US-Botschafter "Bush war ein großer Präsdident"

Der scheidende US-Botschafter in Deutschland, William Timken, verrät uns zum Abschluss: Die Schuld der USA an der Finanzkrise sei gering, das amerikanische Konzept des ungeregelten Marktes dem europäischen Modell der sozialen Marktwirtschaft überlegen, und George W. Bush sei ein erfolgreicher US-Präsident.

Berlin - Der scheidende US-Botschafter in Deutschland, William Timken, hat Vorwürfe zurückgewiesen, die USA hätten die weltweite Finanzkrise verursacht. "Wer heute sagt, Amerika sei an allem schuld, der missachtet die Fakten", sagte er der "Berliner Zeitung" (Dienstag). Die Immobilienblase sei zwar in den USA entstanden, aber Blasen solcher Art habe es auf der ganzen Welt wiederholt gegeben. Gegenseitige Schuldzuweisungen führten jetzt allerdings nicht weiter.

Der Botschafter geht nicht davon aus, dass sich nun das europäische Modell der sozialen Marktwirtschaft gegen das amerikanische Konzept des ungeregelten Marktes durchsetzen könnte: "Das glaube ich überhaupt nicht." Staatliche Eingriffe in die Wirtschaft seien noch nie sehr erfolgreich gewesen. Zur derzeit auch in den USA praktizierten staatlichen Unterstützung großer Unternehmen sagte Timken: "Es gibt Zeiten, in denen man kurzfristig zu Maßnahmen greifen muss, die man langfristig nicht anwenden würde."

Zugleich widersprach der scheidende US-Botschafter der Einschätzung, George W. Bush sei ein wenig erfolgreicher und schlecht angesehener Präsident. Er habe die USA vor weiteren Terroranschlägen bewahrt und viel für die Bekämpfung von Aids in Afrika getan. "Wenn Sie nach Afrika gehen, dann werden Ihnen die Menschen sagen: George W. Bush war ein großer Präsident." Die Historiker würden einst milder über Bush urteilen als die negativ fixierten Medien heute, sagte der Botschafter. Seine Amtszeit endet mit der des US-Präsidenten im Januar, aber er verlässt Deutschland bereits Anfang Dezember.

manager-magazin.de mit Material von dpa-afx

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