Deutsche Bank Feinjustierung angekündigt

Der hiesige Branchenprimus Deutsche Bank braucht "Neuausrichtungen", benötigt "Nachjustierungen" - schreibt Vorstandschef Josef Ackermann in einem Brief. Dazu gehört angeblich der Ausbau des Privatkundengeschäfts.

Frankfurt am Main - Die Finanzkrise zwingt die Deutsche Bank  zu Änderungen ihrer Geschäftsstrategie. "Einige Neuausrichtungen und Nachjustierungen werden nötig sein", schrieb Vorstandschef Josef Ackermann in der vergangenen Woche in einem Brief an Bankmanager, der der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlag.

Darin führte er aus, wie die Abhängigkeit von dem krisengeschüttelten Investmentbanking reduziert und stattdessen etwa das Privatkundengeschäft ausgebaut werden soll. So würden im Kapitalmarktgeschäft Ressourcen von Bereichen abgezogen, bei denen eine Erholung auf kurze Sicht nicht zu erwarten sei. Reuters hatte vergangene Woche erfahren, dass die größte deutsche Bank im Handel etwa mit strukturierten Produkten rund 900 Stellen abbauen will. "Investmentbanking bleibt aber ein Kerngeschäftsfeld der Deutschen Bank", heißt es in dem Brief.

"Wir haben einen Prozess der Überprüfung unserer Firmenstrategie eingeleitet mit dem Ziel, unsere Kerngeschäftsfelder weiterzuentwickeln", schrieb Ackermann. "Wir haben über die Zeit das Potenzial, die Rekordgewinne von 2007 zu erreichen und sogar zu übertreffen." Kurzfristig hat die Bank aber wegen des schwierigen Marktumfelds mit großer Skepsis der Investoren zu kämpfen. Die Aktien sind seit Monaten auf Talfahrt und waren Ende vergangener Woche mit weniger als 19 Euro so günstig wie seit 20 Jahren nicht mehr. Vor einem Jahr notierten die Papiere noch bei mehr als 90 Euro. "Die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank liegt deutlich unter unserem wahren Wert", erklärte der Bankchef. Am Montag zogen die Aktien wie andere Finanzwerte in Reaktion auf das Rettungspaket für die US-Großbank Citigroup an und notierten sechs Prozent im Plus bei 20 Euro.

Investoren kritisieren vor allem die Kapitalausstattung der Deutschen Bank als zu niedrig für die Zeit nach der Krise. Ackermann hat hierauf bereits reagiert und einige Maßnahmen in die Wege geleitet. So peilt er mittlerweile eine Kernkapitalquote von mindestens 10 Prozent an statt bisher acht bis neun Prozent. Zudem baut das Institut den Verschuldungsgrad und die Risikopositionen kontinuierlich ab. Das Engagement in abschreibungsgefährdete Großkredite zur Finanzierung von Übernahmen habe sich im Handelsbuch seit dem Ende des dritten Quartals halbiert, schrieb Ackermann.

Insgesamt würden die Kreditausfallrisiken bei Unternehmen und Haushalten zwar zunehmen. "Doch dank der Qualität unseres Kreditbuchs und unserer Absicherungen sind wir in diesem Bereich relativ gut aufgestellt."

manager-magazin.de mit Material von reuters

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