihr Bankenrettungspaket verschafft der Commerzbank die nötige Kapitalstärke, ohne die die Finanzierung angesichts der weltweiten Bankenkrise kaum denkbar gewesen wäre. Die Eigenkapitalspritze beträgt 8,2 Milliarden Euro, dazu kommen Garantien für Interbankengeschäfte in Höhe von etwa 15 Milliarden Euro.

Die nun zusätzlich erforderlichen Barmittel in Höhe von 1,4 Milliarden Euro nimmt die Commerzbank zwar aus der Kasse. Doch nur das Rettungspaket dürfte das Vertrauen von Kunden und anderen Instituten über die notwendige Toleranzschwelle gehoben haben. "Die Commerzbank ist durch die Stützungsaktion für die Transaktion gut ausgestattet", sagt Faust. "Durch die Rückendeckung des Bundes hat es die Commerzbank nun leichter, Geld zu bekommen."

Zudem nimmt der Staat den Commerzbank-Geschäftspartnern die Ängste vor Risiken der Fusion. Denn mit der Investmentsparte Dresdner Kleinwort holt sich Konzernchef Martin Blessing ein Unternehmen ins Haus, das nach Ansicht von Analysten mit hohen Risiken behaftet ist. "Es ist wenig transparent, was da noch an möglichen Abschreibungen aus deren Portfolio auf die Commerzbank zukommt", sagt Seufert. Negativnachrichten über Dresdner Kleinwort hätten die Commerzbank ohne die Staatsgarantien möglicherweise in Liquiditätsschwierigkeiten gebracht.

Wie reagiert die Deutsche Bank?

Nur dank der Staatshilfe gelingt es der Commerzbank doch noch, im Verbund mit der Dresdner zum Angriff auf den Platzhirsch Deutsche Bank  zu blasen. "Das Rettungspaket führt zu einer Wettbewerbsverzerrung", sagt daher Bankenprofessor Faust. Der neue Konkurrenz wäre dem Branchenprimus unter normalen Umständen vermutlich nicht erwachsen.

Gut möglich, dass die Deutsche Bank, die ihrerseits den Kampf um den Titel größte Filialbank Deutschlands ja mit dem für das erste Quartal 2009 angekündigten Einstieg bei der Postbank  angeheizt hat, und andere Institute unter dem Eindruck der geretteten Fusion ihre Einstellung zum Staatsgeld noch einmal überdenken müssen. "Es wird immer schwieriger, die Hilfen nicht anzunehmen", sagt Faust. Für die Deutsche Bank könnte es sich als umso schwererer Fehler entpuppen, dass ihr Chef Josef Ackermann das Rettungspaket zunächst schroff zurückgewiesen hat.

Mit staatlicher Unterstützung nimmt die Commerzbank nun also ihren Kampf mit der Deutschen Bank um die Vorherrschaft um Privat- und Geschäftkunden in Deutschland auf. Ob sie dabei allerdings kurzfristig erfolgreiche Attacken gegen das Ackermann-Institut reiten wird, ist trotz der Staatshilfe äußerst ungewiss. Für die Commerzbank wird es zunächst eine schwere Aufgabe, die Dresdner Bank zu integrieren und die Kosten zu senken. "Der Rahmen für Filialschließungen und Stellenabbau ist zwar gegeben. Die Umsetzung wird aber noch wehtun", sagt Faust.

Drei Monate schneller als bisher geplant - im März statt im Juli - muss Martin Blessing die Übernahme in der Bilanz vollziehen. Der Zeitplan für Filialschließungen und Stellenabbau bleibt zwar unverändert. Doch mitten in der Bankenkrise ist es umso wichtiger, die Kunden der Dresdner dabei nicht zu vergraulen. Auch die besten Mitarbeiter kann eine Bank in einem solchen Prozess leicht verlieren. "Ich habe schon von vielen gehört, die jetzt zu kleinen Private-Banking-Instituten gehen", sagt ein Branchenkenner.

Commerzbank/Allianz: Der Dresdner-Deal ist gerettet

Dresdner Bank: Wie der Preis für die Commerzbank fiel

alter Deal (September) alter Deal (November) neuer Deal (November)
Kurs der Commerzbank-Aktie 20,80 Euro 7,40 Euro 7,40 Euro
163,5 Millionen Aktien (erster Schritt) 3,4 Mrd. Euro 1,21 Mrd. Euro 1,21 Mrd. Euro
151,5 Millionen Aktien (zweiter Schritt) 3,15 Mrd. Euro 1,12 Mrd. Euro entfällt
Bargeld 1,57 Mrd. Euro 1,57 Mrd. Euro 2,97 Mrd. Euro
Cominvest 700 Mio. Euro 700 Mio. Euro 700 Mio. Euro
Nettopreis 8,82 Mrd. Euro 4,57 Mrd. Euro 4,87 Mrd. Euro
Beitrag für Risikoschirm oder Entschädigung 975 Mio. Euro 975 Mio. Euro 250 Mio. Euro
Bruttopreis 9,79 Mrd. Euro 5,57 Mrd. Euro 5,12 Mrd. Euro
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