Absatzflaute Eine radikale Lösung für die Autoindustrie

Wie kann man der Autoindustrie schnell und wirksam helfen? Sicher nicht durch Senkung der Kfz-Steuer. Wirksamer wäre, den nächsten 500.000 Autokäufern jeweils 10.000 Euro zu schenken. Ohne weitere Bedingungen, direkt, sofort. Diese radikale Maßnahme würde vergleichsweise wenig kosten und für eine Flut von Bestellungen sorgen.

Der Staat pumpt derzeit Milliarden in das Bankensystem. Und vermutlich wird es bei direkten Subventionen von Autofirmen wieder um Milliarden gehen. Diese lassen sich wesentlich wirksamer einsetzen.

Gehen wir einmal von fünf Milliarden Euro aus – im Vergleich zu den derzeit kursierenden Summen ein Klacks. Fünf Milliarden Euro sind eine Million mal 5000 Euro. Mit diesem Betrag lassen sich also direkt beim Verbraucher eine Million Autos subventionieren. Oder vielleicht noch besser man gibt 10.000 Euro für 500.000 Autos. Direkt an den Verbraucher, ohne weitere Konditionen, sofort.

Dabei wird der Bestellzeitraum auf zwei oder drei Monate oder sogar auf den Rest des Jahres 2008 begrenzt. Es gilt: wer zuerst bestellt, der bekommt den Betrag. Dieser Betrag geht sofort mit der Bestellung beim Autokauf an den Autohändler oder Autohersteller. Statt eines Absolutbetrages kann man auch einen Prozentsatz subventionieren. Dabei würde ich allerdings einen Sockel von zum Beispiel 3000 Euro wählen.

Kein Hersteller würde bevorzugt

Ich beschäftige mich seit 40 Jahren mit Preiselastizitäten. Wir haben Hunderte von Preisstudien für die Autoindustrie durchgeführt. Wenn ich nicht total daneben liege, wird es mit dieser Maßnahme sofort Zehntausende, vermutlich sogar Hunderttausende von Bestellungen geben.

Kein Verbraucher, der einen Autokauf in der nächsten Zeit erwägt, wird sich diese Chance entgehen lassen. Um bezüglich des Betrages etwas sicherer zu sein, könnte man eine Schnellstudie zur derzeitigen Preiselastizität machen. In drei Tagen kann ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, wie viele Autos bei 10.000 Euro Subvention in den nächsten zwei Monaten mehr verkauft werden. Die höhere Autonachfrage schlägt voll auf die Zulieferer und die gesamte Wirtschaft durch.

Diese Maßnahme hat zudem den Vorteil, dass kein Autohersteller bevorzugt wird. Der Kauf wird subventioniert. Die Verbraucher entscheiden, welche Marke sie kaufen. Vermutlich wäre die Variante mit Sockelbetrag und prozentualer Subvention angemessener, da sie eher marktanteilsneutral ist. Man mag zwar aus Umweltgründen für kleinere Autos sein, aber die Produktionskapazitäten sind im Moment so wie sie sind und deshalb muss man allen Herstellern gleiche oder zumindest ähnliche Chancen geben. Wir können bis auf weiteres nicht nur kleine Autos herstellen und verkaufen.

Subventionen auch für ausländische Autos?

Subventionen auch für ausländische Autos?

Ein kritisches Thema: Gilt die Subvention auch für ausländische Autos. Das Beste wäre, wenn man andere Länder zum Mitmachen bewegte. Falls das nicht gelingt, sollte man sie für alle Marken gelten lassen. Im Wesentlichen würde sich das dann gemäß den heutigen Marktanteilen niederschlagen.

Die Umsetzung der Maßnahme ist denkbar einfach. Regierung und Parlament müssten beschließen, dass jeder Autokäufer im Zeitraum x bei Bestellung einen Betrag oder Prozentsatz von y erhält. Eine bestehende Behörde, zum Beispiel die Kfz-Steuerabteilung der Finanzämter, wird mit der Umsetzung beauftragt. Wenn eine Bestellung vorliegt, geht das Geld direkt an den Händler. Der Kunde zahlt entsprechend weniger.

Ergänzend könnte man vom Käufer eine Anzahlung verlangen. Das würde die Finanzlage der Autohändler und –hersteller weiter entspannen.

Natürlich ist eine solche Maßnahme nicht marktkonform. Sie erscheint mir aber wesentlich marktgerechter als direkte Subventionen für einzelne Hersteller. Sie wird vermutlich auch zu Vorzieheffekten führen. Das lässt sich nicht vermeiden. Diese Maßnahme dürfte vergleichsweise wenig kosten und einen enormen Effekt bringen. Wir brauchen eine radikale, sofort wirksame Maßnahme jetzt. Hier ist sie.

Übersicht: Wie Zulieferer, Anlagenbauer und Händler auf die Krise reagieren

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