Finanzkrise WestLB rechnet mit neuen Belastungen

Die WestLB sieht sich dank der Hilfe ihrer Eigentümer besser aufgestellt als andere Landesbanken. Das erklärte Ziel eines Nachsteuergewinns am Jahresende will sie aber nicht mehr bestätigten. Denn der Vorstand rechnet mit weiteren Belastungen durch die Finanzkrise. Die Höhe des Kapitalbedarfs lässt er offen.

Düsseldorf - Die WestLB steht nach Angaben von Vorstandschef Heinz Hilgert wegen der frühzeitigen Stützung durch die Eigentümer besser da als viele Wettbewerber. Allerdings müsse wegen der Finanzmarktkrise mit weiteren Belastungen gerechnet werden. Von wesentlichen Risiken sei das Institut abgesichert, erklärte Hilgert anlässlich der Vorlage des Neun-Monatszahlen am Donnerstag in Düsseldorf. Durch die Zuspitzung der Krise im September und Oktober hätten die Wertpapierportfolios allerdings eine nie zuvor gesehene Schwankungsbreite erreicht.

Das noch im Halbjahr erwähnte Ziel eines "deutlich positiven Ergebnisses nach Steuern" bekräftigte die Bank nicht mehr. Das Geldhaus sei für 2008 "vorsichtig", hieß es nun. Die WestLB hatte bereits Mitte November mitgeteilt, nach neun Monaten auch dank der Risikoübernahme ihrer Eigner einen Gewinn nach Steuern von 532 Millionen Euro geschrieben zu haben.

Vor Steuern steht ein Ergebnis von 604 Millionen Euro. Damit hat die Bank im dritten Quartal Verluste geschrieben, denn im Halbjahr lag das Konzernergebnis bei 580 Millionen Euro und das Ergebnis vor Steuern bei 657 Millionen Euro. Die Kernkapitalquote lag nach neun Monaten bei 5,4 Prozent. Das Institut verhandelt derzeit mit dem Bund über Garantien.

"Kapitalbedarf geringer als bei anderen Landesbanken"

Im Interview mit der "Börsen-Zeitung" (Donnerstagausgabe) erklärte Hilgert, die Bank gehe davon aus, dass ihr Kapitalbedarf geringer ist als der der Landesbanken in Bayern und Baden-Württemberg. Auf eine Summe wollte sich der Manager allerdings nicht festlegen. Die Höhe des frischen Eigenkapital hänge vom Ausgang der Diskussionen ab, die die WestLB mit ihren Eigentümern und dem Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung (SoFFin) zu führen habe.

"Die derzeitigen Gespräche sind noch nicht so intensiv, dass wir schon Einschätzungen darüber haben, wie viel Garantien der SoFFin in unserem Fall bereitstellen würde und welche Rahmenbedingungen daran gekoppelt sind", sagte Hilgert.

Bei der LBBW geht es um frisches Eigenkapital von fünf Milliarden Euro, bei der BayernLB um 6,4 Milliarden Euro. Hilgert verwies in dem Interview darauf, dass die WestLB ihre strukturierten Wertpapiere im Gegensatz zu den beiden Landesbanken bereits aus der Bilanz ausgegliedert habe: "Wir sind mit unserem Phoenix-Portfolio und der Risikoabschirmung von fünf Milliarden Euro deutlich weiter. Deswegen erwarte ich nicht, dass der Kapitalbedarf bei uns diese Größenordnung annimmt."

manager-magazin.de mit Material von Nachrichtenagenturen

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