Konjunktur "Inflation kein Thema mehr"

Noch im Sommer galt die Inflation als brandgefährlich für die Konjunktur - nun ist sie fast vergessen. Denn seitdem hat sie sich nahezu halbiert. Das sei das beste Konjunkturprogramm, meinen Experten.

Berlin - Der Preisverfall bei Benzin und billigere Lebensmittel haben die Teuerung im November erheblich gedämpft. Die jährliche Inflationsrate lag in Brandenburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen nur noch zwischen 1,0 und 1,7 Prozent, wie die Statistischen Landesämter am Mittwoch mitteilten. Im Oktober hatte sie noch durchschnittlich 2,4 Prozent betragen. Von Reuters befragte Analysten sagen bundesweit einen Rückgang auf etwa 1,6 Prozent voraus - den niedrigsten Wert seit knapp zwei Jahren.

Die Teuerungsrate hätte sich damit seit Sommer halbiert, als sie ein 15-Jahres-Hoch von 3,3 Prozent erreicht hatte. Eine erste Schätzung will das Statistische Bundesamt noch im Laufe des Nachmittags abgeben, wenn weitere Länderdaten vorliegen. Von Oktober auf November sanken die Preise in den vier Ländern zwischen um 0,5 und 0,6 Prozent. Entlastet wurden die Haushalte vor allem durch billige Kraftstoffe. Benzin und Diesel kosteten etwa in Hessen 8,1 Prozent weniger als im Oktober. Heizöl verbilligte sich in Nordrhein-Westfalen um 13 Prozent. Ausgelöst wurde der Preisrutsch durch billigeres Rohöl. Ein Fass kostet derzeit mit rund 50 Dollar fast 100 Dollar weniger als im Juli, weil die weltweite Konjunkturflaute die Nachfrage drückt.

Viele Lebensmittel waren ebenfalls günstiger zu haben. Milch, Sahne und Quark kosteten in Sachsen zwischen acht und zehn Prozent weniger als im Vormonat. Auch Butter, Obst und Gemüse wurden preiswerter. Experten bezeichneten den nachlassenden Preisdruck als gute Nachricht. "Wir haben jetzt wieder Preisstabilität erreicht", sagte Postbank-Chefvolkswirt Marco Bargel. "Inflation ist nun kein Thema mehr."

Die Teuerung werde in den kommenden Monaten weiter nachlassen und sei derzeit das beste Konjunkturprogramm. "Das stützt die Kaufkraft und damit den privaten Konsum", sagte auch Citigroup-Analyst Jürgen Michels. Das Konsumklima hatte sich wegen der sinkenden Preise zuletzt zwei Mal in Folge aufgehellt. Die geringe Preisauftrieb in Europas größter Volkswirtschaft lässt der Europäischen Zentralbank (EZB) freie Hand für weitere Lockerungen der Geldpolitik. "Es gibt Spielraum für weitere Zinssenkungen", sagte Bundesbank-Präsident Axel Weber dem "Handelsblatt" vom Mittwoch.

Die EZB habe Luft für weitere Schritte, weil die Preise für Energie und Nahrungsmittel fielen und auch die Kapazitätsauslastung der Industrie zurückgehe. "Das alles wird die Inflation drücken", sagte Weber, der im EZB-Rat sitzt. Die Währungshüter haben den Leitzins bereits in zwei Schritten von 4,25 auf 3,25 Prozent gesenkt und eine weitere Lockerung für Dezember signalisiert. Mit billigerem Geld will sie die Rezession abfedern.

manager-magazin.de mit Material von reuters

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