Montag, 17. Juni 2019

Krisenticker Ford verliert Kreditwürdigkeit

An der Wall Street kommt es zu einem dramatischen Ausverkauf. Der Chef der Weltbank warnt vor einer Wiederholung der Fehler von 2001. Die Schweizer Nationalbank senkt ihren Leitzins um einen vollen Prozentpunkt. Verfolgen Sie den Krisenticker auf manager-magazin.de.

22.58 Uhr: Die staatlichen US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac unterbrechen die Zwangsversteigerungen von Häusern säumiger Schuldner für die Weihnachtszeit. Vom 26. November bis zum 9. Januar werde es keine Vollstreckungen geben, teilten die beiden Institute, die nach dem Verschwinden der privaten Hypothekenbanken den Großteil des Markts kontrollieren, mit. In dieser Zeit solle geprüft werden, ob Schuldner die Bedingungen für ein neues Umschuldungsprogramm erfüllen. Danach dürfen die Zins- und Tilgungszahlungen inklusive Steuer und Versicherung nicht 38 Prozent des Monatseinkommens der Hausbesitzer übersteigen.

22.51 Uhr: Die insolvente Investmentbank Lehman Brothers hat einen Nachfolger für den scheidenden Konzernchef Richard Fuld benannt. Fuld werde am 31. Dezember seinen Posten räumen und Platz für den Restrukturierungsexperten Bryan Marsal machen, erklärte Lehman-Anwalt Harvey Miller. Fuld hatte knapp 40 Jahre lang für Lehman Brothers, bis zur Pleite im September die viertgrößte Investmentbank der Wall Street, gearbeitet und die Firma seit ihrem Börsengang im Jahr 1994 geführt.

22.40 Uhr: Der US-Computerhersteller Dell Börsen-Chart zeigen hat im dritten Geschäftsquartal einen nicht ganz so starken Gewinnrückgang erlitten wie von Analysten befürchtet. Der Überschuss sei von August bis Oktober um 5 Prozent auf 727 Millionen US-Dollar gesunken, teilte Dell am Donnerstag mit. Je Aktie belief sich der Gewinn dank Aktienrückkäufen auf 0,37 Dollar (Vorjahr: 0,34 Dollar). Der Konzernumsatz sank um 3 Prozent auf 15,16 Milliarden Dollar und verfehlte damit die Analystenprognosen. Der weltweit zweitgrößte Computerproduzent leidet unter der nachlassenden Nachfrage nach IT-Produkten. Die Situation bleibe "herausfordernd", so der Konzern.

22 Uhr: An der New Yorker Börse läutet die Schlussglocke. Der Dow Jones Börsen-Chart zeigen schließt mit einem Verlust von 445 Punkten oder 5,6 Prozent auf dem Stand von 7552,29 Zählern. Für die Technologiebörse Nasdaq Börsen-Chart zeigen geht es um 5,1 Prozent abwärts auf 1316,12 Punkte. Der S&P 500 Börsen-Chart zeigen markiert mit minus 6,7 Prozent auf 752 Punkte den tiefsten Stand seit elfeinhalb Jahren.

21.29 Uhr: Weltbank-Chef Robert Zoellick hat vor einer neuen Blase in der Wirtschaft gewarnt. Da die Märkte weltweit inzwischen mit flüssigem Kapital reichlich ausgestattet seien, drohe eine Wiederholung der Verhältnisse nach dem Platzen der Technologieblase 2001, sagte Zoellick am Donnerstag in einem ZDF-Interview. "Worauf wir selbst bei den Reaktionen auf die derzeitigen Probleme achten müssen, worauf wir ein Auge haben müssen, ist, dass wir im Moment mit Liquidität überflutet werden", sagte er. "Und wenn das Bankensystem wieder anfängt zu arbeiten, kann es einen neuerlichen Boom geben."

Anfang des Jahrtausends hatte die US-Notenbank die Wirtschaft über niedrige Zinsen großzügig mit Geld versorgt, um den Konjunktureinbruch nach dem Platzen der Technologieblase aufzufangen. Die reiche Liquidität regte einen Aufschwung an, wird heute aber auch als eine der Ursachen für die derzeitige Finanzkrise betrachtet.

Ford-Zentrale in Michigan: Aus Sicht von Standard & Poor's hat der Konzern Schrottstatus
21.24 Uhr: Der US-Autohersteller Ford Börsen-Chart zeigen hat nach dem Urteil der Ratingagentur Standard & Poor's weiter an Kreditwürdigkeit eingebüßt. S&P senkte ihr Rating von "B-" auf "CCC+". Als Grund gab die Ratingagentur den steigenden Kapitalbedarf Fords infolge der nachlassenden Nachfrage aus den USA und Europa und die Abkehr der Verbraucher von Benzinschluckenden Pickup-Trucks und Geländewagen an. Es sei davon auszugehen, dass sich die Cashbestände in den nächsten Quartalen verringern, hieß es weiter. Zwar sei Fords Liquidität immer noch besser als die von General Motors oder Chrysler, dennoch bestehe die Gefahr, dass sie nicht ausreiche, um die derzeitige Krise der Autoindustrie zu überstehen. Ford könnte gezwungen sein, Gläubigerschutz zu beantragen.

Festverzinzliche Wertpapiere mit einem Rating von "CCC" sind gemäß der Definition von S&P derzeit anfällig für Zahlungsverzug. Im Falle nachteiliger geschäftlicher, finanzieller oder wirtschaftlicher Bedingungen ist es unwahrscheinlich, dass der Schuldner in der Lage ist, seinen finanziellen Verbindlichkeiten aus dieser Emission nachzukommen

21.10 Uhr: Die insolvente Fluggesellschaft Alitalia Börsen-Chart zeigen wird nach Angaben ihres Konkursverwalters im laufenden Jahr tiefrote Zahlen schreiben. Auf einer Pressekonferenz am Donnerstag sagte Insolvenzverwalter Augusto Fantozzi, dass er mit einem Betriebsverlust von rund einer Milliarde Euro rechne. Die italienische Regierung hatte am Mittwoch der Übernahme der Fluggesellschaft durch die Investorengruppe CAI zugestimmt.

Nach zweijähriger Käufersuche ebnete sie damit den Weg für den im nächsten Monat geplanten Neustart der Airline. Das Industrieministerium genehmigte den Kauf zu einem Preis von 1,052 Milliarden Euro durch die italienischen Geschäftsleute. Das Konsortium plant, die gesunden Teile der seit Ende August unter Gläubigerschutz stehenden Alitalia mit dem kleineren Rivalen Air One zu verschmelzen. Um die Überlebenschancen zu verbessern, ist die Regierung in Rom zudem noch auf der Suche nach einem ausländischen Großaktionär. Im Gespräch sind Air France-KLM Börsen-Chart zeigen und Lufthansa Börsen-Chart zeigen.

21.06 Uhr: Die US-Notenbank will ihre Tagung im Dezember auf zwei Tage ausdehnen. Statt nur am 16. Dezember werde der Offenmarktausschuss schon am 15. Dezember zusammenkommen, teilte die Federal Reserve mit. Auf der Sitzung sollen die nächste Entscheidung zu den Leitzinssätzen und die Beurteilung der Wirtschaftslage beraten werden.

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